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Die zunehmende Verrohung scheint ein Fußball-Phänomen zu sein. Weder im Eishockey noch im Handball oder im Basketball können die zuständigen Bezirksverantwortlichen von einer steigenden Anzahl an tätlichen Angriffen gegen Unparteiische berichten. In allen beliebten Sportarten bilden körperliche Übergriffe die absolute Ausnahme. Was sich jedoch, bis auf die Ausnahme Handball, genauso wie auf dem grünen Rasen verschlechtert hat, sind die verbalen Attacken der Akteure gegen die Spielleiter.
So beklagt Dieter Erdl auch im Eishockey einen stark zunehmenden Verlust des Respekts. Natürlich habe es schon immer verbale Entgleisungen gegeben, „doch die Worte, die mittlerweile Zwölfjährige einem 40-jährigen Unparteiischen an den Kopf werfen, nimmt man eigentlich gar nicht erst in den Mund“, so der Schiedsrichterobmann für Franken. Erdl muss es wissen, über seinen Tisch gehen Spielberichtsbögen aus ganz Bayern. Dabei ist eindeutig zu sehen, dass die Anzahl der 10-Minuten-Strafen wegen Beleidigung deutlich zugenommen hat. Für ihn ist dieser Negativtrend eindeutig ein Spiegelbild einer gesellschaftlichen Entwicklung.
Zu diesem tragen auch die Profis bei, denn allzu oft bekommen Unparteiische wie Roland Wittmann zu hören: „Gestern im DEL-Spiel war das aber genauso.“ Doch es sind nicht nur die Spieler, die sich an schlechten Vorbildern orientieren, auch die Fans und Eltern lassen ihren Zorn über die Referees freien Lauf. „Die Zündschnur wird immer kürzer“, berichtet Wittmann, der für die Schiedsrichtervereinigung Chipmunks Nordbayern pfeifft.
Seit 15 Jahren leitet er Begegnungen bis hin zur Bayernliga und hält vor allem die anonyme Beschimpfung der Spielleiter auf einschlägigen Internetforen für ein immer größer werdendes Problem. „Bevor man überhaupt mit dem Auto nach Hause gefahren ist, wird man im Netz schon kritisiert und es kursieren die wildesten Verschwörungstheorien.“ Um das Verhältnis zwischen den Unparteiischen und den übrigen Beteiligten zu verbessern, hat Dieter Erdl den Vereinen schon oft Regelabende angeboten, darauf jedoch „null Resonanz“ erhalten.
Auch Erdls Basketball-Kollegen wissen von einer ähnlichen Entwicklung zu berichten. „Bei Fehlpfiffen gehen die Spieler immer öfter aus der Spur“, erzählt Theresa Melde. Die Schiedsrichterreferentin für den Bezirk Mittelfranken berichtet, dass ihre Kollegen zum Teil bespuckt, berührt und angegangen werden.
Ein Indikator für den verloren gegangenen Respekt ist die Normalität, mit der mittlerweile technische Fouls wegen Schiedsrichterbeleidigung ausgesprochen werden. War diese Form der Bestrafung vor einiger Zeit noch eine absolute Ausnahme, gelten derartige Entscheidungen nun als nichts mehr Besonderes. Das bestätigt auch Schiedsrichter Matthias Birkmann vom NBC.
„Mittlerweile werden viele Entscheidungen kommentiert und das manchmal auch nicht jugendfrei“, erzählt Melde, die selbst seit 15 Jahren aktiv pfeifft. Zudem lässt auch im Basketball das Verhalten der Zuschauer immer mehr zu wünschen übrig. „Oftmals sind leider diejenigen, die am lautesten schreien, meist selbst aktive Spieler und somit ein schlechtes Vorbild für alle anderen.“
Melde nimmt dabei vor allem die Trainer in die Pflicht, die stänkernde Spieler öfter mal zum Abkühlen auf die Bank setzen müssten. Zudem sollten in schweren Fällen auch die Vereine das Fehlverhalten ihrer Spieler bestrafen. Dazu hat Melde die Beobachtung gemacht, dass, je mehr sich ein Team auf den Referee konzentriert, es desto wahrscheinlicher am Ende das Spiel verliert.
Genauso wie Erdl bekommt auch sie oft von jungen neuen Kollegen den Satz zu hören: „Das tue ich mir nicht mehr länger an. Ich lasse mich doch in meiner Freizeit nicht derartig beschimpfen.“ Beide Sportarten haben daher schon seit längerem mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen.
Rühmliche Ausnahme im verbalen Sittenverfall sind die fränkischen Handballer und das obwohl, oder gerade weil, der Körperkontakt in dieser Sportart eine so große Rolle spielt. Sowohl Bezirksschiedsrichterwart Harald Herberth als auch der erfahrene Referee Stefan Murrmann (TSV Altenfurt) berichten von einem sehr kameradschaftlichen Umgang zwischen Akteuren und Spielleitern.
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12
Mo. 21.05.12
Sa. 19.05.12