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Chinas Drache wirbt um faire Spielzeug-Produktion

Bündnis setzt sich auf dem Messegelände für bessere Arbeitsbedingungen ein - 04.02. 10:48 Uhr

Nürnberg  - Das „Bündnis Fair Toys“ protestiert gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen in chinesischen Spielzeug-Fabriken. Gleichzeitig warben zwei Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen auf der Spielwarenmesse für faire Produktion.

Jugendliche der Geschwister-Scholl-Realschule begrüßen die Besucher der Spielwarenmesse am U-Bahnhof Messe mit einem chinesischen Drachen, der das Schild „Glück oder Ungeheuer?“ im Maul trägt.
Jugendliche der Geschwister-Scholl-Realschule begrüßen die Besucher der Spielwarenmesse am U-Bahnhof Messe mit einem chinesischen Drachen, der das Schild „Glück oder Ungeheuer?“ im Maul trägt.
Foto: Hippel
Jugendliche der Geschwister-Scholl-Realschule begrüßen die Besucher der Spielwarenmesse am U-Bahnhof Messe mit einem chinesischen Drachen, der das Schild „Glück oder Ungeheuer?“ im Maul trägt.
Jugendliche der Geschwister-Scholl-Realschule begrüßen die Besucher der Spielwarenmesse am U-Bahnhof Messe mit einem chinesischen Drachen, der das Schild „Glück oder Ungeheuer?“ im Maul trägt.
Foto: Hippel

Es gehörte schon eine große Überwindung dazu, das lauschig warme Klassenzimmer zu verlassen und bei heftigen Minusgraden und eisigem Wind auf der Brücke zur U-Bahn-Station Messe zu stehen. Eine siebte Klasse der Geschwister-Scholl-Realschule machte den katholischen Religionsunterricht der etwas anderen Art mit und griff zu den Stangen des chinesischen Drachens.

Sie begrüßten mit dem Fabelwesen die chinesischen Messegäste (in China hat gerade das Jahr des Drachens begonnen) — und sie ernteten damit freundliche Mienen. Ob die asiatischen Besucher allerdings den Sinn der Aktion verstanden haben? „Der chinesische Drache fordert: Schluss mit den Arbeitsrechtsverletzungen“, erklärt Organisator Jürgen Bergmann. Neben den Realschülern haben etliche katholische und evangelische Gruppen bei der Aktion mitgemacht. Auch das Nürnberger Menschenrechtsbüro und das Menschenrechtszentrum gehören dem hiesigen „Bündnis Fair Toys“ an, das seit über einem Jahrzehnt gegen Kinderarbeit und für bessere Produktionsbedingungen eintritt.



Jürgen Bergmann von der evangelischen Gruppe „Mission Eine Welt“ beteiligt sich seit 2001: „Wir dürfen nicht nachlassen, die Arbeitsbedingungen müssen überprüft werden — durch regelmäßige Stichproben.“ Zertifikaten oder schriftlichen Bekundungen könne man in China nicht trauen. Denn Untersuchungen in dortigen Fabriken, die das Prüfsiegel des Internationalen Spielwarenverbands besitzen, hätten erschreckende Ergebnisse gebracht, so das Bündnis: Verstöße gegen Arbeitsschutz und überlange Produktionszeiten, fehlende Arbeitsverträge, verspätete Lohnzahlungen und schmutzige Unterbringung.

Ausharren trotz Frost

Dass die Proteste die Spielwaren-Welt noch nicht nachhaltig verändert haben, entmutigt die Teilnehmer nicht. Während sie mit dicken Jacken, Handschuhen und Mützen im frostigen, rauen Klima ausharren, wollen in den warmen Messehallen die Bundesvorsitzende der Grünen Claudia Roth und ihr Fürther Bundestags-Kollege Uwe Kekeritz bei einigen Herstellern „soziale Nachhaltigkeit“ und Einhaltung von Menschenrechten einfordern. Bei den fränkischen Produzenten Simba Dickie und Playmobil laufen sie mit ihren Forderungen offene Türen ein. Gerechte Arbeitsbedingungen sehen beide Firmen als Selbstverständlichkeit, betonen deren Sprecher unisono.

Dann könne man doch die faire Produktion offensiv als Werbe-Argument bei der Kundschaft nehmen, meint Kekeritz. Aber bei diesem Argument reagieren die Firmensprecher recht verhalten: „Es ist für uns eine Verpflichtung, damit werben wir nicht, das Geld sparen wir uns“, meint Andreas Schmitt von Simba Dickie.

Und bei Playmobil hält man offenbar ebenfalls nicht allzu viel davon, das ethische Argument als Verkaufstrumpf einzusetzen. „Absolute Priorität hat die Qualität unseres Produkts, damit werben wir“, meint Unternehmens-Sprecherin Judith Weingart. Die Sozialstandards an den unterschiedlichen Produktionsorten entsprächen genau den guten Verhältnissen am Zirndorfer Stammwerk.

„Komisch, wir präsentieren den Firmen ein Argument auf dem Silbertablett und die nehmen es nicht“, wundert sich Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kopfschüttelnd. Und Grünen-Abgeordneter Uwe Kekeritz ist danach keineswegs überzeugt, dass Firmen generell auf das positive Verkaufsargument „fair gehandelt“ aus reinem Großmut verzichten. 



HARTMUT VOIGT - Lokales Nürnberg

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