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Blaues Haus wechselt die Farbe

Die Attraktion der „Blauen Nacht 2011“ in Nürnberg ist jetzt eine gut gestaltete Wohnung - 26.01.2012 04:00 Uhr

Nürnberg  - Es war einer der Hingucker der Blauen Nacht 2011: das Haus Hintere Insel Schütt 26. Knallblau sprang das Anwesen an der Stadtmauer den Passanten ins Auge. Jetzt hat es sich äußerlich wie ein Chamäleon seiner Umgebung angepasst.

Das Blaue Haus in  der Hinteren Insel Schütt so, wie es sich in der Blauen Nacht darstellte.
Das Blaue Haus in der Hinteren Insel Schütt so, wie es sich in der Blauen Nacht darstellte.
Foto: Jo Seuß
Das Blaue Haus in  der Hinteren Insel Schütt so, wie es sich in der Blauen Nacht darstellte.
Das Blaue Haus in der Hinteren Insel Schütt so, wie es sich in der Blauen Nacht darstellte.
Foto: Jo Seuß

Fasziniert waren etwa 1500 Passanten, die in der „Blauen Nacht“ an der Insel Schütt vorbeigeschaut haben. Denn das Anwesen Hausnummer 26 strahlte nicht nur an Fassade, Fenster und Dach in intensivem Blau. Auch im Inneren stieg man über eine Treppe zu den einzelnen Zimmern in der gleicher Farbe.

Die Welt mit anderen Augen sehen, das war ein Anliegen der Aktion. Gespenstisch, wie Küche, Bad und Schlafzimmer einheitlich in einem Ton gehalten waren. Befreiend, wenn man draußen dann wahrnehmen konnte: Die Welt ist bunt.

Die Idee, das Haus durch und durch in Blau zu gestalten, war den Architekten Alexander Kromer und Patrick Schreiner beim Abendessen gekommen. Sie sollten das Wohnhaus für drei Parteien aus dem Jahr 1969 für den neuen Eigentümer Bernd Hendl komplett umgestalten. Und weil die kulturelle Erlebnis-Nacht vor der Tür stand, wollten die Mitarbeiter des Büros „Querwärts“ einen eigenen Beitrag leisten. Aber nicht allein. Ohne die uneigennützige Hilfe von Sponsoren, Kollegen und befreundeten Handwerkern wäre es nicht gegangen.

Sieben Wochen ackerten rund 50 „Hausblaumacher“, installierten eine ausrangierte Küche, bauten eine Treppe und eine spezielle Beleuchtung ein. Sie sorgten für ausgediente Wohn- und Schlafzimmermöbel sowie für ein ausrangiertes Auto und sie gestalteten die Garage in eine Bar um. Anschließend wurden 400 Liter intensiver blauer Farbe im ganzen Haus mit Sprühpistolen verteilt — bis in die letzte Ritze. Es stimmte auch das kleinste Detail: Selbst Zahnpasta und Wattestäbchen waren Ton in Ton.


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In der "Blauen Nacht 2011" war es der Hingucker schlechthin. Doch danach wurde das Blaue Haus zum Chamäleon: Es passte sich der Umgebung an. Mittlerweile ist es sandsteinfarben - gemäß der Vorgabe der Stadt. Wir erinnern an die Blaue Zeit.

Erstaunlich, dass keine Rückstände geblieben sind. Heute erinnern nur mehr die verbeulten blauen Garagentore daran, und auch die werden ausgewechselt. Architekten und Handwerker haben ganze Arbeit geleistet, so dass Eigentümer Bernd Hendl im November einziehen konnte. Die alten, kleinen Grundrisse der Stockwerke sind großzügigen Innenräumen gewichen. Das Mehr-Parteien-Haus verwandelte sich in eine Wohnung über mehrere Etagen.

Von außen sieht das Gebäude, das an die Stadtmauer gequetscht ist, nun wenig spektakulär aus. Der Denkmalschutz pochte auf eine der Umgebung angepasste Farbgebung. Und der Bauherr hatte auch nie geplant, in einem blauen Haus zu wohnen. Es war nur ein kurzzeitiger Beitrag zur „Blauen Nacht“. Passanten wussten dies natürlich nicht und äußerten sich während des Streichens abfällig. Als die Maler bei der Kunstaktion dann auch noch die Fensterscheiben blau zupinselten, ernteten sie den Kommentar: „Etz spinnen’s völlig.“

Und wie sieht es jetzt drinnen aus? Das fast fertiggestellte Hausinnere setzt markante Ausrufezeichen. Modern, anspruchsvoll und stilsicher hat sich der Inhaber einer Werbeagentur sein neues Heim eingerichtet. Stahltreppen über alle Stockwerke und Holzfußböden, schlichte weiße Wände und eine raffinierte Beleuchtung sorgen für Atmosphäre.


Licht in die Räume zu bringen, war für die Architekten eine besondere Herausforderung. Denn die ganze Häuserzeile liegt vormittags im Schatten der Stadtmauer. Doch die Fachleute haben das Problem gut gelöst. Übrigens: Ganz verabschiedet hat sich Hausbesitzer Bernd Hendl doch nicht von der Farbe Blau: Sie findet sich an seinem Sofa wieder — und ganz versteckt auf dem Dach. Dort erinnern noch zwei Dachziegel an die Blaue-Nacht-Aktion. 

VON HARTMUT VOIGT


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