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Triathlon-Tribüne

Unsere Lieblingsplätze beim Challenge: Der Start verzaubert Zuschauer und Aktive mit seiner Atmosphäre - 26.06.2012 16:22 Uhr

Wo alles beginnt: Einmal im Jahr kocht an der Kanallände von Hilpoltstein das Wasser, wenn Tausende von Triathleten und Triathletinnen in das Abenteuer Challenge starten.

Wo alles beginnt: Einmal im Jahr kocht an der Kanallände von Hilpoltstein das Wasser, wenn Tausende von Triathleten und Triathletinnen in das Abenteuer Challenge starten. © Marc Johnston


Es ist so elend früh, kein Mensch steht freiwillig am Sonntag weit vor Sonnenaufgang auf. Sie müssen nicht, sie könnten hinterher treuherzig versichern: „Natürlich standen wir oben auf der Brücke, gleich hinter der Familie mit dem Transparent.“ Eine Familie mit Transparent ist immer unter den Tausenden Zuschauern beim Start des Challenge Roth an der Kanallände von Hilpoltstein, man riskiert also kaum, beim Schwindeln ertappt zu werden. Trotzdem sind die Angehörigen, die Freunde, die Fans bereits um 5 Uhr da, stehen hellwach in Zweier-, Dreierreihen auf der Brücke, am Ufer, lange, bevor der erste Countdown ertönt. Sie sind keine Staffage, keine reine Kulisse, sie sind aktiver Teil eines magischen Morgens.

Denn die Atmosphäre vor dem ersten Pistolenschuss um 6.30 Uhr beim größten Triathlonspektakel in Europa ist alles, nur eins nicht: verschlafen. Im Parc fermé, wo weit über 3000 Räder warten und sich die Startgruppen in ihren walfischfarbigen Neoprenanzügen versammeln, hasten Sportler, Betreuer, Berichterstatter, Helfer und Ordner bunt durcheinander, während das Publikum rund um den Kanal wellenweise gute Wünsche schickt, laut und lautlos. Mit jedem Schritt Richtung Wechselzone taucht man ein in dieses riesige pulsierende Energiefeld, das sich in den nächsten zwei, drei Stunden aus einem komplexen Wirrwarr an Nervosität, Vorfreude und Anspannung speisen wird.

Jahr für Jahr weben die Organisatoren einen durchkomponierten Klangteppich für den Auftakt des Dreikampfs aus Schwimmen, Radfahren und Laufen, dessen teils heroische, teils popige Musik das Gelände überzuckert. Man ist fast dankbar, dass einen ab und zu die Sprecherstimme ins profane Diesseits zurückholt, weil mal wieder ein Teilnehmer seinen Schwimmanzug oder seinen Radhelm zu Hause, im Hotel, im Zelt liegengelassen hat. Man wundert sich über die menschliche Vergesslichkeit vor so einem Wettkampf, und dann wundert man sich noch viel mehr, weil garantiert immer einer der Zuschauer just das passende Objekt in der richtigen Größe zufällig mit sich führt.



Nie werden sich an diesem speziellen Triathlon-Tag Wunsch und Wirklichkeit noch einmal so nahekommen. Alles ist möglich, während später, nach dem ersten Wechsel, am Solarer Berg, in Greding oder auf der Laufstrecke am Kanal, die schmerzende Wirklichkeit den Wunsch des Triathleten (vom schlichten Ankommen bis zur neuen Bestzeit) immer neu attackiert. Doch jetzt, vor dem Start, sind Sportler, Wunsch und Wirklichkeit, noch Verbündete. Vergessen sind die vielen Trainingsstunden im Schwimmbecken, die Tausende von Radkilometern, die aufgeweichten Füße nach verregneten Laufeinheiten. Stattdessen lassen sie sich von Freunden und Verwandten durch den Zaun hindurch aufmunternd auf die Schulter klopfen, beäugen teils fachmännisch, teils sehnsüchtig die Hightech-Maschinen der Stars oder wandern einfach ziellos durch die endlosen Holzpaletten-Reihen mit den Rädern, während die ersten Sonnenstrahlen den Himmel zartblau einfärben. Der Countdown läuft, noch einmal die Badekappe zurechtzupfen und dann stürzen sie sich ins Challenge-Abenteuer mit dem beglückenden Gefühl, vom ersten Moment an nicht allein zu sein.

Deshalb: Wecker stellen am 8. Juli. Um 5 Uhr den Logenplatz an der Lände Hilpoltstein sichern und ein Teil dieses Triathlons werden. Die Starter brauchen euch. 

VON ULRIKE ASSMANN

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