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Bilanz zur Delfinlagune: "Blick in die Tiefe ist phänomenal"

Wassertrübung bei Lagune deutlich geringer als erwartet - 20.12.2011 06:53 Uhr

Nürnberg  - Der Tiergarten bescheinigt der Delfinlagune und dem Manatihaus einen sehr positiven Start. Gegner des Projekts sehen dies natürlich anders.

Ein Blick vom „Blauen Salon“ ins Manatibecken: Das Wasser bei den Seekühen ist — wie auch bei den Delfinen — immer noch sehr klar.
Ein Blick vom „Blauen Salon“ ins Manatibecken: Das Wasser bei den Seekühen ist — wie auch bei den Delfinen — immer noch sehr klar.
Foto: Stefan Hippel
Ein Blick vom „Blauen Salon“ ins Manatibecken: Das Wasser bei den Seekühen ist — wie auch bei den Delfinen — immer noch sehr klar.
Ein Blick vom „Blauen Salon“ ins Manatibecken: Das Wasser bei den Seekühen ist — wie auch bei den Delfinen — immer noch sehr klar.
Foto: Stefan Hippel

Knapp fünf Monate nach der offiziellen Eröffnung bilanziert Tiergarten-Direktor Dag Encke: „Wir liegen zahlenmäßig sehr, sehr gut, unser Konzept geht auf.“ August, Oktober und November seien jeweils Rekordmonate in der fast 100-jährigen Geschichte des Tiergartens gewesen. Bis Ende November hatte man heuer 1,189 Millionen Gäste gezählt.

Auch die Zahl der Jahreskarten hat sich enorm gesteigert: Von 2300 ist man auf 4910 Dauertickets hochgeschnellt. Der Gutscheinverkauf erlebt eine starke Nachfrage und der Verein der Tiergartenfreunde freut sich über viele neue Mitglieder. Doch die Leitung hält nicht die Zahlen allein für aussagekräftig: „Wichtig ist, mit welchem Bild die Besucher nach Hause gehen“, betont Encke, „wir bekommen viele positive Rückmeldungen.“


Die komplizierte, aufwendige Technik habe sich gut eingespielt. Allerdings steuern die Programmierer insgesamt zwei Jahre nach, um die verschiedenen Parameter optimal einzustellen. Jeder einzelne Messfühler wird eingeschaltet, Keimbelastung in den Becken kann durch stärkere Durchströmung beseitigt werden, die bestmögliche Nutzung von Energie muss sich noch einpendeln. Es bleibt genug Arbeit für die Experten.

Als geradezu „phänomenal“ bezeichnet Encke den Durchblick vom Blauen Salon ins Becken. Ursprünglich war eine Sichttiefe von nur 15 Metern bei den Delfinen und fünf Metern bei den Manatis vorgegeben. Doch die Reinigung mit Rotationsklärern, Sandfiltern und Eiweiß-Abschäumern ist derart effektiv, dass man problemlos 35 Meter weit blicken kann. Algen trüben den Eindruck bis jetzt nicht. Der Haken: Bei der Planung hatte man sich begnügt, nur die nähere Umgebung der Scheibe als Felsriff zu gestalten. Im Hintergrund blickt man auf nackten Beton.


Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet die fast 13 Meter breite und 4,30 Meter hohe Acrylscheibe zur Lagune: Wie kann man die empfindliche Oberfläche vor weiteren Kratzern schützen? Schließlich haben sich dort schon Passanten verewigt. Geplant ist eine optisch möglichst wenig störende Absperrung, welche die Zuschauer auf Distanz hält. Es sind übrigens keineswegs nur Besucher, die Spuren im Kunststoff hinterlassen. Auch die Flossen der Seelöwen haben auf der anderen Seite der Scheibe Streifen verursacht. Die Tiergarten-Leitung will daher nicht — wie zunächst beabsichtigt — die ersten Kratzer umgehend auspolieren lassen, um Nachahmung zu vermeiden. Vielmehr wird man mit der Schönheitsreparatur ein paar Jahre warten, um dann beide Seiten zu behandeln — hierfür muss man aber das Wasser ablassen.

Unklar ist die Frage, um wie viel das für 24 Millionen Euro geplante Projekt Lagune nebst Manatihaus teurer wird. Von gut drei Millionen Euro Nachforderungen war zu hören. Bis Jahresmitte 2012 sollen die Nachträge der Firmen geprüft sein. „Wir hoffen natürlich, dass ein Großteil abgebügelt wird“, meint Encke. Doch zusätzliche Kosten fallen an — allein schon durch den 255000 Euro teuren Hebeboden für Delfine, der gerade eingebaut wird. Hier kann man schwangere oder kranke Tiere besser untersuchen.

Bei der Kostenfrage hakt auch Lagunen-Kritiker und ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger nach. Er bezweifelt, dass erhöhte Einnahmen des Tiergartens die Mehrausgaben decken können. Seine Befürchtung: Die Stadt muss einspringen. „Ich bin richtig erschrocken, wie klein die Lagune ist“, sagt der Kommunalpolitiker nach einem Besuch, der die Anlage als viel zu beengt für die Tümmler-Haltung ansieht. Falls die Zucht erfolglos bliebe, hätte man immerhin ein schönes Außenbecken für Enten, merkt Schrollinger ironisch an.

Zum Thema Nachzucht äußert der Tiergarten-Direktor, dass man in den nächsten Monaten Gewissheit bekomme, ob ein Weibchen trächtig ist. Zu den vier Tümmlern stößt im Frühjahr Bulle „Arnie“, der seit geraumer Zeit mit seinem Bruder „Joker“ in einem gesonderten Becken gehalten wird. Der dominante Bruder wird an eine andere Zuchtgruppe abgegeben. Er darf nicht bleiben, weil es sonst zu einem tödlichen Machtkampf mit Tiergarten-Methusalem „Moby“ kommen würde, so Encke. Bruder „Arnie“ könne dagegen integriert werden. 

HARTMUT VOIGT - Lokales Nürnberg


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Zum Thema
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Kurzbeschreibung:
Die Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten, die das alte Delfinarium ersetzte, wurde 2011 fertiggestellt. Sie verfügt über mehrere Außenbecken, Zuschauertribünen und eine Unterwasserscheibe, durch die man die Tiere beobachten kann.
Während die Lagune einerseits einen Besuchermagneten darstellt, kritisieren Tierschützer grundsätzlich die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft.
Zum Thema
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Kurzbeschreibung:
In einem weitläufigen Gelände mit Wald, Wiesen, Weihern und Sandsteinfelsen liegt der Nürnberger Tiergarten. Er gilt als einer der schönsten deutschen Landschaftszoos.
Die 2011 fertiggestellte Delfinlagune sorgt für höhere Besucherzahlen aber auch für Kritik.