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Erst gab es kleine Irritationen beim einen oder anderen, als Takeo Ischi loslegte. Denn der Japaner stand im dunklen Kimono auf der Bühne und sang außerdem einen japanischen Schlager, der recht gemächlich und ziemlich jodelfrei war. Aber: Nach diesem fernöstlichen „Willkommensgruß“ ließ er seinen Kimono fallen, gab sich krachledern und jodelte, wie es sich die Besucher wünschten.
Zwischendurch gab der 65-Jährige einen Einblick, wie es mit dem Jodeln begonnen hatte: In seiner Jugend hörte er stundenlang die Musik von Franz Lang. „Und ich habe versucht, das Jodeln nachzumachen, das war natürlich schwer.“ Er übte in den japanischen Bergen, trat einem Jodel-Verein in Tokio bei und wurde immer zungenfertiger. Schließlich landete er im japanischen Fernsehen, danach auch im deutschen; das war vor 20 Jahren. Seinen Popularitätsschub bei jungen Leuten erlebte Ischi, der mit Songs wie „Ich wünsch mir eine Jodlerbraut“ oder „Wenn ich verliebt bin, muss ich jodeln“ Erfolg hat, nach einem Auftritt bei Stefan Raab.
Entsprechend unterhielt er gestern ebenso traditionelle Volksmusikfreunde fortgeschrittenen Semesters wie auch Twens, die sogleich losschunkelten, mit einem Grinsen, das ebenso Ausdruck ironischer Distanzierung wie schlichter Freude über Herrn Ischis Jodelkunst bedeutete.
Das alles beim „Nachmittags-Frühschoppen“, wie es Festwirt Jürgen Papert nannte. Es war sicherlich nicht „rappelvoll“ in seinem Festzelt, aber angesichts des bescheidenen Wetters war der Bechhofener zufrieden. Außerdem: Den Frühschoppen, der um 11 Uhr begonnen hatte, als Tradition „wiederzubeleben“, das sei keine Sache von Jetzt auf Gleich. „Das dauert zwei, drei Jahre“, sagte Papert. Vormittags, da saßen noch überwiegend Männer im Festzelt, allein oder in Grüppchen, ließen sich die Maß oder Schweinshax’n schmecken, lauschten der „Blasmusik Illenschwang“ oder sahen der jungen Dame in kurzer Lederhose nach, die durch die Reihen ging und anbot, Fotos zu schießen.
Unterdessen fand draußen der erste Volksfestlauf statt, der auch einen sozialen Aspekt hatte und 5200 Euro für den Hospizverein erbrachte — 5000 Euro stammten von der Bürgerstiftung, die restlichen 200 aus dem Verkauf von Trikots für den Lauf entlang Flachweiher, Silbersee und Dutzendteich. Trotz nicht gerade angenehmer Temperaturen traten insgesamt 314 Teilnehmer an, 136 von ihnen gingen sogar auf die längste Strecke, bei der eine Distanz von 9,2 Kilometern zu bewältigen war.
Fazit: Man sei zufrieden, sagte Bernhard Nuss vom ausrichtenden Verein „Never walk alone“ im Nachhinein und kündigte an, es gebe auch 2013 einen Volksfestlauf. Dann aber sollen mehr Staffeln als diesmal dabeisein— zum Auftakt traten nur zwölf an, in einer lief auch Oberbürgermeister Ulrich Maly mit.
Nuss, selbst prominenter Läufer, kann sich vorstellen, im kommenden Jahr Firmen-, Familien-, Nationalitäten- oder Blind-Date-Staffeln anzubieten — bei Letzterer lernt man sich erst kurz vor dem Start kennen. Es gehe beim Volksfestlauf darum. Freude zu haben und Menschen in Bewegung zu bringen, nicht um ein Höher, Schneller oder Weiter.
Sportsgeist in diesem Sinne müssen auch die Schausteller beweisen, denn das bisherige Wetter schließt Rekordzahlen aus. Bislang kamen lediglich 800000 Besucher aufs Volksfest. Nun hofft man auf „die zweite Halbzeit“.
Mo. 15.04.13
Fr. 12.04.13
Fr. 12.04.13
Do. 11.04.13
Mi. 10.04.13