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Aggressive "Rambo-Radler" ärgern die Fußgänger

"Sie fahren wilder, als die Polizei erlaubt": Fahrrad-Club muss oft gegen Vorurteile kämpfen - 24.09. 07:35 Uhr

Nürnberg  - Sie fahren bei Rot über die Straße, sind auf dem Gehweg oder in der Fußgängerzone schnell unterwegs und kurven im Slalom um Passanten wie um Hindernisse herum. Vielen Bürgern steigt die Zornesröte ins Gesicht, wenn – mal wieder – ein Rowdy unter den Radfahrern rücksichtslos durch die Stadt flitzt.

Slalom-Fahrt durch die Fußgängerzone. Solche abenteuerlichen Radfahrten ärgern nicht nur die Fußgänger, sondern sind auch sehr gefährlich. Im vergangenen Jahr waren Radfahrer in Nürnberg in 676 Unfälle verwickelt.
Slalom-Fahrt durch die Fußgängerzone. Solche abenteuerlichen Radfahrten ärgern nicht nur die Fußgänger, sondern sind auch sehr gefährlich. Im vergangenen Jahr waren Radfahrer in Nürnberg in 676 Unfälle verwickelt.
Foto: dpa
Slalom-Fahrt durch die Fußgängerzone. Solche abenteuerlichen Radfahrten ärgern nicht nur die Fußgänger, sondern sind auch sehr gefährlich. Im vergangenen Jahr waren Radfahrer in Nürnberg in 676 Unfälle verwickelt.
Slalom-Fahrt durch die Fußgängerzone. Solche abenteuerlichen Radfahrten ärgern nicht nur die Fußgänger, sondern sind auch sehr gefährlich. Im vergangenen Jahr waren Radfahrer in Nürnberg in 676 Unfälle verwickelt.
Foto: dpa

Es sind die schwarzen Schafe unter den Bikern — aber gerade die fallen auf. Der Interessenverband der Radler, der ADFC, muss oft gegen das Vorurteil des „Rambo-Radlers“ argumentieren. So auch beim Verkehrssicherheitsforum in der Kanzlei „Dr. Kreuzer und Coll“.



Karl Robel, Leiter der Verkehrserziehung der Verkehrspolizei, nennt Zahlen: Von 13700 Unfällen in Nürnberg im vergangenen Jahr waren 676 mit Radfahrern. Davon wiederum wurden bei 620 Zusammenstößen Menschen verletzt. „2010 kamen zwei Personen zu Tode, heuer sind es schon vier – und das Jahr ist noch nicht zu Ende“, sagt er. Von den sechs Verstorbenen habe keiner einen Helm getragen, alle seien ihren schweren Kopfverletzungen erlegen.

Jens Ott, Vorsitzender des ADFC in Nürnberg, kennt die Zahlen. Doch sie alleine seien nur die halbe Wahrheit, sagt er. Und erklärt: Am Straßenverkehr nehmen Kraftfahrzeuge mit 45 Prozent teil, Bus und Bahn mit 21, Fußgänger mit 23 und Radfahrer mit elf Prozent. „Die Radler sind also daher so präsent, weil sie die kleinste Gruppe sind und vom größeren Anteil aller anderen Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden“, argumentiert er. Außerdem geht bei den 676 genannten Unfällen nur die Hälfte auf das Schuld-Konto der beteiligten Radler. „Wenn man in diesem Zusammenhang noch bedenkt, dass Radfahrer nur elf Prozent Anteil am gesamten Verkehr haben, dann kann man von einer überproportionalen Gefährdung durch sie nicht reden“, schließt Ott.

Warum aber mit Blick auf die tragischen Unfälle der ADFC gegen die Helmpflicht ist, darüber wundert sich Werner Meier, Polizeidirektor im Präsidium Mittelfranken. „Es ist erklärtes Ziel des ADFC, dass so viel Menschen wie möglich auf das Rad umsteigen“, sagt Ott. Mit der Helmpflicht befürchte der Verband, dass die Zahl der Radler auf den Straßen abnimmt. „Wir empfehlen den Helm, aber viele fahren nur ohne den Kopfschutz, weil der sie irgendwie stört.“

Der Vorsitzende bezieht sich auf eine Studie in Australien, wonach der Anteil der Radler auf den Straßen nach der Einführung der Pflicht um 50 Prozent zurückgegangen sei. Ott plädiert für eine andere Lösung, um die Gefahr zu reduzieren: Mehr Tempo-30-Abschnitte in geschlossenen Ortschaften. Der ADFC fordert sogar eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung nicht nur punktuell, sondern flächendeckend innerhalb aller deutschen Städte und Kommunen.

E-Bikes gefährlich

Karl Robel von der Verkehrspolizei bleibt bei seiner Skepsis: „Der Trend ist klar – die Räder müssen immer leichter und immer schneller werden.“ Große Sorgen bereiten ihm die sogenannten Fixies – das sind rebellische Fahrräder, die in Großstädten immer beliebter werden. Sie haben weder Bremsen noch Gangschaltung, Licht, Schutzbleche oder Klingel. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene düsen mit wendigen Fixies durch die Städte.

Gefährlich sind laut Robel auch E-Bikes, also Fahrräder, die durch einen Elektromotor angetrieben werden. „Eigentlich braucht man dafür einen Führerschein“, sagt er. Keinem Senior auf dem Rad traue man eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Kilometer pro Stunde zu – sitze er auf einem E-Bike, müsse man damit aber rechnen. Robel: „So schnell kann der Fußgänger gar nicht schauen – schon rauscht der Senior an ihm vorbei.“ 



VON ALEXANDER BROCK - lokales Nürnberg

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