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Der Wundermotor starb ab

Tüv-Gutachten belastet GFE weiter — Ermittlungen nun gegen 23 Beschuldigte - 10.02.2011

Als die Tester kamen, stotterte der Motor. Zumindest beim Betrieb mit einem Gemisch aus Rapsöl und Wasser. Dabei soll das laut den Tüftlern der Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien (GFE) eines der Geheimnisse dieses Motors sein: Dass er mit einer Öl-Wasser-Mischung läuft und dass damit seine Stromausbeute noch höher wird und der Gewinn aus der Stromeinspeisung noch gewaltiger.

Doch als die Gutachter des Tüv Rheinland im Auftrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth auf dem GFE-Gelände die Leistung des Motors mit dem besonderen Gemisch messen wollten, starb er mehrmals ab. Der Tüv gab der GFE zwei Tage Zeit, die Ursachen zu beheben. Danach lief der Motor gerade einmal 18 Minuten lang. Das vernichtende Gesamtergebnis des Tüv-Gutachtens: Mit reinem Rapsöl erreicht der Motor einen Wirkungsgrad von 33,6 Prozent — und der ist normal für Blockheizkraftwerke. Mit dem Öl-Wasser-Gemisch erreicht er einen Wirkungsgrad von 28,6 Prozent. Damit wären, so der Tüv, Brennstoff-, Wartungs- und Nebenkosten höher als der Erlös, der sich mit der Stromeinspeisung hätte erzielen lassen. Versprochen hatte die GFE 75 Prozent Wirkungsgrad.

Noch mehr juristischer Ärger

Diese Details gab die Staatsanwaltschaft gestern offiziell bekannt. Und sie erklärte außerdem, dass sie ihre Ermittlungen auf 23 Personen erweitert hat. Einige von ihnen haben allerdings auch wegen anderer Geschäftsmodelle derzeit juristischen Ärger. Zweien wird seit vergangener Woche am Nürnberger Amtsgericht wegen Betrugs in 119 Fällen der Prozess gemacht. Sie haben laut Anklage im Jahr 2005 mit ihrer Firma Wasser-Riese sowohl die Käufer von Wasserfiltern als auch eine Bank ausgetrickst.

Die Firma war ähnlich aufgebaut wie die GFE, wenn auch einfacher: Sie hatte eine Mutter in der Schweiz und eine Tochter im Landkreis Ansbach. Den Kunden wurden 2400 Euro teure Filter zur Reinigung von Trinkwasser verkauft. Zur Finanzierung besorgte die Firma einen Kredit. Jeder Käufer hatte ein sechsmonatiges Test- und Rückabwicklungsrecht, von dem die Bank aber nichts wusste. Gaben die Tester das Gerät zurück, wollte sie die Kreditraten weiter haben. Erst von den Kunden, die sich aber weigerten. Dann von der Firma, die aber 2006 pleite ging. Die Bank blieb auf dem Schaden sitzen.

Um den Vertrieb der Filter anzukurbeln, hatte die Firma im Internet mit einem typischen Schneeballsystem geworben: Wer mitmachte, sollte für die ersten drei geworbenen Tester je 220 Euro Provision bekommen, ab dem vierten 440 Euro, ab dem 36. sogar 770 — unabhängig davon, ob das Gerät zurückgegeben wird.

Gegen zwei andere Beschuldigte im GFE-Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Das bestätigte Sprecherin Doris Müller-Scheu. Die beiden waren demnach an der hessischen Firma mySolar24 beteiligt. Das Unternehmen soll von Anlegern Geld für Photovoltaikanlagen eingesammelt haben, die laut den Vorwürfen nie gebaut wurden. Im Oktober 2009 wurden die Firmenräume durchsucht. Die Anklageerhebung steht bald an.
  

VON GUDRUN BAYER

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