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Geschenke als Beziehungsbarometer

Autor Holger Schwaiger über den Sinn des Gebens und Fallstricke bei der Auswahl - 17.12.2011

Holger Schwaiger mit einer Tasse aus den 50ern, die er von seiner Frau geschenkt bekam.

Holger Schwaiger mit einer Tasse aus den 50ern, die er von seiner Frau geschenkt bekam. © Bernd Böhner


Ich sage Ihnen, was ich schenke, und Sie sagen mir, ob ich eine gute Ehefrau bin. Funktioniert das?

Holger Schwaiger: Ja. Wenn Sie die Erwartungen und Wünsche Ihres Partners kennen und Sie ihm diese erfüllen — dann läuft die Beziehung gut. Geschenke sind eine Art Beziehungsbarometer.

Sie schreiben in Ihrem Buch: Wer schenkt, der kommuniziert. Was ist, wenn man nach 30 Ehejahren keine Geschenkidee mehr hat?

Schwaiger: Dann läuft in der Kommunikation des Paares etwas nicht glatt. Nach 30 Jahren hat man sein Pulver längst noch nicht verschossen. Im Gegenteil. Der Mensch profitiert von einer dreißigjährigen Erfahrung mit dem Partner. Leider wird diese Zeit oft nicht als Vorsprung wahrgenommen, der es eigentlich ist, und man rettet sich in Phrasen wie: Er/Sie hat doch sowieso schon alles.

Was machen diese Menschen falsch?

Schwaiger: Sie sind nicht aufmerksam genug und bereiten sich zu wenig vor. Daten wie Geburtstage, Jubiläen und Weihnachten sind ja bekannt. Doch wie so oft im Leben, entstehen viele Projekte erst in der letzten Sekunde. Die Zeit wird häufig unterschätzt — das nennen wir dann Weihnachtsstress.

Weihnachten steht vor der Tür: Was ist ein gutes Geschenk?

Schwaiger: Dafür gibt es kein Rezept. Es muss einfach passen. Und das tut es, wenn man auf die Freuden und Wünsche sowie die Erwartungen und Erfahrungen des Beschenkten eingeht. Diese Hintergründe, die sich im Laufe der Zeit ändern, können unterschiedlich ausfallen. Je stärker man sie aufeinander abstimmt, desto mehr hat man die Chance, dass das Geschenk gelingt.

Was halten Sie von Geld- und Gutscheinen: Praktisch oder langweilig?

Schwaiger: Dazu fällt mir Angst vor der eigenen Courage ein. Denn solch ein Geschenk verliert die Gabe, dass ich mich auf die Persönlichkeit des anderen einstelle. Ich sage vielmehr: Such Dir selbst etwas aus. Damit wird der Sinn des Schenkens auf den Kopf gestellt — eine emotionale Bankrotterklärung. Wobei man differenzieren muss: Beispielsweise ein Gutschein für ein Konzert, das erst später stattfindet, spielt in einer anderen Liga.

Und wenn man beim Geschenk völlig danebengreift?

Schwaiger: Lernt man daraus. Man braucht keine Angst davor haben, jede Kommunikation kann misslingen. Allein der Gedanke zählt.

Welche Rolle spielt der Preis?

Schwaiger: Der Euro ist nicht die Kategorie, in der Geschenke bewertet werden sollen. Es zählt der emotionale und symbolische Wert.

Wie ist es um die Beziehung eines Paares bestellt, das ausmacht, sich an Weihnachten nichts zu schenken?

Schwaiger: Dann muss es eine andere Form der Kommunikation finden. Dahinter kann sich aber auch eine Abkehr vom weihnachtlichen Konsumrausch verbergen. Und oft liegt dann doch — entgegen aller Absprachen — eine kleine Überraschung unterm Baum.

An festen Terminen wie Weihnachten bekommt man Geschenke. Reicht das aus, damit die Kommunikation lebendig bleibt?

Schwaiger: Nein. Wie heißt es so schön: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Darin liegt auch der Sinn des Schenkens — die Pflege der sozialen Kontakte. Überraschungspräsente, mit denen man ein Gefühl zum Ausdruck bringt, sind etwas Besonderes und haben einen noch höheren Wert.

Was war Ihr letztes Geschenk?

Schwaiger: Ein Überraschungsgeschenk: Ich habe ein Faible für Dinge, die Elvis und seine Nachfolger begeistert haben. Und so sammle ich Tassen aus jener Zeit, die wir auch benutzen. Meine Frau hat mir vor zwei Wochen ein schönes Exemplar aus den 50ern geschenkt.

Zu guter Letzt: Was ist das Geheimnis glücklicher Paare?

Schwaiger: Die Liebe. Doch sie bedarf permanenter Pflege. Man muss Arbeit und Emotionen investieren und bekommt viel zurück. Liebe ist ein großes Geschenk.

  

Interview: CLAUDIA BEYER - Lokales Nürnberg

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