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Angriff mit Stange

19-Jähriger nach Antifa-Demo in Untersuchungshaft - 24.04.2012 20:14 Uhr

Aus den Reihen der Autonomen heraus wurde die Polizei mit einer angespitzten Fahnenstange angegriffen.

Aus den Reihen der Autonomen heraus wurde die Polizei mit einer angespitzten Fahnenstange angegriffen. © Hippel


Die Szenen, die sich am 31.März während einer Antifa-Demo in der Innenstadt abspielten, gingen über das übliche Maß an Nickeligkeiten zwischen Polizei und Autonomen hinaus. Als mehrere Demonstranten versuchten, die genehmigte Route zu verlassen, und auf eine Polizei-Phalanx stießen, kam es zur Konfrontation. Ein 19-Jähriger soll mit einer angespitzten, zwei Meter langen Fahnenstange aus Holz „mehrfach gezielt und wuchtig in Richtung zweier Polizeibeamter gestoßen haben“, so Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke.

Die angegriffene Polizistin blieb dank Helm zwar unverletzt. Auch ihr Kollege, der ebenfalls Helm und Schutzkleidung trug, kam ohne Schrammen davon. Die Staatsanwaltschaft und der Ermittlungsrichter gehen dennoch davon aus, dass es der 19-Jährige billigend in Kauf genommen hat, die beiden Polizisten zu töten. Er hätte sie schließlich auch an der ungeschützten Stelle am Hals treffen können, so die Argumentation.

Während der Antifa-Demonstration sah die Polizei keine Handhabe, den 19-Jährigen aus Baden-Württemberg festzunehmen. Er soll in der Menge untergetaucht sein. Die Ermittler werteten hinterher jedoch die Bilder aus, die der Beweissicherungstrupp während der Demo gemacht hatte. Am vergangenen Samstag, drei Wochen später, schlug die Polizei zu.

Auf einer Kundgebung in Ludwigshafen wurde der junge Mann wiedererkannt und festgenommen. Noch in der Nacht wurde er nach Nürnberg gebracht. Tags darauf erließ der Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen. Seitdem sitzt der Heranwachsende in Nürnberg in Untersuchungshaft.

Es sieht so aus, als wollten Polizei und Justiz ein Exempel statuieren und klarmachen, wo die Grenzen sind. Der Heidelberger Rechtsanwalt Martin Heiming, der den 19-Jährigen vertritt, hält den Vorwurf des versuchten Totschlags in einer ersten Reaktion für „absurd. Mir kommt das sehr, sehr hochgegriffen vor.“ Es sei kein Einzelfall, dass die Polizei nach Kundgebungen ein verzerrtes Bild von den Straftaten wiedergebe, fährt er fort.

Der Haftbefehl reiße seinen Mandanten zudem aus einem Praktikum, das ihm die Chance auf eine Lehrstelle eröffnet hatte. Der junge Mann selbst hüllt sich bislang in Schweigen. Gegen ihn wurde schon einmal wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Das Verfahren wurde eingestellt.

Die Autonomen haben für 27.Mai eine Solidaritätskundgebung anberaumt. „Freiheit für Deniz!“ fordern sie und spielen den Angriff herunter. Ein schwerbewaffneter Polizist hätte von einem Schlag mit einem „Weichholzstecken“ sicher nur Kopfweh bekommen, heißt es im Internet. 

SABINE STOLL - Lokales Nürnberg

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