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Vier Fehlentscheidungen und ein Missgeschick

Der 1.FC Nürnberg unterliegt zum Rückrundenauftakt im Frankenstadion dem Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach mit 0:1 - 17.01. 07:00 Uhr

NÜRNBERG  - Ob es Babak Rafati als Herausforderung sah? Gerade eben war er ausnahmsweise einmal nicht zum schlechtesten Bundesligaschiedsrichter des vergangenen Halbjahres gewählt worden; der Hannoveraner persischer Abstimmung belegte diesmal nur Rang zwei bei der vom Fachblatt kicker durchgeführten Umfrage unter den Profis. Aber schon nach 90 Minuten Fußball im neuen Jahr könnte sich Seriensieger Rafati dem Spitzenplatz wieder genähert haben.


Pinola brachte den Elfer nicht im Kasten der Gladbacher unter.
Pinola brachte den Elfer nicht im Kasten der Gladbacher unter.
Foto: Zink
Pinola brachte den Elfer nicht im Kasten der Gladbacher unter.
Pinola brachte den Elfer nicht im Kasten der Gladbacher unter.
Foto: Zink

Erste Umfragen im Nürnberger Stadion fielen jedenfalls nicht zu Rafatis Gunsten aus; selbst der Gewinner bedankte sich beim Unparteiischen – wenn auch nicht direkt. Aber als Borussia Mönchengladbachs neuverpflichteter Stürmer Mike Hanke den 1:0 (1:0)-Erfolg beim 1. FC Nürnberg im besten Abstiegskampf-Jargon als „schönen Dreckssieg mit viel Glück“ klassifizierte, war klar, was er damit meinte, und auch sein Trainer wollte nicht lange drumherum reden. „Das nötige Quäntchen Glück“, meinte Michael Frontzeck, sei den Seinen schon beschieden gewesen – ausnahmsweise, wie Frontzeck ergänzte, bisher sei man diesbezüglich ja nicht gerade verwöhnt worden.

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Zweimal war Rafatis Pfeifchen stumm geblieben. Vor der Pause riss Neu-Borusse Martin Stranzl den einschussbereiten Philipp Wollscheid im Torraum um, hernach sah sich der stürmische Nürnberger Innenverteidiger von Mohamadou Idrissou unsanft gebremst – der Elfmeterpfiff blieb jeweils aus, dafür entschied Rafati zur allgemeinen Überraschung auf Foulspiel, als Mönchengladbachs Schlussmann Christofer Heimeroth nach famosem Steilpass von Jens Hegeler im Zweikampf mit Markus Mendler die Kugel fallen ließ – Mendlers vermeintliches Ausgleichstor (77.) zählte nicht, die Bundesliga-Premiere als Torschütze ist aufgeschoben für den 18 Jahre alten Stürmer, und Mann des Tages blieb Rafati selbst.

Dass ansonsten alles ganz anders gekommen wäre zum Rückrundenauftakt, mochte indes auch kein Nürnberger behaupten. „Die Schiedsrichterentscheidungen müssen wir so akzeptieren“, meinte Mehmet Ekici; Torwart Raphael Schäfer hielt es „nicht für unsere erste Aufgabe, das zu beurteilen“ – Zurückhaltung schien schon deshalb geboten, weil der Nachweis, dass Elfmeter für Nürnberg ein Vorteil wären, nicht gelang.

Pinolas Fehlschuss

Denn Rafatis vierte Fehlentscheidung bescherte dem Club jenen Strafstoß, der eigentlich keiner war. Nach einem Zusammenprall von Tobias Levels mit Christian Eigler blieb Javier Pinola als Elfmeterschütze konsequent und beendete die Serie der Fehlleistungen mit einer eigenen: Seinen schwachen Schuss konnte der gute Heimeroth parieren (86.); nach Andreas Wolfs missglücktem Versuch jüngst gegen Kaiserslautern war es der zweite vergebene Elfmeter in einem Heimspiel gegen einen Mitbewerber im Abstiegskampf.


Nach neunzig Minuten lag Nürnberg so zwar in allen Spielstatistiken (Ballbesitz, Torchancen, Zweikampfsiege, Eckbälle) vorn; dummerweise aber mit Ausnahme der einzig wichtigen, weshalb Trainer Dieter Hecking die Niederlage unter Verweis auf einen eklatanten Mangel an Konsequenz im Abschluss „insgesamt verdient“ fand – eine Ansicht, die Roman Neustädter teilte.Der frühe Treffer des Jung-Borussen nach Vorlage von Hanke und unter freundlicher Mithilfe der Nürnberger Defensive entschied die Partie schon zugunsten des Tabellenletzten, und als Neustädter nach seinem ersten Bundesligator vom „Super-Kampfgeist“ und einer „Super-Mannschaftsleistung“ schwärmte, hatte er – gemessen an der Ausgangslage – zum einen recht, zum anderen die Nürnberger Defizite aufgezählt. Sich 45 Minuten Anlaufzeit zu gönnen, ist ein Luxus, den sich Nürnberg nicht leisten kann; „der Wille hat gefehlt, das darf nicht passieren“, tadelte Raphael Schäfer im Blick auf die seltsam lethargisch geführte erste Halbzeit, in der man einen Aufbaugegner für die angeknacksten Borussen abgab.

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Ehe Babak Rafati die imaginäre Wertung klar für sich entschied, hatte man auch aus Nürnbergs Team jede Menge Bewerbungen für den Saure-Gurken-Preis gesehen, während Frontzeck immerhin den Eindruck gewann, dass „wir miteinander bereit sind, das Ding anzupacken“. Dafür sei man „vom Glück belohnt“ worden – und von Babak Rafati.

Und Amtsbruder Hecking? „Zum perfekten Spiel“, sinnierte der, „gehören zwei Mannschaften und der Schiedsrichter – ein perfektes Spiel war es heute nicht.“ Der arme Rafati durfte es als wenigstens teilweise entlastend auslegen.

Nürnberg: Schäfer; Judt (78. Okotie), Wollscheid, Wolf, Pinola – Simons – Hegeler, Cohen (46. Eigler), Ekici, Mak (60. Mendler) – Schieber.

Mönchengladbach: Heimeroth; Levels, Stranzl, Nordtveit, Daems – Marx (81. Jantschke), Neustädter – Reus (90.+2 Anderson), de Camargo, Idrissou – Hanke (71. Bradley).

Schiedsrichter: Rafati (Hannover).Zuschauer: 37.464.Tor: 0:1 Neustädter (8.). Besonderes Vorkommnis: Pinola scheitert mit Foulelfmeter an Heimeroth (86.). Gelbe Karten: Wollscheid / Levels (6), Reus (6), Stranzl.

  



Von Hans Böller

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