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Ärger hinter den Kärwa-Kulissen

Massive Vorwürfe gegen die Nürnberger Schausteller - 12.07. 08:03 Uhr

Nürnberg  - Die Bierzelte in Almoshof und Buch sind bestens gefüllt – schunkelnd genießen die Knoblauchsländer ihre Kirchweihen. Kinder rennen über den nach Mandeln und Buchenholzkohle duftenden Festplatz. Hier scheint die Brauchtums-Welt noch in Ordnung zu sein. Aber hinter den Kulissen brodelt es seit Jahren.


Dauerflaute oder nur vorübergehende Ebbe, weil alle Besucher im Bierzelt feiern? Eine Momentaufnahme von Kirchweihbuden in Almoshof.
Dauerflaute oder nur vorübergehende Ebbe, weil alle Besucher im Bierzelt feiern? Eine Momentaufnahme von Kirchweihbuden in Almoshof.
Foto: Stefan Hippel
Dauerflaute oder nur vorübergehende Ebbe, weil alle Besucher im Bierzelt feiern? Eine Momentaufnahme von Kirchweihbuden in Almoshof.
Dauerflaute oder nur vorübergehende Ebbe, weil alle Besucher im Bierzelt feiern? Eine Momentaufnahme von Kirchweihbuden in Almoshof.
Foto: Stefan Hippel

„Mit dem Schaustellerverband ist es ein Kasperletheater, die machen, was sie wollen. Am Montag war noch in der Schwebe, wer jetzt eigentlich kommt“, macht Mitorganisator Horst Quergfelder seinem Ärger Luft. „Die bemühen sich nicht. Wir haben angeboten, unseren Festplatz zu pachten und selber die Kärwa zu veranstalten. Aber das dürfen wir ja auch nicht.“

Buch ist eine der letzten Ortschaften im Stadtgebiet, die noch die Tradition des „Kärwa-Mittwoch“ hochhält. „Den Autoscooter haben‘s uns aber auch schon am Montag abgebaut.“


Jenseits der Erlanger Straße ist man etwas gnädiger mit den Schaustellern – zumindest dieses Jahr: „Ich kann mich heuer nicht beschweren“, sagt Thomas Drechsler aus Almoshof. „Der Festplatz ist gut gefüllt, die haben sogar die Schiffschaukel aufgebaut. Vielleicht hat da die Berichterstattung in der Zeitung etwas bewirkt.“ Denn in den letzten Jahren war das leider nicht immer so, da sind manche von den Schaustellern versprochene Buden und Fahrgeschäfte einfach nicht erschienen.

Auf eigene Faust mussten die Kärwaboum dann innerhalb von zwei Tagen noch schnell ein Kinderkarussell organisieren. „Beim letzten Gespräch haben die Schausteller gesagt, wir sollen halt ein Hühner- oder Eselrennen veranstalten, damit unsere Kärwa populärer wird“, sagt Drechsler kopfschüttelnd. „Wer sind wir denn? Des hat doch nichts mit Kärwa-Tradition zu tun!“ Für ihn ist ganz klar, dass man sich in Zukunft anders orientieren wird, wenn die Schausteller nicht zuverlässig kommen. „Es ist ja okay,, dass die Nürnberger Schausteller zuerst dran sind – aber wenn die einfach so absagen, dann laden wir halt andere ein. Wenn wir Bauern keinen Salat liefern, holen die Händler sich ja auch den aus Belgien!“

Abkehr vom „Monopolisten“

In manchen Ortsteilen stehen die Stadtteilkärwas inzwischen auf der Kippe und einige „Rebellen“, wie in Großreuth h.d.V., veranstalten ihre Kirchweih mittlerweile ohne die Stadt und den als Quasi-Monopolisten auftretenden Schaustellerverband. „Bei uns ist inzwischen das Misstrauen so groß, dass wir da nicht mehr mitmachen!“, sagt Heinz Nether vom Organisations-Komitee in Großreuth. Außerdem sei die Kostenstruktur des Schaustellerverbands alles andere als transparent. Darum haben die Großreuther auf eigene Faust einen Festwirt aus der Oberpfalz angeheuert. „Aber wir wollen keinen Krieg mit dem Schaustellerverband anzetteln. Es geht uns auch gar nicht um ein paar Euro hin oder her, sondern um Zuverlässigkeit.“


Stadtrat Konrad Schuh von der CSU fordert sogar Sanktionen: „Eine gewisse Kontinuität und Verlässlichkeit vonseiten der Schausteller muss gewährleistet sein. Ansonsten gehören da auch Strafen her, wenn die einfach nicht kommen.“

Steigende Kosten


Der Vorsitzende der Sektion Nürnberg im Süddeutschen Schaustellerverband, Johannes Krug, findet, dass er und seine Kollegen zu Unrecht im Kreuzfeuer stehen: „Wir sind doch selbst interessiert daran, die Kirchweihen zu erhalten, aber wir können‘s nicht jedem recht machen“, sagt er und beteuert, dass der Verband tue, was er könne. „Ich bin ständig verzweifelt auf der Suche nach Fahrgeschäften für die Feste. Aber was soll ich denn machen, wenn sie für die einzelnen Schausteller finanziell nicht mehr attraktiv sind?“

Außerdem werde der organisatorische und finanzielle Aufwand der Schausteller unterschätzt: „Die Kosten steigen und die Auflagen werden immer schlimmer. Wir machen das ganze Drumherum und sind für alles haftbar.“ Unter der Hand sagt ein Schausteller in Almoshof: „Kein Wunder, dass manche nicht mehr kommen. Auf vielen Landkärwas zahlt man 60 Euro inklusive Strom und hier kostet allein die Platzmiete 400!“ Und außerdem herrsche auf dem flachen Land nicht die Inflation von übers Jahr verteilten Volksfesten wie in der Stadt.

Bisher sei die Darstellung in der Öffentlichkeit „a bissl einseitig“, findet auch Karl-Heinz Kaiser, der seit Jahren die Spickerbude auf dem Bucher Festplatz betreibt. „Wir müssen halt auch auf die Kostenseite schauen, am Ende soll ja a weng was hängen bleiben.“ Die vielzitierten kurzfristigen Absagen seien die ganz großen Ausnahmen: „Ganz klar, so was geht nicht, aber natürlich gibt es auch bei uns schwarze Schafe.“ Er wird jedenfalls auch im nächsten Jahr wieder da sein. „Die Nürnberger Kärwas sind fest in meinem Programm.“ 



VON PETER KUNZ - Lokales Nürnberg

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