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Die Lagune lockt

50 Prozent mehr Besucher im Tiergarten - 16.08.2011 07:00 Uhr

Dicht besetzt sind die Bänke rund um die neuen Becken für Delfine und Seelöwen.

Dicht besetzt sind die Bänke rund um die neuen Becken für Delfine und Seelöwen. © Karlheinz Daut


Nein, „Noah“ mag noch nicht. Der Delfin zeigt zwar gerne auf Kommando beeindruckende Sprünge, doch er traut sich noch nicht aus dem kleinen Becken heraus. Und weil er dort nicht allein bleiben will, muss ihm Weibchen „Sunny“ vorerst Gesellschaft leisten, weil „Noah“ sie nicht weglässt. „Delfine sind neugierig, aber auch vorsichtig“, erklärt Tiergartenchef Dag Encke. Bei den täglichen Vorführungen müssen die Besucher deshalb mit „Moby“ und „Jenny“ vorliebnehmen, die längst das große Bassin für sich erobert haben.

Doch das stört an diesem sonnigen Samstagnachmittag niemanden. Kurz vor 15 Uhr ist rund um die neuen Becken jeder Platz besetzt. Gespannt und geduldig warten die Besucher, die zum Teil weitgereist sind, auf den Beginn der Vorstellung. Sandra Trojan und ihre Familie zum Beispiel sind in Wien zu Hause und machen Urlaub im Fränkischen Seenland. Der Besuch der Lagune stand neben einem Abstecher in den Playmobil Funpark ganz oben auf der Wunschliste der beiden Söhne Manuel (10) und Nico (6). Die beiden sehen zum ersten Mal in ihrem Leben Delfine, denn damit kann der Zoo daheim in Schönbrunn nicht aufwarten. Mit vielen „Aahs“ und „Oohs“ begleiten nicht nur die beiden Buben den Auftritt der Großen Tümmler, denen der Besucher jetzt allerdings nicht mehr so nahe kommt wie im alten Delfinarium. Doch das ist gewollt. „Die Leute erwarten immer noch eine Show“, sagt Encke. „Aber wir wollen eigentlich, dass sie das normale Verhalten der Tiere sehen.“

Lediglich dezente Musik begleitet deshalb den Auftritt von „Moby“ und „Jenny“, die wie bisher auf Kommando etliche Kunststücke zeigen und zum Beispiel mit ihrer Schnauze Ringe einsammeln. Alexander hat schnell erkannt, wie das mit den Zeichen der Trainer funktioniert. „Gleich springt der Delfin hoch, weil die Frau die Arme gehoben hat“, weiß der Neunjährige, der auch von den Kalifornischen Seelöwen sehr angetan ist. „Mama, die winken ja richtig mit ihren Flossen.“ Von der neuen Anlage samt Vorstellung sind aber nicht nur die Kinder begeistert. „Total unangemessen“ sei die Kritik der Tierschützer, sagt Rolf Beleke aus Wendelstein, der regelmäßig am Schmausenbuck zu Gast ist und den gesamten Bau der Lagune mit verfolgt hat. „Super“ sei es geworden, urteilt der 62-Jährige, der selbst für das Projekt gespendet hat. Auch eine junge Coburgerin hat nur Lob parat. „Ich finde es klasse“, sagt Jessica Binder. „Im Vergleich zu vorher ist es wunderschön.“ Der höhere Eintrittspreis sei durchaus gerechtfertigt, so die 23-Jährige, die schon öfter im Tiergarten zu Besuch war. „Irgendwie muss sich so etwas ja finanzieren, und wenn es den Tieren dadurch bessergeht, zahle ich dafür gern.“ Binder will „auf jeden Fall“ wiederkommen.

Rund um den Eingang zum Zoo am Schmausenbuck herrscht derzeit dichtes Gedränge. Die Lagune lockt Besucher aus nah und fern an, zeitweise sind sämtliche Parkplätze belegt.

Rund um den Eingang zum Zoo am Schmausenbuck herrscht derzeit dichtes Gedränge. Die Lagune lockt Besucher aus nah und fern an, zeitweise sind sämtliche Parkplätze belegt. © Michael Matejka


Barbara Petzenhauser genießt gerade den Blick in die Unterwasserwelt der Delfine und Seekühe im neuen „Blauen Salon“. Die Becken habe sie sich zwar größer vorgestellt, sagt die Allgäuerin, die etliche Jahre in Nürnberg gelebt hat und jetzt mit ihrer Familie ein paar Urlaubstage auf dem Campingplatz verbringt. „Aber sonst ist es sehr schön gemacht.“ Petzenhauser hält es zwar für fragwürdig, Delfine fernab der Meere zu halten. „Aber wenn Nürnberg daran festhält, ist eine artgerechtere Haltung sinnvoll.“ Das ist ihr auch die 31,50 Euro für die Familienkarte wert. „Anderswo ist es teurer.“ Michaela Fritsch kann die Preiserhöhung — die Besucher zahlen jetzt quasi jedes Mal für die Lagune mit, auch wenn sie sich die Delfine nicht anschauen wollen — bislang egal sein, denn sie hat eine Dauerkarte. Aber sie würde auch ein paar Euro mehr ausgeben, meint die Nürnbergerin. „Denn jetzt ist ja was geboten hier.“ Früher habe man die Seekühe nur im trüben Wasser beobachten können, jetzt seien sie hinter die Scheibe zum Greifen nah. Die Anlage sei mit viel Liebe gestaltet worden und „ein großes Plus“ für Nürnberg. „Da muss man weit fahren, um so etwas zu sehen.“

Nur wenig Kritik

In die Begeisterung mischen sich nur wenige kritische Stimmen — wie zum Beispiel die von Demet Karagül aus Nürnberg. Zwar ist auch sie von der Lagune recht angetan, doch die höheren Eintrittspreise gefallen ihr weniger. „Es ist auf jeden Fall zu teuer, ich werde mit meinen Kindern vermutlich seltener hingehen.“

Tiergarten-Vizechef Helmut Mägdefrau hat jedoch nicht den Eindruck, dass der Preis für die Besucher ein großes Thema ist. „Ich habe dazu nicht eine einzige kritische Stimme gehört. Stattdessen kriegen wir Lob in den höchsten Tönen.“ Mägdefrau macht sich eher Sorgen, weil es manchmal schon etwas eng zugeht auf der Tribüne. 114000 Besucher kamen seit der Eröffnung, rund 50 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Doch Mägdefrau warnt vor zu viel Euphorie. Die Besucherzahl sei von vielen Faktoren abhängig, „eine Bilanz ziehe ich erst in zwei Jahren“.

  

SILKE ROENNEFAHRT - Lokales Nürnberg

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