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Statt zu antworten, presste Peter Draisaitl die Lippen zusammen, blickte sich zweimal um, grinste und schwieg vielsagend. Was soll er auch sagen zu der ständigen Frage nach seiner und der Zukunft vieler seiner Spieler, wenn er auf diese Fragen selbst keine Antworten bekommt? Also sagte Draisaitl nichts und machte damit an diesem Freitagabend als einer von lediglich zwei Nürnbergern eine gute Figur.
Trainer Draisaitls Mannschaft war den im bisherigen Saisonverlauf nur unwesentlich weniger enttäuschenden Krefeldern mit 0:2 (0:1, 0:0, 0:1) unterlegen. Der Trainer fand das nicht annähernd so frustrierend wie viele der bis dahin erstaunlich leidensfähigen Zuschauer. „Ich fand tatsächlich, dass wir nicht so schlecht unterwegs waren“, sagte Draisaitl. Die Fans fanden tatsächlich, dass die Ice Tigers so schlecht wie selten unterwegs waren und verabschiedeten die Spieler mit so in der Arena noch nicht gehörten Unmutsbekundungen in die Kabine. Recht hatten beide — irgendwie.
Yan Stastny und Eric Chouinard verfolgten das Pfeifkonzert von der Tribüne aus. Stastny und Chouinard sind Antreiber, Spielmacher, Torschützen, kurz, die herausragenden Persönlichkeiten und: derzeit verletzt. Ohne Stastny und Chouinard wirkten die Ice Tigers bemüht, aber kopflos. Der einzige Spieler — und damit der zweite Nürnberger, der eine gute Figur machte —, der sich davon nicht beeinflussen ließ, war der Torhüter. Patrick Ehelechner verhinderte ein frühes Debakel, als er klare Chancen vereitelte. Auch am Sonntag war er Nürnbergs Bester, der Abstand zum Rest beim 2:3 (1:0, 1:1, 0:2) in Mannheim aber nicht mehr ganz so groß.
Draisaitls Team unterlag auch im zweiten Spiel des Wochenendes, bei im bisherigen Saisonverlauf sehr wohl überzeugenden Mannheimern jedoch knapp. Außenstürmer Shane Joseph, dem die undankbare Aufgabe zugeteilt wurde, Mittelstürmer Stastny in der ersten Angriffsreihe zu ersetzen, münzte die ungewohnte Nürnberger Überlegenheit in das frühe 1:0 um. Einen solchen Frustabbau hätte sich Draisaitl von dem Kanadier auch am Freitagabend gewünscht, wenngleich der Trainer kaum glauben mochte, dass sich tatsächlich Joseph im Nachspiel daneben benommen haben sollte.
Am Sonntag wurde Joseph deshalb wenig freundlich vom Nürnberger Anhang begrüßt und sechseinhalb Spielminuten später gefeiert. Zumindest ihre noch immer reiselustigen Fans haben die Ice Tigers jedenfalls wieder versöhnt. Nürnberg kämpfte, ging das Mannheimer Tempo mit und hatte Pech, dass Adrian Grygiel statt ins Tor die Unterkante der Latte traf.
Erst im Mitteldrittel normalisierten sich die Kräfteverhältnisse, trotzdem gingen die Ice Tigers nach dem nett herausgespielten Ausgleich von Jamie Sifers (23.) noch einmal in Führung. Zu seinem dritten Saisontreffer kam Brad Leeb, nur ob der Verletzungen vom Dauerkarteninhaber eines Tribünenplatzes zum Erste-Reihe-Stürmer befördert, allerdings eher glücklich.
Es war das letzte Hurra der Ice Tigers, danach drehte das DEL-Spitzenteam die Partie durch die Treffer von Yanick Lehoux (47.) und Marcus Kink (51.). Ohne Jame Pollock, der aus dem besten aller Gründe fehlte und seiner hochschwangeren Frau beistand, mangelte es den Ice Tigers an Kraft und Können. In dieser Woche kehren Thomas Sabo und Manager Lorenz Funk nach Nürnberg zurück. Vielleicht gibt es dann wieder Antworten.
Nürnberg: Ehelechner; Schüle/Leask, Butenschön/Kemp, Traynor/Walter – B. Leeb/Joseph/Collins, Aab/Barta/Frosch, Oblinger/G. Leeb/Bayda, Grygiel/Fischhaber/Ehliz. – Tore: 0:1 Joseph (6:29), 1:1 Sifers (22:22), 1:2 Leeb (30:42), 2:2 Lehoux (46:48), 3:2 Kink (50:12). – Schiedsrichter: Piechaczek/Haupt. – Zuschauer: 9677. – Strafminuten: 8 – 8.

Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Do. 10.05.12
Mi. 09.05.12