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Wie der TV Klaswipper, nur reich

Warum es vielen schwerfällt, Retortenvereine zu mögen - 28.01.2013

NÜRNBERG  - Das Thema ist nicht ganz neu, aber wohl ohnehin zeitlos. Es geht grob um die Frage, wie sich mittelständische Fußball-Unternehmen, wie etwa der Club, gegenüber neureichen Konkurrenten positionieren sollen.

Integration? Isolation? Ein ursprünglich für den 19. Januar geplantes Testspiel der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg bei Red Bull (offiziell: RasenBallsport) Leipzig wurde auf Wunsch bestimmter Fan-Gruppierungen kurzfristig abgesagt, ähnlich reagierten zuvor 1860 München II, Erzgebirge Aue oder Union Berlin. Die „Eisernen“ krönten ihre offen zur Schau getragene Abneigung mit einem Plakat. Darauf zu sehen: eine eingedrückte Red-Bull-Dose. Garniert mit dem Spruch: „Wir verkaufen unsere Seele, aber nicht an jeden.“

Derlei Populismus hilft in der oft sehr emotional geführten Diskussion auch nicht weiter, die spätestens seit der Inbetriebnahme von RB Leipzig vor knapp vier Jahren mit fehlender Tradition begründet wird. Tatsächlich sucht man einen Link zur Entstehungsgeschichte des PR-Konstrukts vergebens auf der Internetseite von RB Leipzig, die dahinterstehenden Macher wie Milliardär Dietrich Mateschitz interessiert wohl eher die Zukunft mitsamt ihrer spektakulären Renditechancen. Das Firmenziel ist schließlich klar formuliert: Mateschitz will mit seiner Marke in die Bundesliga. Und dort so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich verdienen.

Das mag man sympathisch finden oder nicht, legitim ist es. Und der steinreiche Österreicher hat die Idee ja nicht exklusiv; die Symbiose von Dietmar Hopp und seiner TSG Hoffenheim funktioniert ganz ähnlich. Gerne verweisen sie im Kraichgau auf 1899, auf das Gründungsjahr ihres kleinen Dorfclubs, der somit genauso alt ist wie der TSV Röthenbach/Pegnitz, die Turnerschaft Fürth oder der TV Klaswipper. Und 91 Jahre später durch ein bitteres 2:3 im Relegationsspiel gegen Stebbach in die A-Klasse absteigen musste.

Seitdem ist viel passiert, weil es Herr Hopp so wollte. Mit begeisterndem Offensivfußball stürmte Hoffenheim 2009 die Bundesliga. Zuschauer und Experten staunten, schon damals kritische Stimmen verstummten. Wer gewinnt, hat recht, also geraten sie bei der TSG allmählich in Erklärungsnot. Für was Hoffenheim eigentlich noch steht, was Hoffenheim eigentlich sein soll — Antworten darauf weiß wohl selbst Manager Andreas Müller nicht, der lieber auf Journalisten losgeht („Kotzt mich an“).

Nebenbei darf er noch mit Geld um sich schmeißen, das seine TSG eigentlich gar nicht hat. Hopp spendierte ihm in den vergangenen Tagen gleich vier Zugänge in einem Gesamtwert von knapp zehn Millionen Euro. Alles in Ordnung, sagt die DFL, in Fürth, Augsburg, Nürnberg oder Düsseldorf spricht man hinter vorgehaltener Hand von Wettbewerbsverzerrung.

Die Spiele einfach absagen? Wird leider schwer.

  

WOLFGANG LAASS


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