14°C

Dienstag, 02.09. - 23:27 Uhr

|

zum Thema

Falsche Rezepte für Drogen

Freiheitsstrafen:Trio manipulierte Röntgendiagnose und stahl Verordnungen - 22.09.2011 09:00 Uhr

An einem Tag im Februar 2010 sei ihr Freund mit Schmerzen nach Hause gekommen, erzählt die 24-Jährige vor dem Landgericht, und habe gesagt, wenn er die Fentanyl-Pflaster hätte, ginge es ihm besser. Ein Arzt hatte ihm das Betäubungsmittel schon einmal verschrieben — also machte sich die junge Frau daran, seine Röntgendiagnose mit einem falschen Namen zu versehen, um an weitere Pflaster zu kommen. Ihr 44-jähriger Freund ging daraufhin zunächst in die Notfallsprechstunde des Kreiskrankenhauses Hersbruck — und bekam prompt ein Rezept über 20 Pflaster.

Kaum zwei Tage später erschien er in einer Nürnberger Praxis. Die Ärztin warf einen Blick auf die Diagnose und verschrieb ihm zehn Pflaster. Sechs weitere Male funktionierte der Trick. Zur gleichen Zeit fälschte seine Freundin insgesamt 37 Rezepte, die er und ein drogenabhängiger Bekannter in Arztpraxen gestohlen hatten.

Auf der Anklagebank sitzt die junge Frau nun ohne ihren Freund — er ist inzwischen verstorben. Zu ihren Gunsten spreche, so der Staatsanwalt, dass sie keinen eigenen Nutzen aus den Urkundenfälschungen gezogen habe, sondern aus Liebe oder Mitleid handelte. Sie habe die Pflaster auch nicht selber konsumiert.

Persönlichkeit verändert sich

Ganz anders der 31-jährige Mittäter, der zudem schon eine beachtliche Drogenkarriere vorzuweisen hat: Seinen ersten Trip hat er mit 14. Der Vater kämpft mit der eigenen Abhängigkeit und stirbt schließlich an Hepatitis C, die Mutter hat ständig wechselnde Partner. In der neunten Klasse fliegt der Sohn vom Gymnasium, rutscht ins Rotlichtmilieu ab. Er spritzt Heroin, nimmt auch andere Drogen, trinkt zeitweise eine Flasche Wodka pro Tag. Lange Beziehungen hat er nie, dafür inzwischen zwei Kinder, die er nie sieht.

„So ein unkontrollierter Mischkonsum verschiedener Substanzen kann dazu führen, dass sich die Persönlichkeit massiv verändert“, sagt der Gutachter. „Den Tätern ist dann alles egal.“ Am Ende gehe es nur noch darum, sich Stoff zu besorgen.

Elf Vorstrafen hat der Süchtige inzwischen, wegen Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung, Drogenbesitz. Dass er diesem Teufelskreis aus Spritzen und Straftaten entkommt, verspricht er lieber nicht. „Aber ich tu' mein Bestes.“ Zur Zeit sitzt er wegen anderer Delikte in der JVA Nürnberg. Nun ist er erneut verurteilt worden — zu vier Jahren und vier Monaten hinter Gittern. Wegen seiner Drogenabhängigkeit wird er ab sofort in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Weil sie nur eine Vorstrafe hat, bekommt seine 24-jährige Komplizin ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung; zusätzlich muss sie hundert Stunden gemeinnützige Arbeit leisten oder tausend Euro bezahlen. Der Gerichtsprozess hat sie sichtlich mitgenommen. „Nie wieder möchte ich hier sitzen“, sagt sie leise.
  

SARAH BENECKE

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.