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Eine Kirchweih ohne Fahrgeschäfte - das ist für die Veranstalter so mancher Nürnberger Stadtteil-Kärwa inzwischen Realität. So mussten die Bewohner von Großreuth bei Schweinau kürzlich mit einem Bierzelt, einer Spickerbude, Ballwerfen und ein paar Imbissständen auskommen, weil mehrere Schausteller, die zuerst zugesagt hatten, kurzfristig abgesprungen waren. Die Kirchweih in Großreuth hinter der Veste war vom Schaustellerverband und der Stadt heuer ganz aufgegeben worden und fand nur statt, weil die Kärwaburschen sie in Eigenregie als Stadtteilfest auf die Beine stellten — und dabei angeblich noch Geld sparten.
Selbst im größten Nürnberger Stadtteil Langwasser hat der Bürgerverein Probleme, den Kirchweihplatz ordentlich mit Buden und Fahrgeschäften zu füllen. „Ich vermisse das Engagement des Schaustellerverbands, die Kirchweihen ordentlich zu bestücken“, sagt Vereinschef Manfred Richter und spricht damit offenbar etlichen anderen Festveranstaltern aus der Seele.
Ähnliche Stimmen kommen nämlich aus den Stadtteilen Buch und Gostenhof. „Mit dem Schaustellerverband ist es ein Kasperlestheater, die machen, was sie wollen, und bemühen sich nicht“, schimpfte am vergangenen Wochenende Horst Quergfelder, Mitorganisator der Traditionskärwa in Buch.
Peter Bielmeier, Pfarrer der Gostenhofer Dreieinigkeitskirche, hatte es heuer mal mit einem neuen Konzept versucht und eine Rock-Kirchweih veranstaltet — mit Erfolg. In einem Brief an das städtische Liegenschaftsamt hebt Bielmeier die gute Zusammenarbeit mit den Schaustellern Gabriele Fleischmann und Alexander Heimerl hervor, die in der Sektion Nürnberg Schriftführerin beziehungsweise Kassier sind. „Wenig bis gar keine produktive Unterstützung“ habe es dagegen durch Johannes Krug und Heinz Melchior, die beiden Sektionsvorsitzenden, gegeben.
Auch Manfred Richter hat sich beim diesjährigen Maifest in Langwasser mit den Schaustellern Udo Hablowetz, Alexander Heimerl und Gabi Fleischmann, wie er sagt, „verlässliche Partner“ gesucht und auf Rockmusik gesetzt. Die nächste Kirchweih, so überlegt Richter, könnte in ähnlicher Form ohne den Schaustellerverband stattfinden.
Innerhalb der Sektion Nürnberg herrsche Kleinkrieg, so wird in Bürgervereins-, aber auch Schaustellerkreisen hinter vorgehaltener Hand kundgetan. Vor allem der Führungsstil von Johannes Krug wird kritisiert. Der betrachte die Aktivitäten seiner Vorstandskollegen zur Rettung der kleinen Stadtteil-Kirchweihen mit Argwohn und habe bei den Bürgervereinen viel Porzellan zerschlagen. Öffentlich will das freilich niemand sagen.
Jetzt hat sich Lorenz Kalb, Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbands, in die Debatte eingeschaltet. Am heutigen Freitag findet laut Kalb eine Krisensitzung mit der Vorstandschaft der Sektion Nürnberg statt. „Die meisten Schausteller sind verlässlich“, betont er. Viele Kleinschausteller kämpften ums Überleben. Schuld seien die „davongaloppierenden Kosten“. Wie Krug ist auch Kalb der Meinung, dass der Verband nur eine Vermittlerrolle habe und die einzelnen Schausteller nicht zwingen könne, die Kirchweihen zu bestücken. Die kleineren Feste müssten sich weiterentwickeln, um attraktiv zu bleiben. Wenn die Festorganisatoren sich als Konsequenz künftig selbst um Buden und Fahrgeschäfte bemühen wollen, „habe ich damit kein Problem“, so Kalb.
Da ist freilich der 1982 geschlossene Monopolvertrag zwischen der Stadt Nürnberg und dem Schaustellerverband vor. Der regelt, dass die Ortskirchweihen, soweit diese auf städtischen Flächen stattfinden, vom Verband auszurichten sind. „Der Vertrag ist das Hauptproblem, der würde einer Überprüfung durch Brüssel sicher nicht standhalten“, meint Marco Roß vom Kirchweihverein Großreuth bei Schweinau.
Ausdrücklich ausgenommen sind die ab 1972 eingemeindeten Stadtteile, wo sich Bürgerämter direkt um die Kirchweihen kümmern. „Dort läuft es viel besser“, merkt Peter Büttner von der Arbeitsgemeinschaft der Nürnberger Bürger- und Vorstadtvereine an, der die Kirchweih-Kultur in den Stadtteilen unbedingt erhalten will. „Wir schreiben die Schausteller direkt an und haben keine Probleme mit Absagen“, bestätigt Uwe Zeise vom Bürgeramt Ost in Fischbach.
„Die Beschwerden der Kirchweih-Veranstalter werden von uns ernst genommen“, beteuert Claus Fleischmann, Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes. Den Monopolvertrag bezeichnet er als „überholungsbedürftig“. Seine Behörde sei derzeit mit Ursachenforschung beschäftigt: „Wir wollen wissen, warum es auf manchen Kirchweihen funktioniert und auf anderen nicht.“ Was die Kosten betreffe, so müsse der Schaustellerverband endlich die Karten auf den Tisch legen. Bei einem runden Tisch mit allen Beteiligten will Fleischmann „einen Modus finden, den jeder erfüllen kann“. Grundsätzlich ist er der Meinung, „dass Verträge erfüllt werden müssen“. Die Zusammenarbeit mit der Sektion Nürnberg, so lässt Fleischmann durchblicken, könne auch gelöst werden: „Ich bin mit bestimmten Organisationen nicht verheiratet.“

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.