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Als ich am Freitag Mittag erstmals in meinem Leben das Festivalgelände betrete, trifft mich der Schock weit weniger heftig als zunächst angenommen. Tausende Menschen, Musik aus allen Himmelsrichtungen und eine Stimmung, die mitreißt. Der Eindruck ist fantastisch — bis ich mich in meinem ungezügelten Entdeckerdrang Richtung Campingplatz aufmache.
„Willkommen im Chaos“, begrüßt mich Veronika strahlend. Die Security-Dame mit dem schmiedeeisernen Händedruck ist eine von über 700 Sicherheitskräften, die an diesem Ausnahmewochenende auf dem Gelände arbeiten. Angetrunkene und gelegentlich auch aggressive Besucher beaufsichtigt sie schon seit Donnerstag. „Noch hält sich alles in Grenzen. Das Übliche halt.“
„Das Übliche“ sehe ich selbst, als ich durch die Zeltlager schreite. Müllberge an leeren Dosen und Flaschen, rohes Grillgut am Wegesrand, grölende Menschenmassen und verdächtig gelbe Pfützen. Am Horizont sehe ich ein Zelt im Kleinen Dutzendteich treiben. Das Campingareal „C4“ macht seinem Namen alle Ehre, sieht es doch so aus, als hätten die Bewohner Plastiksprengstoff statt Grillanzünder eingepackt. Als ich mich auf den Rückweg mache, sehe ich die ersten Alkoholleichen im trockenen Gras liegen. Rund 160 Euro für die Eintrittskarte bezahlt und schon vor dem Auftritt der ersten Band außer Gefecht? Glückwunsch!
Musikalisch begeistert mich am ersten Tag vor allem die US-Metal-Band „Disturbed“. Bei der genialen Genesis-Coverversion „Land of Confusion“ flippt die Meute vor der Alternastage so richtig aus.
Gut gelaunt geht die Festivalsause am Tag darauf weiter. Auf der Centerstage treiben „Volbeat“ die Luftfeuchtigkeit nach oben. In der ersten Reihe fragt mich Simone aus München nach Feuer — und der dazu passenden Zigarette. Die 16-Jährige ist ebenfalls zum ersten Mal bei „RiP“ und hellauf begeistert. Das Ticket hat sie zum Geburtstag geschenkt bekommen. „Ich dank da sakrisch für die Kippe. Bist mei Held des Tages. Aber schreib ja net in die Zeitung, dass ich geraucht hab.“ Ich grinse sie an. „Okay, dann schreib’s halt, machst ja eh!“
Meinen persönlichen Höhepunkt erlebe ich am Samstag Abend mit „3 Doors Down“. Die Alternative-Rocker überzeugen spielfreudig und gutgelaunt. Ich bin hin und weg.
Nach dem Konzert kotzt mir Georg vor die Füße. Der etwa zwei Meter große Salzburger trägt zu seinem Cowboyhut den offiziellen RiP-Duft: eine Brise Erbrochenes mit billigem Whisky. Sein Freund Nico bietet mir einen Schluck Bier an und entschuldigt sich: „Sorry Oida, der hat a paar Jäcky zuviel g’habt.“ Ich höre mich „Passt scho“ sagen und nehme einen Schluck des Versöhnungsgebräus. Georg gefällt’s: „Endlich normale Leute.“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.