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Als alles vorbei ist, als fast all ihre Lieblinge in Transport-Käfige verpackt und ins Auto des Tierschutzvereins verladen sind, sitzt Irmi A. (Name geändert) am Küchentisch und erzählt über ihr Leben. Über Schicksalsschläge, die sie verkraften musste. Über Trennungen und Beerdigungen. „Die Katzen haben mir über alles weggeholfen“, sagt die 52-Jährige. „Sie waren immer für mich da. Das kann keiner verstehen, wie wichtig mir meine Tiere sind. Meine Kinder.“
Mit über 60 Katzen hat Irmi A. ihre Zwei-Zimmer-Wohnung in der Südstadt bis gestern geteilt. Jede einzelne liebt sie. Jede hat einen Namen. Jede ist „ein wirklich braves Tier“, wie A. immer wieder versichert. „Sie geben sie doch in gute Hände?“, fragt sie die Amtstierärztin und die Tierheim-Mitarbeiter im Minutentakt. „Das müssen Sie versprechen.“ Doch alle Versprechen können sie nicht beruhigen.
Angefangen hatte alles mit einer einzigen Katze. Irmi A. holte sie sich vor Jahren gechipt und kastriert aus dem Tierheim. Doch dann übernahm sie zwei nicht-kastrierte, trächtige Katzen von einer Freundin. Und die Vermehrung begann. „Ich kann keine töten und keine weggeben“, versucht sie eine Erklärung. „Dann sind es eben immer mehr geworden.“ Sie gibt zu: „In letzter Zeit habe ich schon gemerkt, dass mir alles zu viel wird.“ Aber um Hilfe zu bitten wagte sie nicht. „Ich hatte ganz große Angst.“
Außer den ersten dreien wurden alle Katzen in der Wohnung geboren. Nur wenn eine zum Tierarzt musste, kam sie nach draußen. Das betraf nur wenige. Gepflegt wirken die Tiere auf den ersten Blick. Aber sie sind extrem scheu, lassen sich nur von Irmi A. hochnehmen. Auch die Wohnung sieht überraschend sauber aus. Einrichtung, Tapeten und Böden sind aber völlig zerkratzt. Und es liegt ein beißender Geruch in der Luft.
Im Tierheim kommen die Neuankömmlinge sicherheitshalber erst einmal in Quarantäne. Selbst wenn sie gesund aussehen — meist leiden massenhaft gehaltene Katzen unter Durchfall, Würmern und anderen Parasiten. Außerdem sind sie sozial auffällig, denn in einer kleinen Wohnung fehlt ihnen jegliche Rückzugsmöglichkeit. Das stresst sie dauerhaft.
„Wir hatten noch nie so viele Fälle, in denen wir wegen massenhafter Tierhaltung eingreifen mussten, wie in letzter Zeit“, erklärt Tierheim-Leiter Denny Baruch, während seine Helfer die Katzen zusammen mit Irmi A. einfangen. „Mir ist es wichtig, die Leute aufzurütteln“, sagt er. „Ich möchte, dass jemand diesen Menschen hilft, denn sie brauchen Hilfe.“
Sechs Tiere darf Irmi A. behalten. Sie darf sie selbst auswählen. Zwei davon müssen erst kastriert werden, bevor sie sie wieder bekommt. Als die anderen weg sind, tigern die vier übrigen maunzend und suchend durch die Wohnung. „Keine Angst“, beruhigt ihr Frauchen. „Ich lasse euch nicht allein. Nie.“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.