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Vom Libero zum Runningback

Jerome Morris ist die neue Waffe im Angriffsspiel der Nürnberg Rams - 30.05.2012 12:00 Uhr

Wenn Jerome Morris den Ball hat, steht er meist einer Wand aus Gegnern gegenüber. Oft findet er eine Lücke.

Wenn Jerome Morris den Ball hat, steht er meist einer Wand aus Gegnern gegenüber. Oft findet er eine Lücke. © Weigert


Jerome Morris ist unzufrieden. „Oh Mann, meine Schuhe...“, beschwert er sich nach der Partie gegen die Darmstadt Diamonds. Seine Schuhe strahlen nicht mehr blütenweiß, sondern haben sich rötlich verfärbt. Nicht etwa, weil ihn einer der Gegenspieler zu hart angegangen wäre, sondern weil im Zuge der Vorbereitungen für Rock im Park rote Asche rund um das Zeppelinfeld ausgeschüttet wurde.

Morris’ Beschwerde ist natürlich nicht ganz ernst gemeint; es wäre ja auch zu absurd, wenn sich einer, der Wochenende für Wochenende damit leben muss, dass ihn bei jedem Ballbesitz die ganze Härte einer Sportart trifft, ernsthaft Gedanken über das Aussehen seines Schuhwerks machen würde.

Jerome Morris ist der neue Runningback bei den Nürnberg Rams. Bis auf eine Saison hat er seine gesamte Karriere bei den Munich Cowboys verbracht, doch zuletzt hat ihn der dortige Vorstand verärgert. Weil der Verein künftig mehr auf amerikanische Spieler setzen wollte und weniger auf die eigenen Talente, haben Gary Lautenschlager und Jerome Morris ihre Sachen gepackt und bei den Rams angeheuert.

Dort freut man sich außerordentlich über die zwei Neuzugänge, denn die beiden deutschen Nationalspieler bringen Qualität und Erfahrung in eine relativ junge Mannschaft, „die sich immer noch finden muss“, wie Morris betont.

Für eine Findungsphase sind die Leistungen der Rams allerdings recht beachtlich; die ersten drei Saisonspiele haben die Nürnberger alle gewonnen, am Sonntag erzielte man einen 23:17-Heimsieg gegen die Darmstadt Diamonds. Eine Mannschaft mit der man sich das letzte Mal vor 20 Jahren in der Bundesliga duellierte.

Also zu einer Zeit, in der sich Jerome Morris noch überhaupt nicht für Football interessierte. Bis zu seinem neunten Lebensjahr stand der Sohn einer Deutschen und eines Amerikaners nämlich als Libero auf dem Fußballplatz. „Glaubt man heute gar nicht mehr, wenn man mich so sieht, oder?“, kommentiert das Offensiv-Schwergewicht die Anfänge seiner Sportler-Karriere mit einem Lächeln und einer rhetorischen Frage.

Masse ist beim Football aber natürlich wichtig, erst recht auf der Position des Runningbacks. Immer dann, wenn sich Quarterback Lautenschlager gegen einen langen Pass entscheidet und die Rams mit einem Laufspiel Boden gut machen wollen, ist Morris gefragt. Dann versucht sich der 24-Jährige mit dem Ball durch die Verteidigungsreihen des Gegners zu tanken. Die Kirchdorf Wildcats hat der gelernte Tierpfleger auf diese Weise schon gezähmt. Zwei Touchdowns erzielte Morris zum Saisonauftakt — sicher nicht die letzten in dieser Spielzeit.

  

SEBASTIAN GLOSER

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