20°C
Mittwoch, 23.05. - 11:31 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Sportredaktion testet sich im Zumba

Bei Charleston und Zumba soll unser Volontär lernen, was Hüftkreisen bedeutet - 21.02. 11:39 Uhr

NÜRNBERG  - Volontäre sollen lernen. Weil unser Volontär Stefan Bergauer „Rhythmusgefühl“ zwar korrekt schreiben kann, er sich ansonsten aber recht hölzern bewegt, haben wir ihn zum Zumba und zum Charleston geschickt.

Volontär Stefan Bergauer macht bei der Zumba-Stunde eine halbwegs gute Figur.
Volontär Stefan Bergauer macht bei der Zumba-Stunde eine halbwegs gute Figur.
Foto: Eduard Weigert
Volontär Stefan Bergauer macht bei der Zumba-Stunde eine halbwegs gute Figur.
Volontär Stefan Bergauer macht bei der Zumba-Stunde eine halbwegs gute Figur.
Foto: Eduard Weigert

Ich bin schlecht vorbereitet auf meine Charleston-Stunde in Julia Kempkens Tanzfabrik. Ich sollte Schuhe mit glatter Sohle mitbringen. Dabei habe ich nur meine Anzugschuhe, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und mir in meinen bisherigen Standardtanz-Erfahrungen zwar gute Dienste geleistet, aber nur eine Gummisohle haben. „Oh, das ist schlecht“, sagt eine Teilnehmerin. Bei den Scissors weiß ich warum. Die Knie leicht gebeugt werden die Beine in den Hüftgelenken nach innen und außen gedreht, die Hände wandern von einem Knie zum anderen. Und weil Charleston ein Tanz mit 200 Rhythmusschlägen in der Minute ist — Standardtänze haben nur rund 80, bremsen die Sohlen ganz gewaltig. Also weg mit den Dingern, auf Socken geht’s weiter.



Geduldig erklärt Julia Kempken uns, vor allem mir, ein paar Grundformen, die wir erst langsam, dann schneller nachtanzen. Die Windmill wird meine Lieblingsfigur, das ausgestreckte rechte Bein beschreibt einen Bogen, die Arme gehen auf und ab. Das macht einen Riesen-Spaß und ich beginne zu verstehen, warum Charleston Anfang des letzten Jahrhunderts Amerika und Europa eroberte, mehr noch in Ekstase versetzte. Das kann natürlich auch an Josephine Baker gelegen haben, die entdeckte, dass man mehr Beifall bekommt, wenn man untenrum nur ein Bananenröckchen und obenrum gar nichts trägt. Charleston war ein Skandaltanz. Die Frau trug kürzere Röcke und zeigte Bein, entsetzlicherweise sogar Haut. Die Shimmys, das Wackeln mit Oberkörpern und Händen, war zeitweise in den Tanzlokalen verboten. Was natürlich umso mehr reizte.

Heute hat der Spaßtanz zwar weniger, aber immer noch viele Anhänger. „Die Mimik, die Bewegung des kompletten Körpers und die Möglichkeit, sich im Stil der 20er zu kleiden, machen süchtig“, sagt Kempken.

Nach einer Stunde wird es richtig kompliziert, Kempken geht dazu über, mit den anderen fünf Teilnehmern die Abfolge der einzelnen Figuren zu üben. Weil es unglaublich viel Spaß bereitet, mache ich so gut es geht mit und versuche, bei schnellen Drehungen nicht im Weg zu stehen.

Und auch wenn mich meine Freundin auslacht, als ich ihr am Abend stolz meine Windmill vorführe: Julia Kempken meint, ich habe mich gar nicht schlecht angestellt. Von wegen hüftsteif, liebe Redaktion.

Ein gutes Jahrhundert später habe ich es geschafft. Ich habe den schnellsten und einfachsten Weg gefunden, beim Zumba alles falsch zu machen. Einmal aus dem Takt gekommen, versuchte ich verbissen, den Übungen Doro Hubbes zu folgen. Darin lag mein Fehler. „Zumba ist bewegen, bewegen, bewegen“, sagt Doro Hubbes, die in der Georg-Paul-Amberger-Schule den Zumba-Kurs des TV 1860 Nürnberg leitet. „Und das Wichtigste: Spaß haben!“

Könnte ich kolumbianisches Spanisch, hätte ich mir das auch denken können. Zumba bedeutet, frei übersetzt, sich schnell zu bewegen und dabei Spaß zu haben. Das fällt mir anfangs schwer. Ich komme mir blöd vor, zu „Ai Se Eu Te Pego“ von Michel Teló die Knie hochzuziehen, mit den Hüften zu wackeln und „Hey“ zu schreien. Doch dann sage ich mir, dass ich mich auch nicht dümmer anstellen kann als Ailton, der sich im Dschungelcamp zu demselben Lied lächerlich machte. Schon wandern meine Mundwinkel nach oben und ich beginne zu verstehen, warum Zumba in den letzten Jahren zum Lieblings-Hausfrauensport geworden ist: Es macht einfach Spaß und kommt aus den USA. „Deshalb ist es modern, deswegen will es jeder machen“, sagt Hubbes. Dazu kommt, dass man außer Schuhen mit weichen Sohlen keine Ausrüstung braucht und sich zu Urlaubsmusik wie Chan Chan, Merengue, Rigaton und anderen lateinamerikanischen Tänzen bewegt. Die sagen Ihnen nichts? Kein Problem, die Bewegungsabläufe sind nicht allzu kompliziert. Man darf eben nur nicht verkrampfen und irgendetwas erzwingen wollen.

Bei all der Fröhlichkeit und Entspannung, die Zumba mit sich bringen soll — und tatsächlich auch tut, ich gehe mit einem so breiten Grinsen nach Hause, dass mich die Leute auf der Straße seltsam anschauen — kommt man ordentlich ins Schwitzen. Neben mir tanzt ein Seniorenpaar, beide haben die 70 überschritten. „Am Wochenende habe ich einen Trainings-Tango im Radio gehört, da habe ich gleich mal ein paar Schritte gewagt“, sagt er. Doro Hubbes strahlt. „Jaja“, sagt sie. „Zumba macht süchtig, schreiben sie das wörtlich.“ Mache ich, denn wie Julia Kempken hat sie recht. 



Stefan Bergauer

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Aktueller Zeitungstitel Nürnberger Nachrichten
  • Suchtexperten verzweifeln an der Politik: Der Staat profitiert vom Spielhallenboom
  • Über die Wichtigkeit von rosa Unterhosen: Interview mit der Erlanger Spaß-Kapelle J.B.O.
  • OB Maly schlägt Alarm: In Nürnberg droht ein Engpass an günstigen Mietwohnungen
Sport-Arena

Brightcove Video 1. FCN

Fußballtippspiel

Fußball in der Region
Fußball in der Region
Spielberichte, Statistiken und Hintergründe von der Regionalliga bis zur B-Klasse. Umfassend, aktuell und kompetent.