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Familienvater wird zum Verkehrsrowdy

Weil ihn ein Punk provozierte, sah der Mercedes-Fahrer rot - 15.06.11

Nürnberg  - Ein Punk provozierte ihn - da wurde ein Autofahrer (49) zum Verkehrsrowdy und nahm den 25-Jährigen auf die Motorhaube.


Weil ihn ein Punk provozierte, sah ein Familienvater rot.
Weil ihn ein Punk provozierte, sah ein Familienvater rot.
Foto: Stefan Hippel
Weil ihn ein Punk provozierte, sah ein Familienvater rot.
Weil ihn ein Punk provozierte, sah ein Familienvater rot.
Foto: Stefan Hippel

Nein, wie im „James-Bond-Film“ sei es am Abend des 4. September 2010 nun wirklich nicht zugegangen, schüttelt der Angeklagte den Kopf und zieht die Aussagen etlicher Augenzeugen durch den Kakao – die hätten wohl zu viel getrunken. Markige Sprüche, die der Familienvater nur im Gerichtsflur wagt, im Sitzungssaal gibt sich der Frührentner reumütig und bittet um eine milde Geldstrafe und Ratenzahlung.

An jenem Abend fuhr er gegen 22.45 Uhr mit seinem Mercedes die Fürther Straße entlang und bog in die Mendelstraße ab – dabei übersah er eine junge Frau. Die 22-jährige kam zwar mit dem Schreck davon, doch ihr Freund (25) ließ den flotten Fahrer nicht so einfach davon kommen. Leicht vorstellbar, dass beide tief in die Schublade der Fäkalsprache griffen – und lautstark schimpften, gilt doch der Mercedes in der Punk-Szene als Symbol des Establishments, angetrunken waren die Punks obendrein, wie sie im Zeugenstand zugeben. Und auch, dass er vor Wut gegen den Kotflügel des Mercedes trat, gibt der junge Mann zu.

Wütende Hetzjagd auf den Punk

Doch das weitere Verhalten des Autofahrers, eines dreifachen Familienvaters, muss mit Hilfe mehrerer Zeugen rekonstruiert werden. Wutentbrannt fuhr der Angeklagte an jenem Abend weiter, wendete und suchte zwischen Mendel-, Nützel- und Adam-Kraft-Straße nach dem Punk – ungestraft sollte dieser nicht auf seinen Mercedes eingetreten haben. Derweil schimpfte seine Gattin, sie saß auf dem Beifahrer-Sitz und zerrte an ihrem zornigen Gatten, um ihn von seiner Hetzjagd abzubringen. Doch vergeblich.

Bereits die Schimpftiraden der Punks hatten einen Mitarbeiter des Werkschutzes der Firma Datev aufhorchen lassen – regelmäßig marschiere er nachts rund um das Gebäude, berichtet der Mann. Die Punks im Stadtteil kenne er, deren Provokationen und Beleidigungen habe er gehört.

Gleichzeitig den Notruf gewählt

Doch im bunten Stadtteil Gostenhof standen an jenem Abend auch einige Besucher einer Kneipe vor der Tür, um zu rauchen – und ihnen verschlug es schier den Atem. Gleichzeitig griffen sie nach ihren Handys und wählten den Notruf. Und auch ein Anwohner störte sich an „dem Gwerch vor der Tür“ und blickte aus seinem Fenster im vierten Stock auf die Straße.

„Echt zackig“ bretterte da ein Autofahrer die Straße lang, der Punk lag auf dem Auto und krallte sich an der Motorhaube und den Scheibenwischern fest. Bis der Fahrer bremste und der junge Mann in hohem Bogen auf die Fahrbahn fiel. Doch der Mercedes-Fahrer raste wieder auf sein Opfer zu und dieses sah wieder keinen anderen Ausweg, als auf die Motorhaube zu springen.

Mit Schürfwunden davongekommen

Der Mann rutschte zum zweiten Mal vom Wagen und der Mercedes raste endlich davon. Als die Polizei eintraf, hockte der Punk auf der Straße. Er war mit Schürfwunden davongekommen – Interesse, den Verkehrsrowdy anzuzeigen, hatte das Punk-Pärchen nicht.

Im Verkehrsgericht wurde der 49-jährige Autofahrer nun zu zehn Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Zur Auflage wird ihm gemacht, 800 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen. Sein Führerschein, er wurde nach dem Vorfall bereits sichergestellt, bleibt weitere acht Monate weg. 



Ulrike Löw

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