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Auch er vermisst sie, die Einheimischen. Ronald Schmitt, vor zwei Jahren mit seinem Laden „Schön Wohnen“ von der Bayreuther in die Bergstraße umgezogen, sieht vor allem Touristen an seinem Schaufenster vorüberziehen. Sicher, auch sie ließen sich das eine oder andere Stück nach Hause schicken, sagt Schmitt. Doch wo bitte bleiben die Nürnberger?
Für sie, so ist beim Rundgang immer wieder zu hören, stehe das Burgviertel leider nur für zwei Begriffe: Kneipen und Touristen. Dabei, so IG-Chef Werner Kokott, gebe es hier so viele originelle Läden. Genau die sucht die kleine Gruppe heute heim. Dagmar Wöhrl outet sich unterwegs als einer der eher seltenen Gäste. „Schon ewig“ sei sie nicht mehr hier gewesen, doch schon gibt sie dem Wohnspezialisten Ronald Schmitt Tipps: „Ihr müsst das Einkaufen zum Erlebnis machen.“ Hier ein Espresso, dort etwas Historisches einbauen, so werde das was.
Andrea Heindl von „Bohne und Kleid“ gleich nebenan tut das. Neben schrägen Klamotten und witzigen Wohn-Accessoires gibt es bei ihr Koffein in die Tasse. „Ganz happy“ sei sie mit der Lage. Bei ihr bedienten sich übrigens Touristen und Nürnberger gleichermaßen.
Dass Heindl nicht zu den 32 Mitgliedern der Händlervereinigung im Burgviertel gehört, erwähnt deren Gründer Werner Kokott nebenbei und leicht resigniert. Die neu zugezogenen Ladenbesitzer fänden die üppige Weihnachtsbeleuchtung vor ihren Türen, für die sein Verein erfolgreich gekämpft hat, ganz selbstverständlich. Warum also 120 Euro Jahresbeitrag investieren? Er sei deshalb „richtig stinkig“, schimpft Kokott. Vielleicht, sinniert er, sollte man die Lichterketten für eine Saison wieder abschalten, um den Verweigerern heimzuleuchten?
Dann heißt es Handtaschen festhalten, damit keines von Radomir Hables schön geschliffenen Kristallgläsern vom Regal fällt. Ihm gehe es am Albrecht-Dürer-Platz gut, sagt er. Seine Kundschaft: vor allem Touristen. Trampoline preist Uwe Natterer von „Lebenslust“ nebenan den Besuchern als „wolkenweiche Mundwinkelnachobenzieher“ an. Wo vorher eine Postfiliale war, die von den Burgviertel-Bewohnern schwer vermisst wird, gibt es jetzt rückengesunde Bürostühle — und eben Trampoline, auf denen man sich fit joggen kann.
Die „Blumenfee“ in der Unteren Schmiedgasse, „Lapislazuli“ gegenüber dem Dürer-Haus, der „Senfladen“ in der Bergstraße sind weitere Stationen. Nur das „Bieramt“ oben am Tiergärtnertor, so heißt es, halte noch die Fahne des lokalen Bieres hoch. Alle anderen Lokale am Platz verkaufen inzwischen oberbayerischen Gerstensaft.

