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Dass in einem Gotteshaus der Name des Herrn genannt wird, ist nicht ungewöhnlich. Der Anblick der Ahmadiyya-Moschee allerdings vermag sogar dem einen oder anderen nichtmuslimischen Gast ein spontanes „Oh Gott!“ zu entlocken. Auch einigen der jungen Frauen und Männer vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ergeht es daher nicht anders, als sie vor der kleinen muslimischen Gebetsstätte stehen, die sich ganz hinten in einem grauen, restlos zugeparkten Hinterhof in der Bulmannstraße versteckt: „Ich hatte doch etwas Größeres erwartet“, bemerkt Lukas Hofmann. Der 19 Jahre alte angehende Bauzeichner bemerkt sofort kleinere bauliche Mängel.
Wer nach dem trostlosen ersten Eindruck noch auf eine prachtvolle Innenausstattung hofft, wird auch im Inneren des schmucklosen Hauses enttäuscht: Abgesehen von einem kleinen Aufenthaltsraum, einer Teeküche und dem WC, besteht die Moschee nur aus einem etwa 100 Quadratmeter großen Gebetsraum mit blauem Teppichboden und weiß getünchten Betonwänden ohne jegliche Schnörkel.
Obwohl die BDKJ-Gruppe inklusive ihrem Betreuer Michael Ziegler gerade mal zu zwölft ist, findet Johanna Chlechowitz (18) den Raum, in dem die Muslime ihre jungen Gäste empfangen, „sehr eng“. Wie hier bis zu 120 Männer und Frauen Platz finden sollen, kann sich keiner der Besucher so recht vorstellen. Umso mehr staunen die katholischen Jugendlichen, als sie erfahren, dass sich dort trotz der Enge ein reges Gemeindeleben mit Frauen- und Jugendgruppen und vielen religiösen und kulturellen Veranstaltungen sowie Unterricht entfalten kann.
„Wenn wir solche Bauten als Kirchen haben müssten“, meint Magdalena Biskupek, „dann hätten wir sicher viel weniger Mitglieder als jetzt.“ Auch Michael Ziegler, der die 16- bis 20-Jährigen im Rahmen ihrer einwöchigen Jugend-WG betreut, ist beeindruckt: „Mich hat das spontan an das Urchristentum erinnert“, sagt der SPD-Stadtrat und erklärt: „Die mussten ihren Glauben damals auch in Hinterhöfen leben.“
Dass heute, Jahrhunderte später, der Ahmadiyya-Gemeinde „einige nicht mal in einem Industrie- oder Randgebiet erlauben wollen, ihre Moschee zu bauen“, oder versuchen, ihnen das Minarett als Erkennungszeichen ihres Gotteshauses verbieten zu wollen, empöre ihn.
Ähnlich sehen das auch die Jugendlichen, die mit ihrem Besuch in der Bulmannstraße laut Johanna Chlechowitz ihre Solidarität mit den Muslimen demonstrieren wollen. Schließlich, so die 18-Jährige, „ist das Recht auf freie Glaubensausübung für uns etwas Selbstverständliches. Dass man dies den Muslimen absprechen will, ist einfach erschreckend.“ Selina Winkler (18) hat daher auch kein Verständnis für die Debatte ums Minarett: „Die Form ihrer Gebäude ist den Menschen in allen Religionen wichtig, denn sie huldigen darin ja Gott.“
Daran, dass sie das in Nürnberg tatsächlich einmal in einem neuen, ansprechenden Gotteshaus in der Conradtystraße tun können, hegen die Ahmadiyya-Muslime trotz der Diskussionen und Widerstände keinen Zweifel. „Wir lassen uns nicht entmutigen“, versichert Vorstands-Mitglied Imran Zaka, der auch „nicht allzu enttäuscht“ darüber ist, dass die CSU sich nach anfänglicher Unterstützung für das Bau-Vorhaben nun zumindest gegen das Minarett stellt.
Der 30-jährige Wirtschaftsingenieur, der erst vor einigen Jahren nach Nürnberg kam, hat ähnliche Widerstände bereits bei anderen Moschee-Bauten in Hessen erlebt und zieht daraus vor allem ein Fazit: „Wir sind jetzt in der Pflicht, die Menschen zu informieren und ihnen zu zeigen, dass unsere Gemeinde unter den muslimischen Gemeinden eine ganz besondere ist.“
