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Im Gedränge durch die Gänge beim Indoor-Lauf

Marathon im Bürogebäude der Landesgewerbeanstalt — Die erste derartige Veranstaltung in Deutschland - 07.11.05

Die einen spielen Fußball in der Halle, die anderen Tennis oder Handball. Warum soll es nicht möglich sein, auch unter Dach lange Strecken zu laufen? Die Landesgewerbe-Anstalt (LGA) und das Team Klinikum luden zum ersten Indoor-Marathon Deutschlands ein. Die NN-Redaktion war mit einem Test-Läufer vertreten.


Im Laufschritt über den Nadelfilzboden: Ein ganz neues Marathon-Gefühl im Bürogebäude der LGA. Foto: Edi Weigert
Im Laufschritt über den Nadelfilzboden: Ein ganz neues Marathon-Gefühl im Bürogebäude der LGA. Foto: Edi Weigert
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„Irre“, „des machsd ned wirklich?“, „willsd dich hierichdn?“: Die Reaktionen auf die Ankündigung, am ersten deutschen Rennen durch ein Bürogebäude, das der LGA, teilzunehmen, fielen eindeutig aus. Zusammenfassend: Du spinnst. Um es vorweg zu nehmen: Ein Indoor-Marathon ist im Prinzip auch nichts anderes als einer draußen. Man rennt und rennt und rennt. Und irgendwann ist man im Ziel. Aber wiederum ist doch manches anders.

Der Indoor-Marathon ist nämlich beispielsweise wetterunabhängig. Wie gestern: Draußen lacht die Herbst-Sonne, und 150 Laufverrückte wetzen in mehr oder weniger dicker Luft durch die langen Gänge eines Bürohauses. Wenigstens sind die Fenster offen. Kalt wird es aber nicht. Dazu ist zumindest am Anfang das Gedränge viel zu groß. Allmächd, mer muss scho hard im Nehmen sein: Ein Ellenbogen in die Nieren, ein Arm im Gnack, eine Fußspitze an der Achillessehne. Das Indoor-Läuferleben ist hart.

Besonders tragisch wird es auf den schmalen Treppenfluren. 44 Stufen sind in jeder 780 Meter langen Runde zu bewältigen. 22 runter, 22 rauf. Die Cracks, von denen es genügend gibt, springen und rennen. Unsereiner hält sich da ein wenig zurück. Und zieht sich dafür den Unmut der schnellen Konkurrenz zu. Die überholen will — und in der Enge nicht kann.

Das gibt sich im Lauf der Zeit. Das Feld zieht sich auseinander. 55 Mal im Kreis. Klingt schlimm, ist es aber nicht. Geduld muss man haben. So mit der Zeit lernt der Läufer/die Läuferin auf dem Gumminoppenboden im Keller jede der 47 913 Noppen persönlich kennen. Und gutmütig muss man sein. Vor allem gegenüber dem Computer, der die Runden zählt. Der wartet nämlich dann und wann mit gänzlich unfairen Überraschungen auf. Beispielsweise, wenn er dich zwei Mal auf die Runde 17 schickt und dich dann gar, wenn du dich im Schweiße deines Angesichts zur Runde 33 vorgekämpft hast, zur Runde 28 zurückstuft.

Dann fängst du an zu rechnen: Einmal im Kreis rund fünf Minuten. Mal sechs betrogene Runden sind 30 Minuten. Oder anders ausgedrückt: Statt 42,195 Kilometer läufst du 46,875 Meter. Gelbe Karte für den elektronischen Rechner! Den stört es nicht.

So läuft unsereiner und läuft und läuft und läuft. Die vielen Zuschauer im Foyer, zuerst ausgelassen, sind müde geworden. Die Sambaband ist verstummt. Es wird einsam am Schluss auf den sechs Fleißrunden. Ein paar laufen noch weit hinter unsereinem. Ein Trost. Die Sieger indes sind schon lange im Ziel. Der Lokal-Matador Hannes Schmidt hat es wieder mal geschafft: Er spurtete regelrecht in 2:56:21 Stunden durch die langen Gänge. Neid lass nach! Die erste Frau, Elke Streicher, kam fast genau 50 Minuten später ins Ziel. Aber immer noch weit vor unsereinem: 4:40:07, Platz 38. Oder so ähnlich. Sehen wir’s mal positiv: Nur 37 Männer sind jemals bei einem deutschen Bürogebäude-Indoor-Marathon schneller gewesen. Wenn des nix is! 





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