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Fast 25000 Jugendliche zwischen elf und 17 leben in Nürnberg. Was das mit dem Frost zu tun hat? Nichts, Menschen dieses Alters pfeifen nämlich drauf. „Soooo wollt ihr rausgehen?“, stöhnen Mütter morgens beim Blick auf tiefe Dekolletees und entblößte Nieren. Ja, sie wollen. Etwas tun gegen die Kälte ist leider uncool.
Nicht erst in der Pubertät, viel früher beginnt der Streit um Schal und Handschuh. Kinder- und Jugendarzt Ekkehard Ziemer kennt das. „Die gehen auch ohne Schirm im Regen“, sagt er nüchtern. Es dauere länger, bis die Minusgrade bei den jungen Leuten ankämen, so seine Erfahrung. Bloß keine Mütze, das ist Gesetz. Ziemer: „Und die Finger müssen frei bleiben zum Daddeln am Handy.“ Grippe-
epidemien registriert der Mediziner deshalb nicht. Es sind eher Magen-Darm-Viren, die ihn momentan beschäftigen.
Was früher die lange Unterhose war, heißt jetzt Funktionskleidung. Heute Abend im eisigen Stadion wird Club-Fan Bernd Siegler (53) Dessous eines norwegischen Outdoor-Herstellers tragen, ganz in Schwarz, und auf ein 1:1 gegen die Borussia hoffen. „Da tät’s mir warm werden!“ Er werde sich zusätzlich „ein Stadionheftla untern Hintern legen“ und von der Fußheizung Alpenheat Trend träumen, die er in einem Schaufenster gesehen — und nicht gekauft hat. Der 1. FCN übrigens wird zum ersten Mal heißen Tee anbieten in der Arena. Recht so, von Alkohol raten die Mediziner bei Kälte ohnehin ab. Dazu verlost der Verein fünf(!) Sitzkissen unterm bibbernden Fan-Volk. Richtig warm hat es immerhin der Rasen im Stadion. Die Bodenheizung funktioniere bis minus 20 Grad problemlos, heißt es beim Club.
Nicht nur der Mensch, auch sein Tier spürt die Nebenwirkungen von Hoch „Dieter“. Liegt viel Streusalz, schützt Talg die Hundepfoten, rät Beruthe Weichenrieder vom „Zooeckla“ in Gostenhof. Natürlich hat sie auch warme Mäntel für Vierbeiner im Angebot. Hilft’s? „Ganz ehrlich: nee“, sagt sie; die meisten Rassen hätten
ausreichend Unterwolle. Nur alte, kranke oder dicke Hunde, die sich wenig bewegten, bräuchten Winterkluft. Und vielleicht der asketische Windhund, der so gar keinen Speck auf den Rippen hat.
Speck, das ist das Stichwort für Prof. Erwin Schultz, der Chef der Hautklinik am Klinikum ist. Wo Speck bei Frauen sitzt, am Po und an der Oberschenkeln, dort gebe es bei Frost manchmal Rötungen, weil die Durchblutung schlechter ist. Fettreiche Creme oder gar Vaseline empfiehlt er für Gesicht und Lippen, sie schütze die Haut, die draußen und unter trockener Heizungsluft leidet.
Wer glaubt, Frostbeulen seien zuletzt beim Russlandfeldzug 1941 vorgekommen, irrt. Das gebe es auch heute und keineswegs nur bei Obdachlosen, sagt der Chefarzt. Rote bis bläuliche Flecken oder Schwellungen an Fingern und Füßen bräuchten Wärme und notfalls Cortison. „Wir haben viel mit Juckreiz zu tun im Winter, gerade bei Älteren mit trockener Haut“, so der Arzt.
Unabhängig von solchen kältebedingten Krankheitsbildern wohnen in der Brust von Lauftrainer Bernhard Nuss (50) zwei Herzen. „Vernünftige lassen das Joggen zurzeit sein“, sagt er — um dann von der Laufgruppe zu berichten, die er abends durch den Wald scheuchen wird. Langsam und gemäßigt, mit Thermojacke und einem Schal vor dem Mund, sei Laufsport bis minus zehn Grad machbar, sagt Nuss. Ihm sei allerdings schon mal der Schnauzbart festgefroren.
Ein solcher wächst den Zwergen vom Kindergarten „Waldwichtel“ noch nicht, die gestern am Schmausenbuck vier Stunden lang durch den Forst gestromert sind. Es sei der erste Tag gewesen, an dem ein paar Kinder gejammert hätten, sagt Betreuerin Kim Götz. Dann wurde auf Eispfützen gehetschelt, und alles war gut.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.