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Herzkrank beim Stadtlauf - (fast) kein Problem

Fünf frühere Herz-Patienten nahmen am 10-Kilometer-Lauf teil — Alle wurden sportmedizinisch betreut - 01.10.2011 15:00 Uhr

Fast alle Läufer auf diesem Bild haben eines gemeinsam: Sie waren herzkrank. Nun treten Jutta Schamberger (ganz links) und ihre Mitstreiter beim Nürnberger Stadtlauf an.

Fast alle Läufer auf diesem Bild haben eines gemeinsam: Sie waren herzkrank. Nun treten Jutta Schamberger (ganz links) und ihre Mitstreiter beim Nürnberger Stadtlauf an. © Manuela Prill


Als ihre Herzen am Montag höherschlugen, dann nicht, weil sie krank sind. Der Puls stieg, weil der besondere Tag endlich da war — und ein großes Ziel. Keiner der fünf Teilnehmer hätte vor vier Monaten nur daran gedacht, dass er mal beim Nürnberger Stadtlauf an den Start gehen würde.

„Zehn Kilometer! Niemals hätte ich geglaubt, dass man das schaffen kann.“ Dieter Koth schüttelt den Kopf, als könne er es immer noch nicht so recht glauben. Vor zwölf Jahren hatte der 69-Jährige seinen ersten Herzinfarkt. Aus heiterem Himmel, der Stress im Job war zu viel. „Damals hatten mich die Ärzte eigentlich schon aufgegeben“, erzählt er. Nach der Reha kehrte der Maschinenbautechniker zurück ins Berufsleben, 2007 dann der zweite Infarkt.

Weniger Medikamente

Umso erstaunlicher, dass er heute in seinem Sportdress nicht nur ziemlich fit aussieht, sondern es auch ist. „Durch das Lauftraining ist mein Blutdruck runtergegangen und ich muss weniger Medikamente nehmen.“

Auch Maria Gonzalez traf es völlig unvorbereitet. Mit 45 erlitt die schlanke, sportliche Frau einen Infarkt, ein halbes Jahr später musste ein Bypass gelegt werden. Dass sie am Montag als Läuferin an den Start geht, hätte auch sie nie für möglich gehalten. „Ich habe vorher mehr Mannschaftssport betrieben, auch ohne Infarkt hätte ich mir zehn Kilometer nicht zugetraut“, sagt sie.

Wie ihr geht es fast allen in der kleinen Laufgruppe. Nur Norbert Beer (51), der vor zwei Jahren an einer Herzklappe operiert wurde, war von Anfang an klar, „dass man danach wieder Sport machen kann und wie wichtig das ist“.

Die Idee für das Projekt „Laufen mit Herz“ stammt von Sabine Schumm. Die diplomierte Lauftherapeutin und Kardiosportgruppenleiterin arbeitet zusammen mit dem Institut für Sportmedizin und betreut dort Herzsportkurse. Schon lang ist sie davon überzeugt, dass kontinuierliches Lauftraining für Herzpatienten nicht schädlich sein muss. Im Gegenteil.

Nicht nur Stock und Sofa

Das bestätigt auch Dr. Bernd Langenstein, der die Teilnehmer vorab einem umfassenden Leistungs- und Fitnesscheck unterzogen hat. „Das Signal, das wir damit setzen wollen, ist, zu zeigen, dass mehr geht, als man denkt“, sagt er. Nicht selten hätten Patienten oder deren Angehörige Angst vor Überbelastung.

Bei vielen herrscht die Angst vor, dass sie sich mit Sport eher schaden. „Ich kenne viele, die denken, nach einem Infarkt gibt es nur noch Stock und Sofa“, stimmt Dieter Koth zu. Die kontinuierliche medizinische Betreuung während der Trainingsphase hat den fünf Läufern diese Angst genommen und Mut gemacht, es trotz Herzerkrankung zu versuchen.

Gut vier Monate haben sie nun zusammen mit Sabine Schumm ihre Ausdauer trainiert, Schritt für Schritt, ohne Leistungsdruck und ohne Zeitvorgaben. „Am Anfang war ich schon ein bisschen skeptisch, aber ich hatte nie das Gefühl, dass es mir schadet“, meint Jutta Schamberger.

Inzwischen kann sich die 53-Jährige, die vor ihrer Herz-Operation noch nicht ein einziges Mal Joggen war, ein Leben ohne Laufschuhe gar nicht mehr vorstellen.

Weitere Informationen zur Aktion „Laufen mit Herz“, ein ausführliches Lauftagebuch mit Bildern sowie einige Videos der Teilnehmer-Gruppe unter www.strukturtraining.de 

MANUELA PRILL - Lokales Nürnberg

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