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Blutkrebs: Hoffnung für Leukämie-Kranke

Nordklinikum wendet neue Transplantationsmethode erfolgreich an — Tochter spendet Mutter Stammzellen - 07.06. 19:24 Uhr

Nürnberg  - Hoffnung für Leukämie-Kranke im Erwachsenenalter, die keinen passenden Stammzellen-Spender finden: Das Nürnberger Klinikum hat ein neues Transplantationsverfahren erstmals angewandt — mit Erfolg.


Cornelia Kratzer (M.) spendete ihrer Mutter Adele Haupt (2. v. l.) Stammzellen. Möglich machten das Prof. Hannes Wandt (r.) und Oberärztin Kerstin Schäfer-Eckart (l.) in der Klinik 5, die geleitet wird von Prof. Martin Wilhelm (2. v. r.).
Cornelia Kratzer (M.) spendete ihrer Mutter Adele Haupt (2. v. l.) Stammzellen. Möglich machten das Prof. Hannes Wandt (r.) und Oberärztin Kerstin Schäfer-Eckart (l.) in der Klinik 5, die geleitet wird von Prof. Martin Wilhelm (2. v. r.).
Foto: Weigert

November 2010. Adele Haupt hat Ausschlag im Gesicht, „Elefantenhaut“ um die Augen, „rote Punkte“ am ganzen Körper. Die Befürchtung ihrer Ärztin bewahrheitet sich: „Die Leukämie ist schon unter die Haut geschossen.“ Wenig später wird die 61-jährige Adele Haupt aus Lauf stationär im Nordklinikum aufgenommen — sie braucht schleunigst eine Knochenmarkspende.

Bei etwa 20 Prozent aller Leukämie-Kranken, die eine Transplantation benötigen, ist eine Geschwister-Spende möglich; für die restlichen 80 Prozent muss ein anderer Spender gefunden werden, in der Knochenmarkspenderdatei — das klappt aber nur bei vier von fünf Patienten. Adele Haupt ist, statistisch gesehen, diese 5. Patientin. Es gibt also niemanden für sie, bei dem die Bluteigenschaften zu 90 bis 100 Prozent übereinstimmen.

Wäre sie noch ein Kind, käme eine sogenannte Hochrisikotransplantation in Frage. Da könnten dann der Vater oder die Mutter für sie Knochenmark spenden, auch wenn die Bluteigenschaften hier nur zu 50 Prozent übereinstimmen. Grund: Kinder verfügen über körperliche Voraussetzungen, die es ermöglichen, ihre Immunzellen zu „entfernen“, wie Professor Hannes Wandt, Leiter der Abteilung für Knochenmarktransplantation in der Klinik 5 (Onkologie) des Nordklinikums, erklärt.

Risiko: Leber kann versagen

Dadurch wird das Risiko einer bisweilen tödlich endenden Transplantationsreaktion — vom Leberversagen bis hin zur Darmentzündung — deutlich gesenkt. Bei Erwachsenen ist das anders. Ohne Stammzellenspender hatten sie bislang „so gut wie keine Chance“, sagt Wandt.

Auch Adele Haupt muss sich im Dezember, als kein passender Spender gefunden wird, damit auseinandersetzen, dass sie nicht mehr lange lebt.

Doch Wandt hört von jüngsten Forschungsergebnissen in den USA, wonach genau diesen Patienten geholfen werden kann. Nach Rücksprache mit den Kollegen in Baltimore entscheidet er sich, Adele Haupt das neue Verfahren vorzuschlagen. Ihre Tochter, Cornelia Kratzer, käme dann als Knochenmarkspenderin in Frage.

„Für mich war sofort klar, dass ich Knochenmark spende, um meiner Mutter zu helfen“, sagt Kratzer. Für ihre Mutter bedeutet das: Hoffnung. Das war im Januar dieses Jahres.

Im Februar erkrankt Haupt an einer Gürtelrose, im März bekommt sie Chemotherapie, im April soll sie sich erholen, damit die Transplantation vorbereitet werden kann: Sie muss Medikamente nehmen und bekommt eine „niedrig dosierte Ganzkörperbestrahlung“.

Am 6. Mai dann wird ihrer Tochter unter Vollnarkose Knochenmark entnommen, das drei Stunden später Adele Haupt transplantiert wird — über einen Katheter erhält sie ihr neues Immunsystem, ähnlich wie bei einer Bluttransfusion.

„Immunsystem wächst an“

In den ersten zwei Wochen nach der Transplantation muss dieses neue Immunsystem „anwachsen“. Das Risiko, dass die aggressiven Immunzellen des neuen Immunsystems das Leben des Patienten gefährden, ist nun besonders hoch.

Das neue Verfahren aber ermöglicht es, drei Tage nach der Transplantation ein Medikament (Cyclophosphamid) einzusetzen, das die aggressiven Immunzellen tötet, andere Zellen hingegen schont. Das erhöht die Genesungschancen immens.

Vier Wochen nach der Transplantation sieht es für Adele Haupt hervorragend aus: Bislang gibt es keine Transplantationsreaktion, sie hat keine Infektion, und die blutbildenden Zellen sind zu hundert Prozent Zellen ihrer Tochter. „Das ist ein optimales Ergebnis“, sagt Wandt, der das neue Verfahren schon für weitere Patienten im Auge hat, die andernfalls kaum eine Überlebenschance hätten. 



ANDREAS DALBERG - Lokales Nürnberg



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