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Empfinden Sie es als Privileg, als Glück, heute Profifußballer zu sein?
Pinola: Ich bin dankbar dafür. Ich habe immer für meine Karriere gekämpft. Als ich 14 Jahre alt war, hatte ich keinen Verein mehr. Da habe ich zu meinem Vater gesagt: Jetzt ist Schluss. Ich will jetzt die schönen Dinge erleben, mit Freunden ausgehen. Papa hat gesagt: Mach erst einmal, was du willst, am Ende des Jahres gehen wir zu meinem Verein und sehen weiter. Im November 1997 haben wir das getan, nach zehn Monaten ohne Verein habe ich mich beim Club Atletico Chacarita in Buenos Aires angemeldet - ich habe die Freude wieder gespürt, im ganzen Körper die Lust auf Fußball. Mit 17 holten sie mich im Januar in die erste Mannschaft, im März habe ich mein erstes Spiel gemacht - und seitdem saß ich nie wieder auf der Ersatzbank. Damit beginnt für junge Spieler immer die Zeit der großen Träume.
Jedes argentinische Kind träumt von der Nationalmannschaft ...
Pinola: ... und ich bin, in meinem ersten Interview mit einer argentinischen Zeitung, gefragt worden, wovon ich träume. Von einem Spiel im Nou Camp in Barcelona, habe ich gesagt. Das war vor meinem ersten Spiel für Chacarita - und die älteren Spieler haben ihre Witze über mich gemacht.
Im Nou Camp haben Sie dann 2007 Ihr Debüt im argentinischen Nationaltrikot gegeben.
Pinola (lacht): Ja, es war wohl richtig, dass ich mir damals schon große Ziele gesetzt habe.
2006/07 - war es Ihre beste Saison?
Pinola: Bis jetzt ja, aber ich hoffe, dass noch bessere Spielzeiten kommen. Damals hat mich unser Nationaltrainer eine Woche vor dem DFB-Pokalfinale eingeladen. Es war eine Superzeit: Mit Nürnberg habe ich in Berlin meinen ersten Pokal gewonnen, und dann durfte ich in Barcelona für mein Land spielen. Aber man darf deshalb nicht mit sich zufrieden sein, jedes Spiel ist eine neue Chance.
Dieser Ehrgeiz, Herr Pinola, und Ihre Leidenschaft haben Sie zum Publikumsliebling gemacht und ...
Pinola: ... und ich habe mir nie im Leben vorstellen können, dass die Fans mich so lieben würden. Wie die Leute meinen Namen rufen - das ist ein Traum. Für mich heißt das: Ich muss immer alles geben. Denn die Leute können dich, wenn du es nicht tust, auch schimpfen, das ist normal.
Ihre Einsatzfreude beschert Ihnen viele gelbe Karten - aber bisher noch nie einen Platzverweis. Seltsam, oder?
Pinola: Ich habe aus meiner spanischen und argentinischen Zeit gelernt. Ich kenne meine Grenzen, ich weiß, dass ich sonst für drei, vier Minuten meinen Kopf verlieren kann.
Ihr Trainer Hans Meyer hat Sie einmal den kleinen Rächer genannt. Ihre letzte gelbe Karte haben Sie bekommen, nachdem Andi Wolf im Relegations-Hinspiel gegen Augsburg hart gefoult worden war. Sie hatten mit der Szene gar nichts zu tun und stürzten sich ins Getümmel. Ist das Ihr Gerechtigkeitssinn?
Pinola: Sie haben einen Kumpel geschlagen! Da war ich richtig sauer. Aber ich bin ja kein Spieler, der andere mit Absicht verletzt. Ich brauche den Zweikampf, im Fußball habe ich vor nichts Angst. Nur meckern oder mich provozieren lassen darf ich nicht mehr. Ich versuche jetzt, immer ruhig zu bleiben.
Versprochen?
Pinola (lacht): Ich werde es wirklich versuchen ...
