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Ihre Stimme bebt ein wenig, als sie die Bilder Revue passieren lässt. Bilder von ihrem Erlebnis in der Gräfenbergbahn. Bestätigt hat sich für Lena Bernheine an diesem Abend vor drei Monaten, dass sie vor drei Jahren die richtige Entscheidung traf: Coolrider zu werden. Das sind Schüler, die in Zivilcourage trainiert werden, um im Ernstfall mutig aufzustehen — gegen Pöbler, Schläger oder zerstörungswütige Zeitgenossen.
Vor den Augen der 16-Jährigen stänkerte ein junger Mann einen anderen an, schlug auf ihn ein. „Der Zug war voll.“ Die einen Fahrgäste drehten sich ängstlich weg, andere kannten den Täter offenbar. Sie flachsten, ob der wohl gleich wieder Schlägern werde. Denn dafür ist er bekannt. Das Opfer drückte den Notfallknopf, der Lokführer meldete sich. „Der Täter sprach ins Mikrofon: ,Einmal Chicken McNuggets und eine Cola‘“, erinnert sich die Schülerin des Gymnasiums Eckental. Der Fahrer nahm das nicht ernst. Die Prügelei ging weiter.
Bernheine erkannte einen anderen Schüler im Zug, ebenso ein Coolrider. Ein Zufall. Sie tat das, was sie in der 20-stündigen Ausbildung gelernt hat: sich mit anderen Coolridern zusammenzuschließen. Indes schritt die Freundin des Schlägers ein, der ließ von seinem Opfer ab.
Die beiden kümmerten sich um das 22-jährige, verwirrte Opfer. „Ich sagte: ,Wir sind Coolrider und haben die Situation beobachtet. Wir können die Polizei alarmieren.‘“ Das Opfer hatte keine sichtbaren Verletzungen, wollte nicht, dass sie eine Streife rufen und stieg an der nächsten Station aus. Überraschend für die Coolrider war: Der Täter selbst bedankte sich später für ihren Einsatz.
Denn der hatte in der brenzligen Situation eine deeskalierende Wirkung. Genau das, was das Konzept der Coolrider, das es seit zehn Jahren gibt und im Nürnberger Martin-Behaim-Gymnasium startete, will. Das Modell hat sich bewährt und in den vergangenen Jahren weit über die Grenzen der Noris hinaus erstreckt. Heute nutzen rund 50000 Kinder und Jugendliche die öffentlichen Verkehrsmittel in Nürnberg und der Region. Mittlerweile gibt es hierfür insgesamt 2000 ausgebildete Coolrider, die sich ab dem 13.Lebensjahr dazu schulen lassen können. Unterstützt wird das Projekt von VAG sowie VGN und der Polizei. 40 Schulen beteiligen sich daran, zehn davon in Nürnberg.
Das Erfolgsprojekt soll nun laut Innenminister Joachim Hermann in Bayern weiter ausgedehnt werden. Den Startschuss dafür gab der CSU-Politiker im Rahmen eines feierlichen Aktes im Historischen Straßenbahndepot der VAG. In einem ersten Schritt übernimmt die Verkehrsgesellschaft in Augsburg das Konzept unverändert. Ein Sponsor hat sich auch schon gefunden: die Stiftung der Bayerischen Versicherungskammer. Bis 2016 fließt von ihr eine Finanzspritze von 450000 Euro in das Projekt — Geld, das dringend für die Ausbildung der Coolrider benötigt wird.

