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Dem Traum der großen Freiheit auf der Spur

Harley-Davidson-Shop ist Treffpunkt eines illustren Völkchens — Hells Angels und Bandidos mit von der Partie - 13.03.2011 18:56 Uhr

Motorrad mit Kultstatus: Harley Davidson zu fahren, so sagen die Fans, ist ein Stück Freiheit im Alltag.

Motorrad mit Kultstatus: Harley Davidson zu fahren, so sagen die Fans, ist ein Stück Freiheit im Alltag. © Daut


Auch Vertreter der beiden rivalisierenden Rockergangs Hells Angels und Bandidos gehörten zu den Gästen. „Die Stimmung ist schon sehr angespannt, aber sie wollen die Füße stillhalten“, erklärt ein Besucher, der seinen Namen aus Sicherheitsgründen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Im vergangenen Jahr hatten beide Clubs zwar öffentlich einen Friedenspakt geschlossen, doch Experten halten dies vor allem für einen PR-Gag, um von den kriminellen Machenschaften abzulenken.

Doch die Feier verläuft friedlich. Direkt vor dem Eingang haben sich die Bandidos mit ihren gelb-roten Westen platziert. Die Hells Angels, erkennbar an den rot-weißen Club-Farben, beäugen das Geschehen mit finsteren Mienen aus dem Hintergrund. Treffen der beiden Clubs dieser Art sind selten.

Betrachtet man die Herren aus nächster Nähe, kann man nachvollziehen, warum besagter Besucher so viel Respekt zeigt. Hünenhafte Staturen, kahlrasierte Schädel, geflochtene Bärte und großflächige Tattoos auf den muskulösen Oberarmen. Perfekte Schwiegersöhne sehen anders aus. Doch so sind sie eben auch, die Harley-Davidson-Fans.

Oder so wie Burghard König, Unternehmensberater und Präsident des Harley Owner Clubs (HOG) Chapter Nürnberg. König wirkt schon aufgrund seiner kräftigen Statur eher gemütlich als gefährlich. Von Kopf bis Fuß lebt er die Marke, die weltweit das Gefühl von Freiheit verkörpert. Der HOG Club Nürnberg zählt 55 Mitglieder. Doch wie sieht es mit dem hartnäckig bestehenden Vorurteil aus, dass nur reiche Leute in diesem elitären Club willkommen sind? „Das ist Quatsch“, sagt König. Vom Aldi-Lageristen bis zum Fachanwalt seien bei seinen Leuten sämtliche Berufsgruppen vertreten.

Unangefochtener Chef des Ganzen ist der ortsansässige Harley-Fachhändler, also in diesem Fall Gastgeber Fritz Jonak. „Ohne ihn sind wir nichts, er könnte den Club jederzeit schließen“, betont der HOG-Präsident. Will Fritz Jonak, ein gebürtiger Wiener, aber nicht. Seine 1200 Quadratmeter große Spezial-Werkstatt mit Shop ist die Erfüllung seines Lebenstraums. Und der HOG-Club und seine „Community“ gehören zwingend dazu. In dem Spezialgeschäft, das über sieben Hebebühnen verfügt, werden alte Maschinen restauriert und neue gewartet oder verkauft. Im Shop gibt es von Manschettenknöpfen bis hin zur Lederjacke alles, was das Herz des eingefleischten Fans höherschlagen lässt — wenn er es denn bezahlen kann. Auch Frauen fasziniert der Kult.

So wie Eva Peter (37) aus Kempten. Harley fahren sei ein Lebensgefühl, und auf Veranstaltungen wie diesen treffe man viele Gleichgesinnte. „Nur diese versnobten HOG-Fuzzis, über die in der Szene jeder lacht, sind hier etwas überrepräsentiert.“ 

VON MICHAELA ZIMMERMANN - Lokales Nürnberg

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