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Nein, als Franzi möchte das Christkind derzeit lieber nicht angesprochen werden. „Das hat sie mir verboten“, sagt Katharina Specht, die mit Franziska Handke seit der fünften Klasse befreundet ist und sie kürzlich im Sternenhaus am Hans-Sachs-Platz besucht hat. Der Grund dafür ist ganz simpel: Wenn die Freundin das prächtige Kleid samt blonder Perücke und Krone trägt, dann ist sie das Christkind und nicht mehr Franziska. „Wenn ich zu ihr Franzi sage, dann sind die Kinder enttäuscht“, weiß Katharina mittlerweile.
Doch ein Abstecher zur Kinderweihnacht, um wenigstens kurz „Hallo“ zu sagen, das sei für sie derzeit die einzige Möglichkeit, die Freundin wenigstens mal für ein paar Minuten zu sehen. Ansonsten gibt es nur ein paar Neuigkeiten per Kurzmitteilung auf dem Handy – mehr ist beim vollen Terminkalender des Christkinds nicht drin. „Ich find‘s schlimm, dass wir so wenig Zeit füreinander haben“, sagt Katharina, die aber natürlich auch angetan ist vom Ehrenamt der Freundin. Die Eröffnungszeremonie hat sie sich vom Rathaus aus zusammen mit Franziskas Familie angeschaut. „Da hatte man einen sehr schönen Blick.“
Den anderen Mitschülerinnen aus dem Geschichtskurs reichte die Übertragung im Fernsehen aus. Und Gernot Kröniger, der Lehrer, hat den Auftritt sogar ganz verpasst, weil er sich in den Vorjahren nie für den genauen Termin interessiert hatte. „Leider“, wie er selbst sagt. „Ich wollte das dieses Jahr unbedingt sehen.“
Denn die Anteilnahme an der Schule ist groß. Schon kurz nachdem das Ergebnis der Wahl feststand, ließ Schulleiter Anton May Glückwünsche auf die Internet-Seite des Gymnasiums stellen. „Wir freuen uns und sind auch ein bisschen stolz“, sagt May, dem sogar ein anderer Schulleiter gratulierte. Seinen Schülerinnen ermöglicht er die Bewerbung um das himmlische Amt gern. Für die Entwicklung der Sozialkompetenz sei so eine Aufgabe „unheimlich wichtig“, so May.
Nach Claudia Stühler und Marisa Sanchez ist Franziska Handke das dritte Christkind, das von der katholischen Mädchenschule kommt. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass die Schule das Engagement für andere bewusst fördert, wie die Elftklässlerinnen erzählen. „Man lernt hier, anderen zu helfen und Gutes zu tun“, sagt Lisa-Marie Feckler (16). In diesem Jahr hatte sich mit Christina Guss sogar eine weitere Schülerin um das Ehrenamt beworben und war unter die letzten zwölf gekommen. Da habe es sogar vorübergehend einen Konkurrenzkampf zwischen zwei Lagern gegeben, sagt Stefanie Merkler.
Doch sie und ihre Mitschülerinnen haben noch nicht über eine eigene Bewerbung nachgedacht. Nicht alle trauen sich die Aufgabe zu. Es sei bestimmt nicht einfach, vor so einer Menschenmenge zu sprechen, sagt Stefanie. „Ich hätte viel zu viel Angst“, ergänzt Lisa-Marie.
Und es gibt noch einen Grund, warum die meisten lieber in der Schule bleiben: Wenn Franziskas Zeit als Christkind für dieses Jahr endet, hat sie jede Menge Unterrichtsstoff nachzuholen. Das sei nicht ganz unproblematisch, sagt Gernot Kröniger, der dennoch für das Ehrenamt plädiert, wenn die Noten stimmen. „Wer die einmalige Chance hat, Christkind zu werden, sollte sich nicht von der Schule abhalten lassen“, findet er.
Seine Schülerinnen sehen das ähnlich. Das Christkind symbolisiere die Vorfreude auf Weihnachten, sagt Babette Bühler, die selbst mit dem Glauben an die Figur aufgewachsen ist. „Es muss schön sein, das anderen zu vermitteln.“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.