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Über das riesige Blatt der Bananenstaude robbt eine unappetitlich große Schnecke. Eine Schnecke mit Stacheln auf dem Rücken? Irrtum, es ist kein Weichtier, sondern vielmehr die Raupe eines Bananenfalters. Die Nachzucht des in Costa Rica beheimateten Insekts funktioniert im Nürnberger Tiergarten erstaunlich gut. Zunächst hatte man damit gerechnet, dass alle 25 Arten ständig importiert werden müssen.
Doch nun stellt der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau zufrieden fest, dass sich gut ein Drittel der Arten in der neuen Umgebung am Schmausenbuck bei konstant 28 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit ebenfalls vermehren. Bei dem prächtigen Passionsfalter vollzieht sich der Lebenszyklus von Ei, Raupe und Puppe in sieben bis zehn Wochen, als Falter lebt er dann noch weitere drei bis zehn Wochen. Bis zu acht Generationen, rechnet Mägdefrau, könnten so pro Jahr hier aufwachsen und vergehen.
Manche Schmetterlinge sind derart produktiv, dass die Gärtner gelegentlich bereits Eier oder Raupen an die Fische verfüttern, um die angenagten Pflanzen zu schützen. Manche Blätter sehen schon reichlich mitgenommen und ramponiert aus, die Raupen sind eben unersättlich.
Bei der Planung, welche Flora im Manatihaus des Tiergartens wuchern darf, legten Experten unter anderem Wert auf Korallenstrauch, Wandelröschen und den Puderquastenstrauch (mit roten Büscheln): Die Schmetterlinge sollen eine große Nahrungsauswahl erhalten, außerdem sind Schälchen mit Honig und Nektar aufgestellt, an denen die Insekten mit ihren Rüsseln „tanken“ können. Doch bei etlichen Arten — wie dem Himmelsfalter mit seinen intensiv blau leuchtenden Flügeln — ist man weiterhin auf den Import angewiesen.
Züchter aus Costa Rica schicken alle zwei Wochen ein Päckchen mit den begehrten Puppen. In der Box muss die Temperatur zwischen 20 und 35 Grad Celsius betragen, die Luftfeuchtigkeit soll bei 85 bis 95 Prozent liegen. Ein Messgerät hält die Bedingungen im Karton während der viertägigen Reise fest.
Für die Schmetterlingszüchter ist der Insektenexport ein wichtiger Verdienst. Die Kleinbauern haben sich so eine Lebensgrundlage geschaffen und mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung auch ausreichend Praxis in der Nachzucht. Sie verzichten in der Landwirtschaft auf den Einsatz von Pestiziden, um ihre Erwerbsquelle nicht zu gefährden. Für die Puppe eines besonders auffälligen Falters zahlt man über vier Euro. Mit diesem hohen Preis wird die Nachzucht unattraktiverer Falter subventioniert, die für die ökologische Vielfalt in Südamerika wichtig sind.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.