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Gebaut wird, wie es der Investor haben will

Kritik an der Architektur des „Airport Business Hotels“ am Flughafen verhallte — „Betreibertauglich“ - 29.09. 10:00 Uhr

Nürnberg  - Gute Architektur, gute Geschäfte? Zwei Ziele, die sich nicht ohne Anstrengung versöhnen lassen. Das geplante „Airport Business Center Hotel“ am Flughafen ist dafür ein Paradebeispiel. Hier gibt der Investor den Ton an, die Kritik ist verhallt. Wie es dazu kam.


Wie  erstarrte Flügel eines riesigen Insekts ragen zwei Scheiben auf: Was Architekturexperten als zu aufgeregt kritisieren, wird doch gebaut.<autor>Modellfoto: Flughafen
Wie erstarrte Flügel eines riesigen Insekts ragen zwei Scheiben auf: Was Architekturexperten als zu aufgeregt kritisieren, wird doch gebaut.Modellfoto: Flughafen
Wie  erstarrte Flügel eines riesigen Insekts ragen zwei Scheiben auf: Was Architekturexperten als zu aufgeregt kritisieren, wird doch gebaut.<autor>Modellfoto: Flughafen
Wie erstarrte Flügel eines riesigen Insekts ragen zwei Scheiben auf: Was Architekturexperten als zu aufgeregt kritisieren, wird doch gebaut.Modellfoto: Flughafen

Manchmal sagen die Blicke, die sich die Baukunstbeiräte vor einem taufrischen Plan an der Wand des Sitzungssaales zuwerfen, mehr als die dürren Gutachten, in die ihre Statements am Ende gegossen werden. Im Fall des neuen Kongresshotels, das im März und Juni präsentiert wurde, waren diese Blicke besonders irritiert.

Unnötige Dynamik sollten die Experten dem Entwurf des Limburger Architekten Jürgen Christ später vorwerfen und Beruhigung fordern; der Bau mache die eigentliche Funktion des Flughafens zur Nebensache, sei zu aufgeregt, müsse grundsätzlich geändert werden. Gut gebrüllt, Löwe: Zweimal fiel der Entwurf im lediglich beratenden Beirat durch. Ändern wird sich nichts mehr daran.

Der Stein des Anstoßes: Zwei angeschrägte Scheiben, verbunden durch einen Mittelteil, stehen wie die erstarrten Flügel eines riesigen Insekts auf einem langgestreckten Flachbau (wir berichteten). Ein Bau, der auffallen will und der überall stehen könnte, in Kiew, im Emirat Katar oder in Vietnam, wo Architekt Christ auch schon gebaut hat. Eine Beziehung zu den überwiegend qualitätsvollen Bauten entlang des Flugfeldes hat er nicht.

Das Millionen-Projekt, das der künftige Betreiber ZBI AG bis 2013 errichten will, soll an der Einfahrt zum Flughafen, am Verkehrskreisel im Osten entstehen. Ginge es in der Innenstadt vor Anker, gäbe es garantiert erregte Debatten, weit über den Baukunstbeirat hinaus. Der Airport jedoch ist für Architektur-Interessierte eine Randlage, auch wenn 4,2 Millionen Passagiere im Jahr ein durchaus ansehnliches Publikum darstellen.

Er liebe seine Stadt und sei „froh, dass einer draufschaut, wie hier gebaut wird“. Sagt Flughafen-Chef Karl-Heinz Krüger, den die Kritik dennoch schmerzt, nicht zuletzt, weil sie den Investor, das scheue Reh, verunsichern könnte. Zwar hat man 2005, als noch ein reiner Bürokomplex geplant war, auf einen kleinen Architektenwettbewerb gesetzt. Namhafte Büros wie Grabow+Hofmann (Flughafenankunfts- und -abflughalle und Parkhaus), das Münchner Büro Behnisch (Flughafen-Tower, Münchner Olympiastadion), Friedrich Biefang (Business-Tower) und das Büro Kappler (Sebalder Höfe, Stadtbibliothek) waren darunter.

„Alles aus einer Hand“

Doch 2008 kam die Wende, man entschied sich für ein Kongresshotel und schrieb das Projekt unter Investoren aus. Der drei Jahre zuvor preisgekrönte Kappler-Entwurf, der vier geradlinige Bürotürme vorsah, wanderte in den Papierkorb.

Nun galt, was Karl-Heinz Krüger so formuliert: „Wir wollen alles aus einer Hand.“ Planung, Investition und Betrieb des Airport-Hotels wurden im Paket ausgeschrieben. Die siegreiche Firma hatte Architekt Christ an Bord und wenig Lust, sich dreinreden zu lassen in den Plan, den sie sich als tauglich und bezahlbar ausgerechnet hatte. Ein Architektenwettbewerb, den die Fachwelt für den Königsweg zu guter Baukultur hält, hätte diese Kreise gestört.

Warum das so ist, erklärt Baureferent Wolfgang Baumann: Investoren fürchteten die Dominanz der Fachleute, sie wollten sich von ambitionierten Jurys nichts vorschreiben lassen, was „nicht betreibertauglich“ ist. Hätte die Stadt mehr tun können für eine gute Lösung am Flughafen? Man habe lange verhandelt, heißt es. Der Deal laufe gewöhnlich so: Der Investor bekommt mehr Baurecht, als ihm per se zusteht, und lässt sich dafür zum Wettbewerb überreden. Zwingen, so Baumann, könne man freilich keinen.

Konkrete Zwänge gibt es dagegen für die Flughafen GmbH. Das Luftgewerbe werde härter, deshalb müsse man sich auf das Geschäft am Boden konzentrieren, sagt der Chef. Zu 39 Prozent ist man hier schon aktiv, 120 Millionen seien investiert worden. Ausdehnen könne man sich nicht mehr weiter. Deshalb übernimmt der Investor und baut, was ihm gefällt.
  





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