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Mike Büskens hat für sein Empfinden genug gejubelt. Im Interviewmarathon am Tag nach dem Einzug ins Pokal-Halbfinale nutzt sich seine unmittelbar nach Spielschluss überschäumende Freude spürbar ab. Singen wie nach dem Achtelfinale im Frankenstadion mag er schon gar nicht. „Ich bin doch Mike Büskens und nicht Dieter Bohlen“, beantwortet der Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth eine entsprechende Anfrage höflich, aber bestimmt.
Man kann auch nicht sagen, dass es Robert Zillner ins Rampenlicht gedrängt hat. Er wurde gebeten. Olivier Occean, der Torschütze, sollte eigentlich auch kommen, hat aber dann vor lauter Behandlung nach dem anstrengenden Pokal-Viertelfinale doch keine Zeit für ein Interview.
Nun steht also Zillner, die Daumen in den Hosentaschen eingehängt, auf einem kleinen Podest im Obergeschoss des modernen Funktionsgebäudes im Ronhof und soll einem Strauß aus Mikrofonen Auskunft über sein Innenleben geben. Schwer zu sagen, ob ihn das verunsichert oder belustigt. Dieser 26-jährige Niederbayer, ein „abgebrochener“ Sportstudent und Spätstarter im Berufsfußball, scheint in mehrfacher Hinsicht kein Profi von der Stange zu sein. „Den kriegst du ja nicht kaputt“, sagt Trainer Büskens über seinen Startelf- Debütanten von Hoffenheim.
Ganze 14 Minuten hatte Robert Zillner bislang für die Spielvereinigung Greuther Fürth in einem Pflichtspiel absolviert, und zwar in der Schlussphase beim 5:0-Heimsieg gegen Union Berlin. Das sah eher nach einer Schnupperlehre als nach einem echten Vertrauensbeweis aus.
Kaum jemand hatte den Ex-Unterhachinger am Mittwoch auf der Rechnung, und dann tauchte der im vergangenen Jahr verpflichtete und gleich lange verletzt gewesene Mittelfeldspieler plötzlich in der Startelf des Kleeblatts auf. Im Viertelfinale des DFB-Pokals. Er selbst hatte erst zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff von seiner Nominierung erfahren. „Ich war erst überrascht, dann habe ich mich sehr gefreut.“
Im Wintertrainingslager in der Türkei hatte sich Zillner mit eher soliden als überragenden Testspiel-Auftritten Zentimeter um Zentimeter an die erste Elf herangearbeitet. Dass er schon angekommen war, wusste wohl nur Büskens. Zillner, genannt „Zille“, profitierte indirekt von der Gelb-Sperre für Rechtsverteidiger Bernd Nehrig.
Der Trainer beorderte als Ersatz Stephan Schröck aus dem linken Mittelfeld zurück, stopfte das neu entstandene Loch mit Edgar Prib und brauchte deswegen einen zentralen Mittelfeldspieler. In letzter Konsequenz lief der Mann, der bislang nur Drittliga-Erfahrung aufweisen konnte, Routinier Milorad Pekovic (34) den Rang ab. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Zillner besitzt offenbar einen traumhaften Laktatwert. „Veranlagung“, erklärt das Konditionswunder schmunzelnd.
Im Rhein-Neckar-Stadion hatte er nach einem erstaunlich abgeklärtem Auftritt nur deshalb bereits nach 55 Minuten Feierabend, weil er mit Gelb vorbelastet war und sein Trainer kein Risiko eingehen wollte, die nach dem Platzverweis für Marvin Compper vorhandene Überzahl einzubüßen. Am Sonntag im Heimspiel gegen den SC Paderborn (13.30 Uhr) dürfte Zillner erneut an der Seite von Stephan Fürstner in der Schaltzentrale des Kleeblatts auftauchen.
Besagter Compper wurde gestern für drei Spiele gesperrt. Sein Foul hat aber nicht nur Folgen für ihn selbst. Fürths Torjäger Christopher Nöthe (zehn Saisontreffer) fällt für das anstehende Spitzenspiel sicher aus. Auf seinem Oberschenkel hat sich ein dicker Bluterguss gebildet, der nach Meinung von Büskens nicht schnell genug beseitigt werden kann. Mögliche Alternativen sind Dani Schahin (22) und Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (33), der im Pokal-Viertelfinale kurz vor der Pause Nöthe ersetzte. Asamoah ackerte fleißig, hatte aber keine nennenswerte Torszene.
Wen die Spielvereinigung im Halbfinale als Gegner zugeteilt bekommt, entscheidet sich am Samstag im Aktuellen Sportstudio. „Die großen Mannschaften in Deutschland – und wir.“ Stephan Schröck staunte auch gestern noch bei der Vorstellung, wer im Lostopf verblieben ist. „Gegen jeden dieser Gegner verlieren wir von zehn Spielen neun, aber ein einziges können wir gewinnen.“
Während Christian Nerlinger, Manager des FC Bayern München, verlauten ließ, „ein Heimspiel gegen Fürth wäre nicht das Schlechteste“, träumt man selbstverständlich auch beim letzten Zweitligisten im Wettbewerb von einem Fußballfest vor eigenem Publikum. „Der Gegner ist mir egal“, sagt Robert Zillner stoisch. Man hätte es sich denken können.
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Sa. 19.05.12