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9. Juni 1962: Zeltstadt bei der Kongreßhalle

Zum Pfingsttreffen der Gewerkschaftsjugend werden 5500 Teilnehmer erwartet - 09.06.2012 06:00 Uhr

NÜRNBERG  - Über 5500 junge Gewerkschaftler aus Süddeutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich bevölkern zu Pfingsten ein großes Zeltlager auf dem Volksfestplatz. An der gegenüberliegenden Kongreßhalle prangt auf einem riesigen Transparent das Motto dieses Treffens: „Ihre Bauten sind tot – überwindet ihren Geist“.

In dieser Zeltstadt vor dem Kongreßhallen-Torso wurde das Treffen der jungen Gewerkschaftler eröffnet.
In dieser Zeltstadt vor dem Kongreßhallen-Torso wurde das Treffen der jungen Gewerkschaftler eröffnet.
Foto: Ulrich
In dieser Zeltstadt vor dem Kongreßhallen-Torso wurde das Treffen der jungen Gewerkschaftler eröffnet.
In dieser Zeltstadt vor dem Kongreßhallen-Torso wurde das Treffen der jungen Gewerkschaftler eröffnet.
Foto: Ulrich

Damit appelliert die Gewerkschaftsjugend an ihre Mitglieder, sich mit der jüngsten Vergangenheit Deutschlands auseinanderzusetzen, und ruft gleichzeitig die Öffentlichkeit auf, den Ungeist zu bekämpfen, aus dem der Nationalsozialismus geboren wurde.

„Denn weder die nationale Überheblichkeit, noch die Untolerenz sind bei uns überwunden“, erläutert Xaver Senft, der 2. DGB-Vorsitzende und DGB-Landesjugendleiter in Bayern, das Motto des Nürnberger Pfingstlagers. In Bayern findet die Premiere einer derartigen großen Jugendveranstaltung statt, an der sich außer den ausländischen Gästen noch die DGB-Landesbezirke Saar, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz beteiligen. Zu dem nächsten Treffen dieser Art wird Baden-Württemberg einladen.

Im Lichterzug zum Lager


Höhepunkt der Veranstaltung ist heute, 20.30 Uhr, eine Kundgebung auf dem Ölberg an der Burg. Hier sprechen DGB-Landesvorsitzender Ludwig Linsert, München, und Oberbürgermeister Dr. Urschlechter, der bereits gestern für die Delegationsleiter einen Empfang gab. Etwa eine Stunde später ziehen die 5000 Jugendlichen mit Fackeln vom Ölberg zum Lagerplatz an der Kongreßhalle. Mit einem Feuerwerk am Dutzendteich wird der erste Abend beschlossen.
Das Programm bietet den jungen Nürnberg-Besuchern zahlreiche politische, kulturelle und sportliche Veranstaltungen.

Bilderstrecke zum Thema
Die Fotos des NN-Kalenderblatts vom Juni 1962

Eine Morgenfeier am Sonntag mit Werken von Karl Bröger, Kaschnitz, Gide, Kästner und Tucholsky wird von Mitgliedern der Städtischen Bühnen unter Leitung von Karl Hüls gestaltet. Filme über menschliche Schicksale im Dritten Reich, darunter auch ein Kulturfilm über Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt und der Streifen „Brutalität in Stein“ über die Bauten auf dem ehemaligen „Reichsparteitagsgelände“, werden vorgeführt; das Schauspielhaus bringt  eine Sondervorstellung von „Andorra“. Außerdem zeigen Laienspiel-, Chor-, Musik-, Volkstanz- und Kabarettgruppen Ausschnitte aus ihrer Arbeit.

5000 Portionen Gulasch

Geradezu „überwältigt“ sind die Veranstalter von den Meldungen für die Sportwettkämpfe. Weit über 1100 Teilnehmer, darunter allein 64 Fußballmannschaften und 205 Leichtathleten, ringen um die Siegerpokale. Die beiden Nürnberger Organisatoren, die DGB-Jugendsekretäre Willi Gensmantel und Horst Klaus, sind besonders über die großzügige Unterstützung der Stadtverwaltung erfreut.

Das hat ihre Arbeit – allein 13 Zeltdörfer mußten auf dem Volksfestplatz aufgebaut werden – wesentlich erleichtert. Viel Kopfzerbrechen galt auch der Verpflegungsfrage, bis sich schließlich die Fleischwerke Schafft bereit erklärten, die 5000 mittags mit einem Thermoswagen voller Gulasch zu versorgen. Den Stempel der Erinnerung für das Pfingsttreffen aber prägt die Bundespost: in einem Sonderpostamt in der Kongreßhalle versieht sie Briefe und Karten mit einem Sonderstempel für die Philatelisten im In- und Ausland.

Aus den Nürnberger Nachrichten vom 9. Juni 1962 



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