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Auf das beklemmendste Utensil weist Andreas Clemens bei seiner Führung durch die unterirdische Anlage an der Wodanstraße 27 am Ende hin. Durch ein kleines Guckfenster in der dicken Betonmauer hätte der Aufseher von innen heraus den Andrang am Schleusentor beobachten und den stählernen Eingang bei drohender Überfüllung gnadenlos schließen können. Der Rest müsste draußen bleiben.
Für 680 Menschen war das 720 Quadrameter große Bauwerk ausgelegt. Sie sollten unter der Erde auch bei einer Attacke mit Atomwaffen sicher sein. 14 Tage lang wäre das, jeweils 16 Stunden sitzend und 8 Stunden schlafend, bei Tütensuppen aus Plastikgeschirr und in roten Trainingsanzügen — die eigene, möglicherweise verseuchte Kleidung wäre abzulegen gewesen — auch einigermaßen gelungen. Dass die Strahlung danach ein Leben auf lange Sicht ziemlich unmöglich gemacht hätte, war damals noch nicht Stand der Erkenntnis.
Das war 1963, als die Anlage zu einem ABC-Bunker ausgebaut worden war. In der Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost- und Westblock rechneten die Planer auch mit einem Einsatz von Massenvernichtungswaffen jeglicher Art. Die Geschichte des Wodanbunkers reicht aber noch weiter zurück, als der Kriegsirrsinn kein Gedankenspiel, sondern bittere Realität war.
Als selbst den NS-Machthabern in ihrem Allmachtswahn langsam dämmerte, dass sie nicht die ganze Welt in Brand setzen können, ohne dass das Feuer ins eigene Land zurückkehrt, ließen auch sie Bunker bauen. Aus dieser Zeit stammt der Vorläufer der heutigen Anlage, die der Verein Felsengänge einige Tage für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Mit einem Führer-Programm ließen die Nazis in der Stadt damals insgesamt fünfzehn Tief- und acht Hochbunker für etwa 17000 Menschen errichten. Das waren nur vier Prozent der Bevölkerung. Allein bei dem verheerenden Bombenangriff am 2. Januar 1945 sind über 2000 Nürnberger ums Leben gekommen, und die historische Altstadt war damals praktisch ausgelöscht.
Nach dem Weltkrieg, so Andreas Clemens in seiner Führung mit vielen historischen Details und erklärenden Zusammenhängen, konnten dann wenigstens vorübergehend noch Waisenkinder versorgt und ausgebombte Ärzte mit ihren Praxen untergebracht werden. Heute haben solche Relikte aus gewalttätigen Zeiten keine Funktion mehr. Vermutlich werden sie nicht mehr lange als Dinosaurier der Kriegsplanung existieren. Sie sollen endgültig aufgelöst werden.
Führungen finden bis 9. Januar täglich zwischen 11 und 17 Uhr alle 30 Minuten statt. Eintritt: fünf Euro. Internet: www.felsengaenge-nuernberg.de

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.