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1. Juni 1962: "Ja" zum Kanalhafen

Alle Fraktionen des Stadtrats stimmten dem Millionen-Projekt zu - 01.06.2012 05:58 Uhr

Nürnberg  - Nürnberg ist auf dem Weg zur Hafenstadt einen wichtigen Schritt vorangekommen. Alle Fraktionen des Stadtrates stimmten gestern dem Vorprojekt zu, das ihnen bereits Vorstellungen vom künftigen Hafen in Maiach-Hinterhof vermittelt.

So würde der zukünftige Hafen im Gelände liegen. In der Bildmitte ist die Ortschaft Hinterhof zu sehen, die bald den Erdarbeiten weichen muß. Von Norden schwingt die Kanaltrasse heran, von der nach Westen die Hafeneinfahrt abzweigt. Parallel zur Kanaltrasse münden die drei Hafenbecken in die Einfahrt. Der Bauabschnitt I ist auf unserem Bild schraffiert dargestellt.
So würde der zukünftige Hafen im Gelände liegen. In der Bildmitte ist die Ortschaft Hinterhof zu sehen, die bald den Erdarbeiten weichen muß. Von Norden schwingt die Kanaltrasse heran, von der nach Westen die Hafeneinfahrt abzweigt. Parallel zur Kanaltrasse münden die drei Hafenbecken in die Einfahrt. Der Bauabschnitt I ist auf unserem Bild schraffiert dargestellt.
Foto: Bischof/Broel.
So würde der zukünftige Hafen im Gelände liegen. In der Bildmitte ist die Ortschaft Hinterhof zu sehen, die bald den Erdarbeiten weichen muß. Von Norden schwingt die Kanaltrasse heran, von der nach Westen die Hafeneinfahrt abzweigt. Parallel zur Kanaltrasse münden die drei Hafenbecken in die Einfahrt. Der Bauabschnitt I ist auf unserem Bild schraffiert dargestellt.
So würde der zukünftige Hafen im Gelände liegen. In der Bildmitte ist die Ortschaft Hinterhof zu sehen, die bald den Erdarbeiten weichen muß. Von Norden schwingt die Kanaltrasse heran, von der nach Westen die Hafeneinfahrt abzweigt. Parallel zur Kanaltrasse münden die drei Hafenbecken in die Einfahrt. Der Bauabschnitt I ist auf unserem Bild schraffiert dargestellt.
Foto: Bischof/Broel.

Sie legten in ihrem Beschluß aber auch fest, daß die Einwohner von Hinterhof geschlossen umgesiedelt werden sollen, sofern sie dies wünschen. Mit seiner Entscheidung hat das Plenum dem Stadtsäckel erneut große Lasten auferlegt. Obwohl die reinen Hafenanlagen im ersten Bauabschnitt „nur“ 45 Millionen Mark kosten, sind bereits in dieser Phase 150 Millionen DM erforderlich, wenn man den Grunderwerb und den nötigen Straßenbau einkalkuliert.

Oberbürgermeister Dr. Urschlechter, der als einer der großen Verfechter des Schiffahrtsweges vom Rhein zur Donau gilt, mahnte die Stadtväter zu einem raschen Entschluß, der in der Sitzung vor zwei Wochen vertagt worden war. „Unsere ausländischen Nachbarn warten darauf“, berichtete er als Fazit seiner Reise nach Österreich. „Man will dort glauben, daß wir den Kanal zur Donau wollen; wir müssen diesen Glauben aber durch Taten erhärten!“

Eine Lanze für die Großschiffahrtsstraße brach auch Baureferent Heinz Schmeißner. Er trug dem Stadtrat als Erkenntnis des Zentralvereins Binnenschiffahrt vor, daß noch immer 30 v. H. des Güterumschlages in der Bundesrepublik auf dem Schiff getätigt wird. „Das untermauert die Bedeutung des Wasserweges!“ Wirtschaftreferent Dr. Geer versuchte, über die Riesensummen für den Hafenbau etwas hinwegzutrösten.

Bilderstrecke zum Thema
Die Fotos des NN-Kalenderblatts vom Mai 1962

Die Anlagen kosten in der ersten Baustufe nach seiner Darstellung 40 Millionen DM, im Endausbau, der sich über zwei Jahrzehnte hinziehen kann, 135 Millionen. Für die SPD-Fraktion unterstrich Stadtrat Karl Widmayer ebenfalls die wirtschaftliche Bedeutung des Kanals für Nürnberg, bevor er die Zustimmung seiner Partei zu dem Vorprojekt bekanntgab. Dr. Oscar Schneider, der Fraktionschef der CSU, bedauerte, daß in der vorhergegangenen Sitzung schon über die neue Linie der Bundesstraße 2 im Süden abgestimmt worden war, obwohl „Kanalhafen und B2 in einer Wechselbeziehung“ stehen.

Aber auch er bekannte sich namens seiner Fraktion zum Großschiffahrtsweg und zum Kanalhafen; er wünschte nur noch, daß – schon angesichts der riesigen Baukosten – bald eine Hafenbaugesellschaft „unter maßgeblicher Beteiligung“ des Freistaates Bayern gegründet wird. Für die FDP erklärte Stadtrat Dr. Friedrich Bergold: „Wir stimmen zu!“ Er bedauerte nur, daß die CSU nicht schon 14 Tage früher über die Pläne debattiert hatte.

Aber seine „Spitze“ verging nicht; Dr. Schneider war – vier Tage vor seinem 35. Geburtstag – nicht zum Streiten aufgelegt. Die Sitzung blieb so ruhig wie sie begonnen hatte. An ihrem Anfang nämlich ehrte Oberbürgermeister Dr. Urschlechter einen Mann, der schon weit über seine Heimatstadt hinaus von sich reden gemacht hat: den 35jährigen Studienrat Dr. Hermann Glaser, der mit zahlreichen Veröffentlichungen hervorgetreten ist.

Das Stadtoberhaupt ließ, wie der Ältestenrat beschlossen hatte, allen Stadträten die Bücher „Wohnungen des Todes“, „Das Dritte Reich“ und „Kleine Kulturgeschichte der Gegenwart“ auf den Tisch des Hauses legen. Sie sollen als Beispiel für die Hauptthemen dienen, deren sich Dr. Glaser angenommen hat: der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, dem Wesen und Aufbau unseres Staates und der kulturellen Situation unserer Zeit. Der Oberbürgermeister berief sich auf den 23. Mai, den Tag der Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik, um Dr. Glaser als eine Persönlichkeit vorzustellen, die sich mit der geistigen und politischen Situation der Gegenwart und der zeitnahen Vergangenheit befaßt.

Unsere Leser kennen den Studienrat am Wirtschaftsgymnasium aus großen Veröffentlichungen über seine wissenschaftlichen Werke und sein Wirken an der Jugendakademie der Volkshochschule. Die Buchübergabe im Stadtrat sollte ein äußeres Zeichen der Anerkennung für Dr. Glasers Leistung sein. Dr. Urschlechter wünschte, daß durch dieses Vorbild viele gleichgesinnte Persönlichkeiten auf den Plan gerufen werden. So war diese Plenarsitzung von Anfang bis Ende eitel Wonne. Die Berufsschüler auf dem Empore bekamen einen Stadtrat zu sehen, der sich friedlich wie selten gebärdete. W. S.

Aus den Nürnberger Nachrichten vom 31. Mai/1. Juni 1962 



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