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,Gottlos‘ fährt in Nürnberg kein Bus

Verkehrs AG lehnt Werbeauftrag einer Agentur ab - 22.04.2009

NÜRNBERG  - Großformatige Aufkleber mit Sätzen wie «Es gibt keinen Gott«, «Gottlos glücklich« oder «Gott ist eine Behauptung« haben auf Bussen der Nürnberger Verkehrsaktiengesellschaft (VAG) keinen Platz. Das Unternehmen hat den entsprechenden Werbeauftrag einer Agentur abgelehnt.

Die Stadtbusse in Nürnberg werden weiterhin ohne "gottlose" Werbung fahren.
Die Stadtbusse in Nürnberg werden weiterhin ohne "gottlose" Werbung fahren.
Foto: Mark Johnston

In jüngster Zeit versucht eine Initiative nach dem Vorbild der britischen Atheist Bus Campaign und ähnlicher Aktivitäten in anderen europäischen Ländern auch in Deutschland Fuß zu fassen. Sie wird unterstützt von Einrichtungen wie dem Forum für Utopie und Skepsis, dem Bund für Geistesfreiheit, der Giordano-Bruno-Stiftung oder dem Bund für Konfessionslose und Atheisten. Finanziert wird die Werbung auf Stadtbussen über Spenden. Sie fließen nach Angaben der Organisatoren stets reichlich.

"Positive Möglichkeit"

Sie wollen nach eigenem Bekunden deutlich machen, dass «säkulare Menschen mittlerweile genug davon haben, ständig ,übersehen‘ oder missachtet zu werden«. Auch eine nichtreligiöse, aufgeklärte Weltsicht stelle eine «positive Möglichkeit« dar. Menschen mit einer solchen Haltung sollen durch die Werbung erfahren, dass sie nicht alleine sind. Sie sollen mutiger werden, «sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einmischen«. Leben ohne Gott könne durchaus auch eine Bereicherung sein. Immerhin sei heute schon etwa ein Drittel der Bevölkerung ohne jede Konfession.

Die Sprüche mit Zusätzen wie «Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben«, «Werte sind menschlich - Auf uns kommt es an« oder «Aufklärung heißt, Verantwortung zu übernehmen« sollten zunächst auf Bussen in Berlin, Köln oder München stehen. Dort erhielten die Verantwortlichen aber eine Abfuhr. In Dortmund wiederum ist die Entscheidung noch offen. Dort ist die katholische Kirche den Atheisten zuvorgekommen. Es fährt ein Bus mit der Aufschrift «Keine Sorge, es gibt Gott! Also schönen Tag« durch die Stadt.

"Reifliche Überlegung"

Nürnberg hat jetzt abgewunken. Schon im März hatte eine Werbeagentur im Auftrag der «Buskampagne« bei der VAG angefragt, «ob eine Mediaschaltung bei Ihnen möglich ist«. Ist sie nicht, wie VAG-Sprecherin Susanne Muhlert gegenüber der Lokalredaktion jetzt beteuerte. Nach reiflicher Überlegung habe man sich entschieden, den Auftrag nicht anzunehmen.

Zum einen, so Muhlert, wird der Absender der Botschaft nicht richtig deutlich. «Es könnte der Eindruck entstehen, wir selbst, die VAG, stecken hinter diesen Äußerungen.« Man wolle sich aber weltanschaulich neutral verhalten. Und es soll auf jeden Fall vermieden werden, dass sich Kunden durch Werbung, wer immer sie schaltet, negativ berührt fühlen oder sich in ihrem religiösen Empfinden verletzt sehen könnten.

Grundsätzlich kann auf den Außenflächen und in den Innenräumen der 123 U-Bahn-Doppeltriebwagen, der 49 Straßenbahnzüge oder der 269 VAG-Busse, in den betriebseigenen Anlagen und in den U-Bahnhöfen geworben werden. Rund eine Million Euro nimmt die VAG damit jährlich ein. 

Michael Kasperowitsch



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