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Christopher Bopp sagt, dass er Ehrlichkeit schätze. Er suche deshalb eine zuverlässige Mieterin mit geregeltem Einkommen, wie er an eine Wohnungsinteressentin mailt. Er gibt sich als Mitarbeiter eines pharmazeutischen Unternehmens aus, für das er vier Jahre in Nürnberg gearbeitet habe. Deshalb habe er eine Wohnung gekauft, die er nun vermieten wolle. Er lebe nämlich wieder in London.
Christopher Bopp ist nicht der tatsächliche Name des Absenders. Und die von ihm bei einem großen Immobilienportal im Internet inserierte Nürnberger Wohnung — 45 möblierte Quadratmeter — existiert in der beschriebenen Form gar nicht. Sie ist ein reines Lockinserat. Auf dieses wäre NN-Leserin Claudia D. (Name geändert) beinahe hereingefallen. „Aber ich bin Gott sei Dank heil herausgekommen“, sagt die 49-Jährige erleichtert.
Claudia D. sucht seit rund eineinhalb Monaten in Nürnberg eine Wohnung zur Miete. Ein mühevolles Unterfangen. „Es ist momentan nicht leicht, eine Wohnung zu finden“, meint Robert Pfahler vom Nürnberger Mieterverein. Umso glücklicher war Claudia D., als sie im Internet auf Christopher Bopps Wohnung stieß. Sie tauschte Mails mit ihm aus. Als sie von Bopp jedoch aufgefordert wurde, 400 Euro Kaution und noch einmal 400 Euro für die erste Miete zu zahlen, bevor er ihr den Schlüssel für die Wohnungsbesichtigung zusenden wollte, wurde sie hellhörig. „Als der im Vorfeld Geld wollte, kam mir das spanisch vor.“
Es ist eine beliebte Masche: Betrügerische Anbieter stellen Immobilien ins Netz, um Wohnungssuchende übers Ohr zu hauen. Sie behaupten, im Ausland zu sitzen, und fordern Interessenten auf, vor der Schlüsselübergabe und der Wohnungsbesichtigung einen bestimmten Geldbetrag zu zahlen — oftmals über Geldversender wie Western Union. Tatsächlich denken die Betrüger nicht daran, eine Leistung zu erbringen. Sie streichen das Geld ein und melden sich nie wieder.
Bei der Kripo werden solche Fälle unter dem Stichwort „Vorschussbetrug“ erfasst. Es würden immer wieder derartige Delikte angezeigt, so Polizeisprecher Michael Sporrer. Die beschriebene Masche funktioniert nicht nur auf dem Wohnungsmarkt, sondern auch beim Autokauf im Internet beispielsweise. Die gute Nachricht: „Die meisten Fälle bleiben im Versuchsstadium stecken.“ Weil die potenziellen Opfer doch misstrauisch werden. Die weniger gute Nachricht: Gelingt der Betrug, ist es schwer, dem Täter auf die Spur zu kommen.
Plattformen wie Immobilienscout oder Immowelt warnen selbst vor Abzocke. Unseriöse Angebote würden umgehend entfernt, heißt es bei Immowelt. „Allerdings agieren die Betrüger mit immer neuen Namen und Firmenadressen und wandeln ihre Maschen auch immer wieder geringfügig ab, um unerkannt zu bleiben.“
Verschleiert der Anbieter seine Identität oder behauptet, im Ausland zu sein, ist Vorsicht geboten. „Wird der Mieter aufgefordert, in Vorleistung zu gehen, sollten alle Alarmglocken schrillen“, meint Pfahler vom Mieterverein. Er rät, Wohnungen vor der Vertragsunterzeichnung persönlich und unverbindlich anzusehen. Was selbstverständlich klingt, ist es offenbar nicht immer. „Ich habe auch schon Käufer erlebt, die eine Wohnung ohne Besichtigung gekauft haben.“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.