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Ausverkauf bei Max Bahr in Nürnberg und Schwabach läuft

Zwischen Schnäppchenjägern und Kunden, die die Mitarbeiter bestärken - 15.01.2014 13:44 Uhr

Am 25. Februar ist Schluss: Bei Max Bahr in der Geisseestraße im Stadtteil Schweinau werden die Restbestände mit Rabatten verkauft.

Am 25. Februar ist Schluss: Bei Max Bahr in der Geisseestraße im Stadtteil Schweinau werden die Restbestände mit Rabatten verkauft. © Alexander Brock


„Schön, dass Sie da sind“, steht am Eingang bei Max Bahr an der Geisseestraße in Nürnberg-Schweinau. „Wir schließen“, „Alles muss raus“ und „Reduziert“ steht auf anderen Aufklebern. Im Hintergrund, auf dem Nachbargrundstück, steht ein blau-gelber, trostloser Kasten. Vom Regenwasser getränkt, kleben dort Flaggen an Masten. „Praktiker“ ist zu erkennen. Verrammelt, verschlossen. Der Baumarktkonzern meldete im Juli bereits Insolvenz an. Die Pleite der Muttergesellschaft hat nun auch die Max-Bahr-Filialen in den Abgrund gerissen.

Abverkauf, heißt es bei Bahr in der Geisseestraße. Große Lücken klaffen in den Regalen, Nachschub bleibt aus. Schon fehlen Wandfarben, Schraubenzieher und Bohrer. Gähnende Leere auf den rund 11.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Zwar füllen Angestellte einige Regale doch noch auf, die Ware stammt aber aus einem Bahr-Markt in Regensburg, der in dieser Woche zumacht, so ein Angestellter.

In Schweinau können die Kunden die Schwelle noch übertreten. Bis 25.Februar. Dann schließt die Filiale - und mit ihr auch die anderen 73 Märkte in Deutschland. Betroffen sind auch die Geschäfte an der Föhrenstraße in Nürnberg-Mögeldorf und in Schwabach, Am Falbenholzweg. Von den drei Märkten mit insgesamt 149 Mitarbeitern haben zwei nach der Insolvenz eine Zukunft: Der Baumarktkonzern Bauhaus übernimmt die Filiale in Schweinau, die in Schwabach der Konkurrent Hornbach. So wie es aussieht, gibt es aber für den Markt in Mögeldorf keinen Interessenten.

Verhandlungen geplatzt

In Schweinau gibt es 56 Mitarbeiter, der Markt wurde 2004 komplett erneuert. Ein Wechselbad der Gefühle haben sie hinter sich, wie ihre Kollegen in anderen Niederlassungen. Zuerst gab es Verhandlungen mit der Hellweg-Gruppe. Die sind aber auf der Zielgeraden geplatzt. Dann interessierte sich der Handelskonzern Globus. Ende November scheiterten auch diese Gespräche. „Bei uns keimte immer wieder Hoffnung auf - und starb ab“, klagt ein Mitarbeiter.

„Gerettet!“, dachten sie dann auch, als anschließend Bauhaus ankündigte, ihre und weitere 23 Standorte von Bahr zu übernehmen. Doch die neuen Chefs wollen wissen, wen sie übernehmen. „Ab nächster Woche sind erste Kollegen bei Vorstellungsgesprächen“, sagt der Mitarbeiter. Anschreiben, Lebenslauf, Gespräche. Die Belegschaft von Bahr hat zwar Vorrang. Dennoch müssen die Angestellten, die teils länger als 20 Jahre im Unternehmen arbeiten, sich wie Externe auf die freien Stellen bewerben. „Das verunsichert. Die Angst geht um, dass ausgesiebt wird und es einen selbst trifft.“

Unterstützung bei der Bewerbung und der Job-Vermittlung bekommen sie von der Transfergesellschaft, für die der Gesamtbetriebsrat mit Erfolg gekämpft hat.

Kunden bestärken Mitarbeiter

Und die Kunden? Ihr Verhalten ist unterschiedlich, heißt es. Einige seien „unverschämt“, sagen zwei Angestellte unisono. Angestachelt von der Preisreduzierung von 30, 50 und 70 Prozent, feilschen sie weiter. „Die würden am liebsten gar nichts zahlen.“ Doch ist das nicht die Mehrheit. Von vielen langjährigen Kunden hören die Mitarbeiter Bedauern. „Die suchen sogar das Gespräch und bestärken uns.“

Ähnlich bedrückend ist die Stimmung auch im Team des Marktes in Mögeldorf. „35 Mitarbeiter waren es hier bis vor kurzem. Heute sind es nur noch 28“, berichtet eine Angestellte. Die ersten haben nach der Insolvenz-Nachricht das Weite gesucht und sich erfolgreich wegbeworben. Schließlich gibt es für den kleineren der drei Märkte gar keine Zukunft. „Wir verstehen das aber nicht. Man muss weit fahren, um zum nächsten Baumarkt zu kommen.“

Auch hier bedauern Stammkunden die Schließung und die damit verbundenen Schicksale der Mitarbeiter. Mit Blumen, Pralinen und anderen Geschenken haben sie versucht, die Belegschaft aufzumuntern. Eine Mitarbeiterin: „Das ist gut gemeint und wir schätzen das sehr. Aber irgendwie tut das auch weh. Es unterstreicht die Endgültigkeit.“ 

Alexander Brock

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