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„Es ist mir eine große Ehre, nach Nürnberg zu kommen und mir die Stadt mit eigenen Augen anzusehen“, sagte Gao Xingjian in seiner Heimatsprache in der historischen Ratsstube des Rathauses Wolffscher Bau. Dann verewigte er sich im Goldenen Buch der Stadt.
Der Autor feierte ein Wiedersehen mit Nürnberg. Vor 15 Jahren kam er erstmals hierher, damals wurde sein Drama „Die Flucht“ aufgeführt. Bei seinem jetzigen Besuch stand dem Literatur-Nobelpreisträger mehr Zeit zur Verfügung, er nutzte die Gelegenheit, um die Stadt kennenzulernen. „Ich wusste nicht, dass Nürnberg so viel Kultur bietet“, sagte der ganz in Schwarz gekleidete Mann mit ruhiger Stimme. Er habe hier neue Eindrücke gewonnen. „Ich dachte immer, das Mittelalter war sehr dunkel“, fuhr der 71-Jährige fort und erzählte, dass er im Germanischen Nationalmuseum von den „beeindruckenden Gegenständen“ überrascht gewesen sei. Besonders die religiösen Skulpturen, bei denen er „so viel Menschlichkeit“ entdeckte, faszinierten ihn.
Doch nicht nur das Mittelalter, auch die Bilder von Albrecht Dürer zogen ihn in den Bann: „Ich habe sie mir genau angeschaut.“ Denn Xingjian ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Maler. Das Museum Tucherschloss zeigt aktuell bis zum 24.November seine Werke in Chinatusche.
Bürgermeister Klemens Gsell empfing den Gast. „Im Bereich der Malerei haben wir mit Dürer einen sehr guten Ruf, bei den Literaten arbeiten wir noch dran“, sagte er augenzwinkernd. Und ergänzte: „Ich begrüße gerne Vorbilder aus aller Welt, damit unsere Autoren bessere Arbeit leisten.“ Xingjian erhielt als erster chinesischsprachiger Schriftsteller vor elf Jahren den Nobelpreis für Literatur.
Der seit 1988 in Frankreich lebende Autor verließ China, nachdem er wiederholt politischen Kampagnen zum Opfer gefallen war. Mit der Auswanderung nach Frankreich bot sich für ihn die Chance, sich wieder frei äußern zu können und den Roman „Der Berg der Seele“, den er vor seiner Flucht aus China begonnen hatte, zu vollenden.
Nach der Ehrung im Rathaus flog Xingjian zurück nach Paris — wohl mit leerem Magen. Denn als er die von der Stadt angebotenen Häppchen erblickte, entschuldigte er sich mit den Worten: „Ich bin Vegetarier.“ In der Tat war von einem Käse-Schnittchen keine Spur.
Anlass seiner Reise war eine viertägige Konferenz in Erlangen, zu der das Internationale Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung an der Friedrich-Alexander-Universität eingeladen hatte.
Museum Tucherschloss, Hirschelgasse 9—11. Die Öffnungszeiten: Montag 10 bis 15 Uhr, Donnerstag 13 bis 17Uhr und sonntags 10 bis 17Uhr.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.