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39-Jähriger beschimpfte Richter per Brief

30 Tage Haft - Strafbefehl über 1200 Euro - 18.03.2008

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© Colourbox


Um einen anderen zu kränken, genügt auch weniger. Doch die Wut des 39-jährigen Angeklagten wollte wohl nicht mehr verrauchen. So reihte er in einem Brief Beleidigung an Beleidigung - addressiert an Otto Brixner, Vorsitzender Richter des Landgerichts.

«Mit Recht und Ordnung haben Sie wenig zu tun« ist da zu lesen, obendrein wird das Landgericht mit einer «Briefkastenfirma« und einer «Scheinorganisation« verglichen, kurz ein «Verein«, in dem «jeder Psychopath« arbeiten könnte. Eine «unseriöse Organisation, dem Rechtssystem unwürdig«.

Zufällig ins Visier geraten

Brixner war eher zufällig ins Visier des Briefeschreibers geraten - ursprünglich ging es um einen Sorgerechtsstreit. In diesem Prozess hatte der 39-jährige Maschinenbauingenieur einen Amtsrichter beleidigt. Die Quittung: Er erhielt einen Strafbefehl über 60 Tagessätze à 100 Euro. Weil er dagegen Einspruch eingelegt hatte, war ein Sitzungstermin zu einer mündlichen Verhandlung festgelegt worden - da erschien der Mann allerdings nicht; er behauptet, nie geladen worden zu sein.

Zwar bewies das Gericht mit einer Zustellurkunde das Gegenteil, doch der Mann beantragte einen neuen Verhandlungstermin - «die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand«, wie es juristisch heißt. Dies wurde ihm vom Landgericht versagt. Weil er seinen Strafbefehl dennoch nicht bezahlte, landete er 30 Tage im Gefängnis. Eine Behandlung, die er «unwürdig« findet, schließlich habe er «beruflich viel geleistet« und gehe in den Chefetagen ein und aus.

Als Richterin Dünisch ihn nun zu 80 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt, zeigt er sich erneut geschockt «über diese Justiz«. Dabei kann er ihr dankbar sein. Sie orientiert sich in der Strafhöhe am unteresten Rand - und nicht an seinen Aussagen. Der Mann, der so selbstbewusst und sonnengebräunt mit Schlips und Kragen dasitzt, ist seit fast fünf Jahren ohne Arbeit. 

Ulrike Löw

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