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Grundwasser kühlt Wände der neuen Stadtbibliothek

In dem 30-Millionen-Euro-Bau steckt ausgefeilte Technik — Noch viel Arbeit bis zur Eröffnung am 25. Oktober - 06.08.2012 19:50 Uhr

Während die neue Stadtbibliothek zunehmend die Architekturdebatte befeuert, wird im Inneren mit Hochdruck gearbeitet. Jetzt läuft die Endphase des Umzugs.

Während die neue Stadtbibliothek zunehmend die Architekturdebatte befeuert, wird im Inneren mit Hochdruck gearbeitet. Jetzt läuft die Endphase des Umzugs. © Eduard Weigert


Drinnen sind die neuen Dinge noch unter dicken Plastikplanen verborgen. Manchmal spitzt ein Stück glänzendes Riemenparkett unter einer Folie hervor. Der Rest ist Chaos. Draußen allerdings befeuert der in Brauntönen gehaltene Bau mit dem markanten Querriegel schon jetzt die Architekturdebatte in der Stadt.

Die wollte Kulturreferentin Julia Lehner gestern beim Pressegespräch im halbfertigen dritten Stockwerk mangels Zuständigkeit nicht führen, sondern lieber über die ausgefeilte Technik sprechen, die in dem 30-Millionen-Euro-Bau stecken wird. Die reicht von der automatischen Mediensortieranlage über Grundwasserkühlung in den Wänden und Solaranlage bis hin zur Edelgaslöschanlage, die wertvolle Schriften im Notfall schont. Das umgebaute Luitpoldhaus hat künftig Passivhausstandard und spart durch gute Wärmedämmung rund 50 Prozent Primärenergie ein.

„Von wegen, das Buch ist tot“, sagt Julia Lehner. 65000 aktive Kunden hat die Stadtbibliothek bereits jetzt, 2011 zählte man 900000 Besuche. Das könnten nach dem 25.Oktober weit mehr werden. Andere Bibliotheken hätten nach einer Modernisierung bis zu 40 Prozent mehr Zuspruch, berichtet Elisabeth Sträter, die das Haus leitet. Doch auch mit 20 Prozent Kundschaft mehr sei man sehr zufrieden.

Umfragen unter Nicht-Nutzern von Bibliotheken hätten ergeben, dass vor allem die Öffnungszeiten als unbefriedigend empfunden werden. Darauf reagiert die Stadt. Künftig wird 45 Stunden in der Woche geöffnet sein, das sind 40 Prozent mehr als bisher. Dass Bücher und andere Medien 24 Stunden täglich an zwei Automaten zurückgegeben werden können, mache den neuen „Leuchtturm in der Nürnberger Kulturlandschaft“ zusätzlich attraktiv, hieß es gestern.

Zuerst aber müssen 700000 Medien — darunter allein 100000 wertvolle Handschriften und historische Drucke — ihren Platz in den neuen Regalen am Gewerbemuseumsplatz finden. Neu ist ab Oktober auch die Lernwelt gleich neben dem Haupteingang, in der die Stadtbibliothek zusammen mit dem Bildungszentrum geschulte Berater(innen) stellt, die beim richtigen Lernen helfen.

Einjähriger Lehrgang

Ob bei der Facharbeit, beim wissenschaftlichen Arbeiten einzeln und in Gruppen oder beim Lerntypentest: „Beratung wird immer wichtiger“, so Wolfgang Eckart, der Leiter des Nürnberger Bildungscampus. Zurzeit läuft bereits der zehnte einjährige Lehrgang für Mitarbeiter der Lernwelt. Künftig werde man hier verstärkt auf Ehrenamtliche setzen, so Eckart.

Das muss wohl so sein, denn bereits ein halbes Jahr nach der Neueröffnung wartet auf die Bibliothek eine weitere schwere Aufgabe. Mitte 2013 muss sie dem Stadtrat ein Konzept vorlegen, wie sie Geld sparen und Personal abbauen könnte. Laut Wolfgang Eckart wird das eine Gratwanderung, die nur mit der Hilfe neuester Technik zu schaffen sei.

Schon ab Januar nächsten Jahres wird es ein neues Gebührenmodell geben, das nicht mehr auf ein Jahresticket à zwölf Euro setzt, sondern sich auf die ausgeliehenen Medien bezieht. Ob’s teurer wird? Das könne man heute noch nicht sicher sagen, so Elisabeth Sträter. (StandPunkt Seite 8) 

CLAUDINE STAUBER - Lokales Nürnberg

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