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Die Deutschen legen zu, an Gewicht und an Umfang. Manche so sehr, dass Standardanfertigungen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. In Kliniken müssen Operationstische verstärkt und verbreitert werden. Auch Sanitäter müssen sich auf extrem übergewichtige Menschen einstellen. Dasselbe gilt für Bestatter und Betreiber von Krematorien.
Am Westfriedhof gibt es drei Krematoriumsöfen, in denen Verstorbene eingeäschert werden. Doch zuletzt stand das Personal häufiger vor einem unlösbaren Problem. „Es gab immer wieder Situationen, da konnten Särge nicht mehr in den Ofen eingefahren werden“, sagt Günther Gebhardt, Chef der Friedhofsverwaltung. Die Särge waren schlicht zu breit für die Öffnung. Die Folge: Die Friedhofsverwaltung musste den Verstorbenen in einer anderen Stadt einäschern lassen oder die Angehörigen von einer Erdbestattung überzeugen.
Rund 25 Jahre liegt die letzte Generalsanierung des Krematoriums zurück. Jetzt investiert die Stadt 2,5 Millionen Euro. „Die gesamte technische Einrichtung wird neu gemacht“, sagt Gebhardt. Dafür wurden die Öfen abgebrochen und wieder neu aufgemauert. Zwei von dreien sind wieder in Betrieb. Der dritte ist noch in Arbeit. Es ist der Ofen, der vergrößert wird. Statt der bisherigen Breite von 90 Zentimetern wird die Öffnung einen Meter breit werden. Im Frühjahr soll der XL-Ofen in Betrieb gehen.
Die Bestatter haben sich schon vor Jahren auf Verstorbene mit starkem Übergewicht eingestellt. „Auch die Kombination überlang und überbreit stellt für uns kein Problem dar“, wirbt ein Sargbauer im Internet. „Die Leute werden immer korpulenter. In den letzten fünf bis zehn Jahren hat das stetig zugenommen“, sagt Jürgen Gerhäußer von „Friede“-Bestattungen in Nürnberg.
Der Standardsarg mit einer Länge von zwei Metern und einer Breite von 68 Zentimetern reicht oft nicht mehr aus. Mäßige Überbreiten habe sein Lieferant auf Lager, fährt Gerhäußer fort. In Extremfällen tut es nur eine Sonderanfertigung. „Dann muss man Maß nehmen.“ Er habe schon Särge mit einer Breite von bis zu 108 Zentimetern anfertigen lassen. Solchen Ausmaßen wird selbst das runderneuerte Krematorium nicht gewachsen sein.
Parallel zur Vergrößerung werden im Krematorium auch die Filter- und Verbrennungsanlagen auf den neuesten Stand gebracht. Dadurch wird der Schadstoffausstoß reduziert. Alle gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte würden dauerhaft unterschritten, sagt Gebhardt. Zwar seien die Werte auch in der Vergangenheit eingehalten worden. Die Friedhofsverwaltung sieht sich jetzt aber sogar für den Fall gewappnet, dass die Grenzwerte weiter verschärft werden. „Dies ist für uns besonders wichtig, weil sich das Krematorium in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet befindet“, fährt der Behördenleiter fort.
Außerdem wird durch die neue Technik der Energieverbrauch reduziert. Um wie viel? Das könne man erst nach einem dreimonatigen Betrieb genau sagen, so Gebhardt.
Derzeit berechnet die Stadt für eine Einäscherung mit Urne und deren Beschriftung 351,05 Euro.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.