Per Nilsson war sauer. Auf sich selbst, auf seine Mannschaft, eigentlich auf diesen ganzen verkorksten Tag. "Ich bin", sagte er, "aufgeregt, sehr aufgeregt - wir hatten uns so viel vorgenommen." Und jetzt? "Besch...", sagte Nilsson, normalerweise ein ruhiger, ausgeglichener Mensch, fühle er sich, richtig schlecht. Per Nilsson, 28, ist Innenverteidiger beim 1.FC Nürnberg, er war schwedischer Nationalspieler und ist seit zehn Jahren Profi. Seine Erfahrung stand für die Hoffnung, die Mannschaft würde künftig weniger Dummheiten machen. Aber dann machte Nilsson genauso viel verkehrt wie alle anderen - und stand, zum Heimspiel-Auftakt, ein 1:2 gegen Freiburg. Eine Enttäuschung für alle. "Ich hatte auch gedacht, dass wir dieses Spiel gewinnen würden", sagt Nürnbergs Manager Martin Bader zwei Tage später. Es ist so eine Sache mit Prognosen, nicht nur in Nürnberg. "Wenn du manche Dinge hättest ahnen können, hättest du jetzt schon viel Geld gewonnen", sagt Nilsson mit Blick auf das, was bisher geschah.
Hannover siegt auf Schalke, Mainz gewinnt nach einem 0:3-Rückstand in Wolfsburg, Kaiserslautern schlägt den FC Bayern. Am Sonntag schoss Mönchengladbach, das sich zuvor zu einem 1:1 gegen Nürnberg gemüht hatte, Michael Ballacks Leverkusener durch Sonne und Mond - 6:3. "Ganz genau", sagt Nilsson, "wirst du es im Fußball nie wissen". Es war die Antwort auf die Frage, was sich nun verändern müsse bei seinem Club, und Nilsson wollte keine einfachen Antworten geben. Eine Summe individueller Fehler habe, vermutet er, das Team aus dem Rhythmus gebracht. "Aber man muss es jetzt sacken lassen", findet Nilsson, "und genau analysieren, was wir in den ordentlichen ersten vierzig Minuten richtig gemacht haben und warum das dann nicht mehr geklappt hat - das ist eine Aufgabe, die man nicht innerhalb von ein, zwei Tagen löst."
"Alles ist im Fußball möglich", sagt Nilsson auch - im Blick auf die ersten reichlich kuriosen Ergebnisse und natürlich auf das Nervenkostüm der eigenen Mannschaft, das sich nun schon seit Jahren als anfällig erweist. Am Samstag reichte wieder einmal ein Gegentor, um gute Ansätze zu verschütten; jetzt geht es mit der Hypothek eines verpatzten Starts nach Hamburg und Leverkusen. "Sehr schwer", meint Nilsson, werde das sicher, "aber jetzt sind wir Außenseiter", und das könne ein kleiner psychologischer Vorteil sein - siehe Mainz, Kaiserslautern, Hannover oder Mönchengladbach in Leverkusen. Die stehen jetzt alle vor Nürnberg, "und die, die hinter uns stehen, werden da am Saisonende kaum mehr zu finden sein", mutmaßt nicht nur Bader - es handelt sich um u.a. Schalke 04, den VfL Wolfsburg und den VfB Stuttgart, aber Bader schaut natürlich auch nach vorne: "Es ist ja nicht so, dass uns St. Pauli oder Freiburg schon enteilt wären."
Die Hoffnung indes, dass ein ordentlicher Start nach dem Vorbild des Vorjahres-Mitaufsteigers Mainz der Mannschaft eine stressfreiere Selbstfindung ermöglicht, ist schon ein bisschen dahin. Dass noch ein Neuzugang mithilft, ist eher unwahrscheinlich - "wenn sich nicht noch etwas Besonderes auftut", wie Bader es formuliert. Der Transfermarkt schließt heute um Mitternacht, "und wir werden jetzt nicht panikartig irgendetwas tun" (Bader). Per Nilsson hat einen guten Vorschlag: "Bis zum nächsten Spiel sehr hart arbeiten." Auch damit kann man eine Menge gewinnen.
