|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Selbst die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Nürnberg (WBG) macht sich große Sorgen: sie befürchtet wegen des strengen Winters, daß ihre Pläne für das Jahr 1963 in Langwasser nicht aufgehen werden. Es ist kein Geheimnis, daß mancher in Nürnberg schon ein wenig hintergründig lächelt, wenn von neuen Verzögerungen in der Trabantenstadt berichtet wird, die mit vielen Vorschußlorbeeren bedacht worden ist.
Um so peinlicher ist nun die WBG berührt, weil ihre besten Absichten von den Naturgewalten zunichte gemacht worden sind. In der Nachbarschaft D, in der Familien-Eigenheime und Eigentumswohnungen entstehen, hat der Frost den Arbeiten an 100 Heimen und 72 Wohnungen Einhalt geboten. Die Nachbarschaft H mit 600 Wohnungen auf dem Gebiet des ehemaligen Valka-Lagers konnte nicht mit Kanälen und Leitungen vorerschlossen werden, so daß sich der Beginn des Hochbaues um Monate verzögern wird. Ein Verwaltungsgebäude mit Saal und ein Einkaufszentrum sind auch „hängen geblieben“.
Als derzeit größter Bauherr in Nürnberg sieht die WBG, die neben den beiden genannten Nachbarschaften auch noch die Parkwohnanlage West an der Rothenburger Straße errichtet, alle Gefahren, die von diesem langen Winter heraufbeschworen werden. Sie „sitzt“ mit 1800 Wohneinheiten fest und kann sich schon gut ausmalen, wie stark die Bauwirtschaft in den wenigen Monaten des kommenden Sommers und Herbstes belastet sein wird, weil sich die Bausaison diesmal so stark verkürzt.
„Wir hatten gehofft, heuer durchbauen zu können“, klagt WBG-Direktor Diplom-Volkswirt Joseph Haas, der in Langwasser statt dessen nur brachliegende Baustellen vorzeigen kann. Die Lage ist derart angespannt, daß befürchtet wird, die Häuser der Nachbarschaft H müssen am Ende des Jahres überwintern.
Tausende von Nürnbergern würden dies zu spüren bekommen. Die Gesellschaft aber auch. Sie hat in ihre Baustellen viel Kapital investiert, das verzinst werden muß, aber keine Einnahmen über Mieten bringt. Außerdem steht zu befürchten, daß der Baupreis mit der Dauer der Bauzeit steigt.
Wer heute ein Eigenheim in Langwasser kaufen will, muß ohnehin Tausende von Mark – der Preisunterschied bewegt sich um 30.000 DM – mehr berappen, als jene ersten Siedler der Jahre 1958/59. Der harte Winter hat die verantwortlichen Männer der WBG auch deswegen enttäuscht, weil sie die Planungsarbeit auf den Südwestteil soweit vorangetrieben hatten, daß man sagen durfte: „1963 sollte die Bautätigkeit ganz groß anlaufen!“
Darauf warten ja schon viele. So liegen jetzt die Pläne für die Nachbarschaften I, K, M und L fest, in denen andere Bauherrn als die WBG 2400 Wohnungen oder Eigenheime „hinstellen“ werden. Die neuen Abschnitte sollen auch davon überzeugen, daß Langwasser in seiner Architektur attraktiver wird, als es sich bisher zeigt.
Das höchste Haus in dem neuen Stadtteil – es gehört obendrein nicht zu einer WBG-Siedlung – reicht über neun Geschosse nicht hinaus. Es soll nun aber bald schon ganz große Konkurrenz in 20stöckigen Hochhäusern bekommen. Die Erkenntnis hat endlich obsiegt, daß Langwasser keine Gartenstadt mit höchstens fünfgeschossigen Gebäuden, sondern großstädtisch werden soll. Andererseits wird diese Einsicht dazu führen, daß statt 40.000 Menschen, wie dies der Wettbewerbs-Entwurf vorsah, 55.000 Nürnberg dort leben werden.
Aber die schönsten Pläne für Häuser oder Heizwerk nützen nichts, solange die Bauarbeiter nicht Hand anlegen können und die Maschinen stillstehen. Der Stoßseufzer von Direktor Haas ist angesichts seiner Nöte und der Kritik aus der Öffentlichkeit verständlich: „Wir haben noch nie so sehnlich auf den Bau-Frühling gewartet!“
Aus den Nürnberger Nachrichten vom 6. Februar 1963
Fr. 24.05.13
Do. 23.05.13
Mi. 22.05.13
Di. 21.05.13
Mo. 20.05.13