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„Ich bin wiederholt gefragt worden, ob es denn noch nötig sei, in dieser Form an die Ermordeten zu erinnern“, sagt Arno Hamburger, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Nürnberg, vor gut 250 Gästen, darunter zahlreiche Stadträte, aber auch Bezirks-, Landes- und Bundespolitiker. Hamburger bekräftigt: „Die Nacht der Schande 1938 ist sehr wohl nicht nur ein Anlass, sondern eine Pflicht für uns, daran zu denken, welche Verbrechen zwischen 1933 und 1945 geschehen sind.“
Der IKG-Vorsitzende warnt vor den jüngsten Aktivitäten der Rechtsextremisten, dankt aber gleichzeitig den demokratischen Parteien im Stadtrat und Oberbürgermeister Ulrich Maly persönlich für ihre Entschiedenheit, mit der sie gegen aktuelle Bestrebungen angehen, die NS-Verbrechen zu relativieren.
Im Stadtrat sitzen zwei Vertreter der NPD-Tarnorganisation Bürgerinitiative Ausländerstopp. „Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass den geistigen Nachfolgern der NS-Mörder die legale Plattform entzogen wird, von der aus sie die Bevölkerung zu täuschen versuchen“, meint Arno Hamburger. „Der Oberbürgermeister hat recht, wenn er sagt: Deren Ansichten gehören auf den Misthaufen der Geschichte.“
Ulrich Maly selbst würdigt ausdrücklich Hamburgers unermüdliches Engagement gegen den Rechtsextremismus und sichert ihm die uneingeschränkte Unterstützung des demokratischen Nürnberg zu. „Das rechtsextremistische Gedankengut ist mit einem NPD-Verbot noch nicht verschwunden“, sagt der Oberbürgermeister. Er mahnt zur äußersten Wachsamkeit gegenüber Einstellungen, die den Frieden bedrohen, Ausgrenzung propagieren oder einem neuen Antisemitismus das Wort reden.
Das Stadtoberhaupt spricht in seiner Rede während der Gedenkfeier auch das Memorium Nürnberger Prozesse an, dessen Eröffnung am 21.November internationale Beachtung finden wird. Die Ausstellung auf dem Dachboden des Nürnberger Justizpalastes beschäftigt sich mit der Geschichte der Kriegsverbrecherprozesse und ihrer Bedeutung für das moderne Völkerstrafrecht.
Auf zwei Dinge kommt es laut Maly an, wenn die internationale Gemeinschaft in zwei Wochen auf Nürnberg schaut. Zum einen müsse klar werden, dass damals zwar die NS-Hauptkriegsverbrecher verurteilt wurden, dass aber in der NS-Zeit viel mehr Menschen schuldig geworden sind, „die das System gebilligt oder sogar begeistert mitgetragen haben“; zum anderen dürfe die Vorgeschichte nicht vergessen werden.
Das, was in den 30er Jahren mit dem Wahlerfolg der Nazis, ihrer „Machtergreifung“ oder später den sogenannten Nürnberger Rassegesetzen seinen Anfang nahm, hatte vor allem eines zum Ziel, nämlich die weltweite Vernichtung jüdischen Lebens. Heute, so das Stadtoberhaupt, hat die jüdische Gemeinde in Nürnberg wieder feste Wurzeln geschlagen.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.