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Timothy Chandler keiner dieser Autogrammjäger, die sich auf ein Bild mit ihren Helden drängen. Er hätte einer werden können, wenn ihn nicht der Club entdeckt hätte. Chandler kickte bis 2010 in der 2. Mannschaft von Eintracht Frankfurt. Für die Bundesliga, so sagte man es Chandler, würde es nicht reichen. Also verließ Chandler seine Heimatstadt, ging zum 1.FCN. Er spielte auch dort in der 2. Mannschaft. Ob es für die erste reichen würde, konnte man ihm auch beim Club nicht versprechen. Jetzt, zwei Jahre später, ist Chandler US-Nationalspieler. Ob er es bleibt, hat auch mit Joachim Löw zu tun.
Chandler war als Offensivspieler an den Valznerweiher gekommen, aber Rene Müller, der damalige Trainer der Regionalliga-Mannschaft, machte ihn zum Rechtsverteidiger – und damit zu gut für die Regionalliga. Irgendwann bat Müller seinen Vorgesetzten Dieter Hecking, diesem Chandler doch eine Chance zu geben. Hecking gab Chandler die Chance – und Chandler nutzte sie. Am 22. Januar 2011 wurde Chandler in Freiburg erstmals eingewechselt, zwei Monate später war er Nationalspieler. Chandler, Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners, wurde von den USA eingeladen. Zwei Tests standen auf dem Programm: gegen Paraguay und Argentinien. Gegen Argentinien wurde Chandler eingewechselt, das Bild mit Messi ist an diesem Abend entstanden.
Chandler hat damals oft gesagt, dass er sich vorkommt wie in einem Traum. Er, der für die Eintracht zu schlecht war, führte plötzlich Zweikämpfe mit Messi, dem Besten. In der Rückrunde 10/11 wurde er zum Stammspieler. In seinem zweiten Bundesliga-Jahr hat Chandler 30 Spiele machen dürfen, allerdings nicht alle auf seinem Lieblingsplatz. Im Dezember gegen Hoffenheim sah Chandler Rot, im nächsten Spiel wurde er von Markus Feulner so gut vertreten, dass der als Rechtsverteidiger weitermachen durfte. Chandler sollte fortan auf seiner alten Position spielen: im rechten Mittelfeld.
Chandler hat auch dort nicht enttäuscht, war aber trotzdem froh, als er wieder verteidigen durfte. Jetzt geht Chandler als Rechtsverteidiger Nummer eins in die neue Saison. Im Frühjahr hat er seinen Vertrag beim Club verlängert, obwohl ihn der VfB Stuttgart auch mit der Aussicht auf Europacup-Spiele lockte. „Eine Herzensentscheidung“ nennt Chandler sein Bekenntnis zu Nürnberg, „34 Spiele“ will er machen in einer Mannschaft, die er „spielerisch noch stärker“ einschätzt als den Jahrgang 2011/12.
Für eine andere Mannschaft, die spielerisch noch etwas stärker einzuschätzen ist, könnte er auch auflaufen: Es war während der EM, als man sich in Deutschland plötzlich Gedanken machen musste über ein kleines Abwehrproblem. Mit Philipp Lahm hatte man nur noch einen Rechtsverteidiger von internationalem Format. Auf rechts musste Jerome Boateng spielen, der sich als Innenverteidiger sieht. Als Boateng fehlte, musste Lars Bender, ein Mittelfeldspieler, aushelfen. Chandler ist ja jetzt Rechtsverteidiger und für Deutschland dürfte er auch spielen: Er hat noch kein Pflichtspiel absolviert für die USA.
Erst im September hätte er sich festgespielt, dann starten die USA in die WM-Qualifikation. Und wenn sich vorher der DFB bei ihm meldet? „Mich hat noch keiner angerufen“, sagt Chandler, „und ich will mich nicht aufdrängen.“ Eine Absage hört sich anders an. Passen würde es ja: Das nächste Mal spielt Deutschland am 15. August – gegen Argentinien mit Lionel Messi.
So. 19.05.13
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Sa. 18.05.13
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