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Informationen aus erster Hand sind Gold wert, denn über die Nutzung des Luftschutzkellers im Zweiten Weltkrieg ist so gut wie nichts bekannt (wir berichteten). Deshalb startete das DB-Museum gemeinsam mit der Lokalredaktion einen Aufruf, der sich an Zeitzeugen richtet, die in dieser Sache weiterhelfen können.
Helene (Hella) Michaelis, geborene Vogtmann, ist einer von ihnen. Die Seniorin verfügt über ein bewundernswert gutes Gedächtnis. Immerhin ist Michaelis, die seit 1951 in Großgründlach wohnt, bereits 86 Jahre alt, also Jahrgang 1925. Von September 1944 bis März 1945 war der Arbeitsbunker in der Lessingstraße ihr Arbeitsplatz. Dort saß sie mit zwei weiteren Kolleginnen an einfachen Holzpulten, wie sie berichtet, und stand im Dienste der Oberzugleitung. Deren Bezirk ging damals fast bis Aschaffenburg.
„Bei Luftangriffen mussten wir per Telefon weiterleiten, an welchen Streckenabschnitten die Züge stehen bleiben mussten, damit nichts passiert“, erzählt Michaelis. Meistens handelte es sich um Waldstücke oder Täler, damit die Züge für feindliche Flugzeuge nicht von oben zu sehen waren. Sobald ein Zug den Nürnberger Hauptbahnhof passiert hatte, musste das dem Befehlshabenden gemeldet und umgehend in einen Streckenplan eingetragen werden, beschreibt Michaelis ihre Tätigkeit.
„Wir selbst kannten das Schienennetz ja nicht so gut, deshalb waren wir darauf angewiesen, dass uns jemand mitteilte, wo welcher Zug zu halten hatte, damit er nicht bombardiert wurde.“ Die Reichsbahn, erzählt Michaelis, hatte damals ein eigenes Telefonnetz. Allein für die Oberzugleitung seien rund 20 Mitarbeiter tätig gewesen. Daneben gab es noch zwei weitere Büros mit etwa ebenso vielen Mitarbeitern. „Doch genauer weiß ich das leider nicht mehr.“
Sie habe gern im Bunker gearbeitet, man habe sich da unten im Keller sehr sicher vor den Angriffen gefühlt, sagt Michaelis rückblickend. Außerdem sei die Tätigkeit sehr wichtig gewesen. Denn der Zugverkehr habe als die tragende Säule des damaligen Transportwesens in Deutschland gegolten. „Und wehe, ein Zug kam auch nur eine Minute zu spät, das gab immer ein Mordstheater“, schmunzelt die Seniorin. Das sei überhaupt kein Vergleich zur Pünktlichkeit der Züge heutzutage gewesen. Obwohl es damals wahrlich genug Gründe für die Verspätungen gegeben habe.
Michaelis lebte damals mit ihren Eltern in der Siemensstraße. Das Mietshaus wurde am 2. Januar 1945 durch eine Brandbombe zerstört. „Das war tragisch, denn man hätte löschen können, wenn nicht alle Wasserleitungen eingefroren gewesen wären.“ Obwohl die Familie die wichtigsten Dinge bereits im Keller untergebracht hatte, rannte die damals 20-jährige Hella nochmals zurück in den ersten Stock und „rettete“ eine Kleiderbürste und einen Laib Brot. „Das war natürlich dumm, aber ich war so in Aufregung“, erinnert sie sich.
1947 lernte sie ihren späteren Ehemann Rudolf kennen. Das Paar wohnte zuerst mit Tochter Gabriele in der Wölckernstraße, später zog es nach Großgründlach, um ein Haus zu bauen. Michaelis lebt noch heute mit ihrer Hündin Tapsi dort. Die Nürnberger Nachrichten liest sie, seitdem sie denken kann. „1945 haben sie schon meine Eltern abonniert, mein Mann und ich haben sie dann übernommen.“
Zeitzeugen, die aus eigenen Erfahrungen Wissenswertes über den Kriegsbunker in der Lessingstraße erzählen können, werden gebeten, sich in der Lokalredaktion unter (0911) 2162410 zu melden.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.